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| 16:12 Uhr

Naturschutz
Kanal-Spree soll in altes Bett zurück

Nördlich des Tzschellner Wehres verläuft die Spree wieder in ihrem ursprünglichem Bett. Südlich des Wehres war der Fluss in einen  Kanal gezwängt worden.
Nördlich des Tzschellner Wehres verläuft die Spree wieder in ihrem ursprünglichem Bett. Südlich des Wehres war der Fluss in einen Kanal gezwängt worden. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Uhyst/Boxberg. Zwischen Uhyst und Neustadt ist die Spree auf vielen Kilometern kanalisiert. Das könnte sich mittelfristig ändern. Die Behörden wollen dieses Vorhaben ab 2019 angehen. Von Torsten Richter-Zippack

Nördlich des Uhyster Schlossparks ändert die Spree ihre Fließrichtung. Der Fluss schwenkt in einem weiten Bogen von Süd-Nord auf Ost-West. Bis vor rund 40 Jahren floss das Gewässer weiter nordwärts. Doch der Tagebau Bärwalde nahm das alte Flussbett in Anspruch. Dieses musste neu errichtet werden, allerdings in Kanalform. Nur einen knappen Kilometer von der ersten Richtungsänderung entfernt, folgt bereits die zweite. Dann geht es wieder nordwärts. Schnurgerade strömt das Spreewasser nunmehr parallel zur nahen B 156. Kurz vor Bärwalde strömt der Fluss unter der Bundesstraße hindurch in sein ursprüngliches Bett.

Doch nördlich des Heidedorfes, konkret ab der Mündung des Schwarzen Schöps, beginnt aufgrund des Tagebaus Nochten ein weiterer Spree-Kanal, in dem sich auch das Tzschellner Wehr befindet. In Höhe der Ortserinnerungsstätte hat sich bis heute das ursprüngliche Flussbett erhalten. Selbst die Tzschellner Spree-Insel gibt es noch rudimentär.

Bislang gibt es zwar keine Pläne für eine Renaturierung der Spree zwischen Uhyst und Neustadt, heißt es aus der Landestalsperrenverwaltung (LTV). „Aber ab dem Jahr 2019 wollen wir uns intensiv mit diesem Gewässerabschnitt beschäftigen“, kündigt LTV-Sprecherin Britta Andreas an. Der Bedarf für einen solchen Eingriff sei auf jeden Fall vorhanden. Denn das teilweise folienabgedichtete und schnurgerade Gewässer entspricht nicht gerade einem attraktiven Lebensraum für Pflanzen und Tiere. Die LTV will prüfen, welche Möglichkeiten der Renaturierung im Abschnitt zwischen der Schöps-Mündung bis Neustadt bestehen.

Direkt in Bärwalde, unmittelbar neben dem Landschaftspark von Rötschke, befindet sich ein mit Wasser gefüllter Altarm, der im Volksmund aufgrund seiner Form als Krümme bezeichnet wird. Dort ist laut Britta Andreas eine Renaturierung nicht sinnvoll. Der Altarm liegt im Rückstaubereich des Bärwalder Spree-Wehres.

Vonseiten des Biosphärenreservates Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, das an der Mündung des Schwarzen Schöps in die Spree seinen seinen nördlichsten Punkt erreicht, werden alle Aktivitäten zur Renaturierung der Spree und weiterer Fließgewässer in der Oberlausitz befürwortet. „Ein naturnaher Flusslauf ist immer auch ein Wanderweg für viele Flussfische wie Barben, Ukelei und Quappen“, sagt der Wasserspezialist des Schutzgebietes, Dr. Jan Peper. Mehr noch: „Mit der Renaturierung der Spree im Tagebaugebiet verbinden wir die Hoffnung, dass auch die ursprünglich typischen Lebensgemeinschaften des Flusses deutlich gefördert werden und diese vormals häufigen Fische sich wieder öfter bei uns blicken lassen.“

Erst im vergangenen Mai hat ein Großprojekt zur Spree-Naturierung in der Gemeinde Malschwitz nordöstlich von Bautzen begonnen. Bis zum Jahr 2019 wird der Fluss auf einer Länge von fünf Kilometern naturnah gestaltet. Altarme erfahren ihren Wiederanschluss, vorhandene Auwaäder werden aufgewertet, neue Auenwiesen begründet. Insgesamt elf Maßnahmen sollen umgesetzt werden. Dadurch wird die Spree zwischen Lömischau, Hal­bendorf und Neudorf rund anderthalb Kilometer länger.

Spree-Impression unmittelbar am Bärwalder Wehr und dem daneben befindlichen ehemaligen Elektrizitätswerk.
Spree-Impression unmittelbar am Bärwalder Wehr und dem daneben befindlichen ehemaligen Elektrizitätswerk. FOTO: Torsten Richter-Zippack