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| 03:18 Uhr

Kanitz-Stein tritt die letzte Reise an

Längst nicht bei allen Anwohnern war der Kanitz-Gedenkstein in der Waldhausstraße wohlgelitten.
Längst nicht bei allen Anwohnern war der Kanitz-Gedenkstein in der Waldhausstraße wohlgelitten. FOTO: Rehle/jor1
Weißwasser. Der Gedenkstein für den in Weißwasser erschossenen Kommunisten Erich Kanitz darf auf dem Friedhof der Stadt den Pfad des Gedenkens ergänzen. Mit dem Einverständnis der Denkmalpfleger hat die Platte hier nun wohl endgültig ihren Platz gefunden. Daniel Preikschat

Zwischenzeitlich sah es schon fast so aus, als würde die Gedenkplatte wie ein Wanderpokal oder ein Staffelstab behandelt. Denn nirgends war dem wuchtigen Stein mit der markigen Inschrift "Dein Kampf ist uns Verpflichtung" ein Plätzchen auf Dauer beschieden. Zunächst am Wasserturm platziert, musste der Stein im März 1981 in die Erich- Kanitz-Schule in der Südstadt umziehen. Als die spätere Mittelschule Anfang vorigen Jahres abgerissen wurde, versetzte die Stadt den Stein in die Waldhausstraße. Dort, direkt an der Bundesstraße B 115, war nach dem Abriss von Kassenhäuschen und Litfaßsäule ein Platz frei geworden. Allerdings empörten sich nun einige Anwohner über die Steinplatte, sodass die Denkmal-Kommission einen erneuten Umzug auf den Friedhof vorschlug.

Hier nun trafen sich kürzlich Vertreter von der Stadtverwaltung und dem Landesamt für Denkmalschutz. In den Pfad des Gedenkens sollte die Kanitz-Tafel integriert werden. Vorgesehen war ein Platz direkt an der Friedhofsmauer, so Günter Segger, Leiter der Denkmal-Kommission in Weißwasser. Da die Mauer jedoch sanierungsbedürftig ist, der Stein dort außerdem zu nahe einer großen Stele und einer Skulptur stehen und ihnen Konkurrenz machen würde, einigte man sich auf einen anderen Standort. Auf einer Grünfläche, eingerahmt von Bäumen, soll der Stein nun stehen. Ein schöner und würdiger Platz, wie Segger findet. Auch von der Baum- und Gehölzsanierung, die auf dem Friedhof ansteht, sei das Denkmal an dieser Stelle nicht betroffen.

Aus Sicht Seggers ist alles Weitere jetzt nur noch Formsache. Hat doch das Landesamt für Denkmalpflege den neuen Standort schon abgesegnet. Im Sommer dürfte der Umzug vonstattengehen. Zu prüfen sein wird, ob die Platte möglicherweise samt Fundament versetzt werden kann. Den verwaisten Platz soll eine neue Tafel füllen, auf der erklärende Worte zur Sportanlage am Turnerheim stehen sollen, wie Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext) gegenüber der RUNDSCHAU schon angekündigt hatte.

Auf die Frage, ob denn nun dieser neue Standort bei den Bürgern von Weißwasser akzeptiert sein wird, sagt Segger nur: "Die Diskussion hört nie auf."

Zum Thema:
Erich Kanitz wurde 1899 in Berlin geboren und war in Weißwasser in den Osram-Werken tätig. Als Mitglied der KPD-Kreisleitung engagierte sich Kanitz in der Stadt. So leitete er einen Theaterzirkel für Junge Pioniere. Während einer Demonstration gegen die Nationalsozialisten im Juli 1932 geriet Erich Kanitz in einen Tumult. Dabei traf ihn eine Polizei-Kugel tödlich. Ob es ein Mord war, ist bis heute umstritten.