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| 17:05 Uhr

Kanzleramtschef im Schlossgespräch

Waldemar Locke (2. v. r.) und Ingo Herschmann aus Mulkwitz haben Kanzleramtsminister Peter Altmaier (l.) zum Thema Bergbau, Umsiedlung und Strukturwandel angesprochen. Dieser nahm sich viel Zeit für das Gespräch.
Waldemar Locke (2. v. r.) und Ingo Herschmann aus Mulkwitz haben Kanzleramtsminister Peter Altmaier (l.) zum Thema Bergbau, Umsiedlung und Strukturwandel angesprochen. Dieser nahm sich viel Zeit für das Gespräch. FOTO: ni
Bad Muskau. Das ist schon ein Unterschied, ihn in einer TV-Talkrunde zu erleben oder live und in Farbe – Peter Altmaier (CDU), Chef des Bundeskanzleramtes und somit einer der wichtigsten Männer an Angela Merkels Seite. Eine Persönlichkeit, und das nicht nur körperlich, heißt ihn Bundestagskollege Michael Kretschmer Donnerstagabend im vollen Saal zum Muskauer Schlossgespräch willkommen. Gabi Nitsche

Das, als das akademische Viertel schon um war. "Im gleichen Stau hierher haben wir aber nicht gestanden", bittet Kretschmer um Entschuldigung, dass man auf sich warten ließ. Bei aller Ernsthaftigkeit der Themen erleben die Besucher einen Abend gespickt mit Humor, bei dem so einiges aus dem Nähkästchen der Berliner und Bonner Politik ausgeplaudert wird.

Der Minister mit den besonderen Aufgaben ist Saarländer. "Bevor wir beigetreten sind, seid ihr beigetreten." Wenn also einer den Osten versteht, dann Altmaier, so Moderator Kretschmer. Eigentlich wollte Altmaier mit dem Schlossgespräch in den Sommerurlaub starten. Die politische Realität habe nicht nur ihn eingeholt. "Auch die Kanzlerin hat heute Morgen an ihrem ersten Urlaubstag pünktlich im Büro gesessen." In Sachen Türkei musste reagiert werden. "Bei aller Freundschaft - so können wir das nicht akzeptieren." Grundlegende Freiheitsrechte würden von der Türkei nicht eingehalten, mittlerweile zehn deutsche Staatsbürger säßen hinter Gittern, "und es gibt keine triftigen Anklagepunkte, die nachvollziehbar wären". Altmaier verteidigt in Bad Muskau die Entscheidung der Bundesregierung an diesem Tag, die Sicherheitshinweise für Türkeireisende zu verschärfen.

Altmaier sagt von sich, er gehe nicht immer mit, was politisch gerade modern ist. Als er mit 16 in die CDU, in die Schülerunion, eintrat, zogen viele andere Gleichaltrige die SPD vor. Es war die Zeit Willi Brandts und dessen umstrittener Ostpolitik, so Altmaier.

Als einer der jungen Wilden und der Bonner "Pizza-Connection" gehörte er zu denen, die infrage stellten, was schon immer gemacht wurde. "Zwischen den Grünen und der CDU gab es keine Kontakte. Dann haben sich acht von jeder Seite in einem Bonner Weinkeller getroffen und geredet." Zu einer Koalition sei es nie gekommen, "aber es gab keine Berührungsängste mehr". Altmaier halte bis heute an dem Lebensmotto fest: "Hauptsache ist gutes Essen, dann gute Arbeit." Für ihn heißt das: "Außerhalb von Sitzungen und Debatten stellt man fest, die anderen sind auch nur Menschen. Wir brauchen es, über Parteigrenzen hinweg zusammenzuarbeiten." Kretschmer will im Laufe des Frage-Antwort-Spiels wissen, ob ihm politische Gegner manchmal leidtun. "Nee, sie haben das Los selbst gewählt", so die Antwort mit Augenzwinkern. Altmaier ist dafür, die Politik-Unterschiede deutlich zu machen. "Aber man muss auch versuchen, Gräben zu überwinden und Kompromisse zu suchen. Man sollte seine Haut teuer verkaufen, aber auch bereit sein, dem anderen entgegenzukommen. Man trifft sich immer zweimal im Leben", rät der Saarländer. Es gehe um Kompromisse fürs ganze Land.

Altmaier nimmt sich an diesem Abend auch Zeit für Fragen aus dem Publikum. Ina Kokel, Ordnungsamtsleiterin in Weißwasser, wurmt längst nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich. "Was tun Sie für die Zukunftsgeneration?", will sie wissen. Altmaiers Antwort hängt unmittelbar mit dem Wahlprogramm seiner Partei zusammen. Stichworte: mehr Kindergeld, Rechtsanspruch auf Betreuung in der Grundschule, Baugeld für Familien mit Kindern. "Alle Kinder sollen gleiche Bildungschancen haben", fordert Altmaier. Heiner Seifert aus Weißwasser zeigt infrastrukturellen Nachholebedarf auf. "Wir brauchen ein ordentliches Straßennetz" zur Autobahn.

Breiten Raum nimmt die Energiewende ein. Petra Sczesny, WBG-Chefin in Weißwasser, bittet ihn "inständig", die Lausitzrunde ernst zu nehmen. Stichwort Strukturwandel. "Da haben Sie mich an Ihrer Seite", versichert Altmaier. Das Schlossgespräch ist vorbei. Auf dem Balkon wird weiter debattiert.