| 02:47 Uhr

Jungfernfahrt auf dem Smaragdsee

Begeistert schicken die Kinder ihre Schiffchen in das eben auf den Namen "Smaragdsee" getaufte Gewässer auf Jungfernfahrt.
Begeistert schicken die Kinder ihre Schiffchen in das eben auf den Namen "Smaragdsee" getaufte Gewässer auf Jungfernfahrt. FOTO: amz1
Weißwasser. Weißwasser hat den Braunsteich. Und den Jahnteich. Jetzt auch den Smaragdsee. Dieser befindet sich direkt an der Muskauer Waldeisenbahn in Richtung Kromlau. Bis dato trug das Gewässer gar keinen Namen, nicht mal eine Nummer ist bekannt. amz1

Das sagt zumindest Nancy Sauer vom Geopark Muskauer Faltenbogen. "Was liegt da näher, als dem See einen Namen zu geben?", so Sauer.

Die Bezeichnung "Smaragdsee" rühre von der Wasserfarbe her. Das Nass präsentiert sich nämlich in sattem Türkis. Der Grund? Früher wurde dort Ton abgebaut. Das Material sorge nun für das durchaus an die Karibik erinnernde Flair.

Zur Gewässertaufe gehört freilich nicht nur ein Name, sondern auch eine Jungfernfahrt. Mehrere Kinder schicken ihre aus Rinde selbst gebastelten Schiffchen auf die Reise. Da der Wind offenbar keine Lust hat, muss mit Harken nachgeholfen werden. Auf den winzigen Segeln hatten die Kinder Wünsche notiert, die zumeist mit der Natur zu tun haben.

Der geschätzt einen halben Kilometer lange und 100 Meter breite Smaragdsee geht auf die ehemalige Grube Hermann zurück. Ab Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum Jahr 1959 sind dort ober- und unterirdisch Braunkohle sowie hier und dort Tone abgebaut worden. Die übrig geblieben "Löcher" wurden teilweise verfüllt und anschließend sich selbst überlassen. Dann und wann stürzten die Hohlräume unter Tage ein, sodass der inzwischen an der Oberfläche nachgewachsene Wald in die Tiefe gerissen wurde.

Nach Angaben von Nancy Sauer setzt sich die Grube Hermann aus neun Mulden zusammen. Pro Mulde wiederum haben sich ein bis drei Kleingewässer gebildet. Manche tragen Namen, beispielsweise "Birkenmulde" oder "Fichtenmulde", andere dagegen nur bergmännische Nummern und wiederum andere gar nichts. "Der Rechercheaufwand zu diesem Gebiet ist enorm", weiß Sauer. Die Akten lägen in verschiedenen Archiven, unter anderem auch in Breslau, da Weißwasser bis zum Jahr 1945 zur Provinz Niederschlesien mit der Hauptstadt Breslau gehörte.

Im Gebiet zwischen Weißwasser, Krauschwitz, Gablenz und Kromlau gibt es rund 30 Gewässer, die allesamt auf den Bergbau zurückgehen. Im gesamten Muskauer Faltenbogen sind es um die 400, davon zwei Drittel auf deutscher Seite. "Ich kann mir vorstellen, in Zukunft weitere Seen zu benennen", sagt Nancy Sauer. "Denn das ist für den Tourismus nur förderlich." Inzwischen gebe es vonseiten des Sächsischen Oberbergamtes eine inoffizielle Freigabe des Gebietes nördlich von Weißwasser. Da treffe die bewährte Regel zu, dass rund 70 Jahre nach dem Ende des Bergbaus nicht mehr mit Brüchen oder Rutschungen zu rechnen sei. Ein Großteil der Gruben war bereits in den 1930er- und 1940er-Jahren aufgegeben worden.

Schon im Jahr 2001 ist laut Nancy Sauer an einem touristischen Wegesystem für dieses Areal gearbeitet worden. Rund fünf Kilometer habe es in seiner Gesamtheit gemessen. Doch durch aufsteigendes Grundwasser seien mehrere Verbindungen "abgetaucht". Durch die Inbetriebnahme eines Grabens in Richtung Halbendorf könne nunmehr das Wasser geordnet abgeführt werden. Die ursprünglich avisierten Wege seien wieder da, wenn auch manchmal kaum noch als solche in der Landschaft erkennbar.

Der für die Geopark-Chefin reizvollste Weg führt direkt am Smaragdsee entlang. Schmal schlängelt sich das Band auf einer Art Damm zwischen zwei Gewässern hindurch. Immer wieder gibt es neue Eindrücke von dieser Landschaft direkt im Scheitel des Faltenbogens.

Familie Wünsche aus Weißkeißel ist von der Schönheit der wasser- und reliefreichen Landschaft begeistert. "Die Kinder können hier nach Herzenslust toben und spielen", sagt Katja Wünsche. So lerne der Nachwuchs am besten, dass es durchaus auch ohne Smartphone geht.