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Junge Ärzte sollen "an die Hand" genommen werden

Ute Taube von der Kreisärztekammer, Martina Weber und Volker Höynck unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung.
Ute Taube von der Kreisärztekammer, Martina Weber und Volker Höynck unterzeichneten die Kooperationsvereinbarung. FOTO: U. Menschner/ume1
Görlitz. Der Landkreis Görlitz, das Ärzte-Netz Ostsachsen und die Kreisärztekammer wollen künftig in einem Weiterbildungsverbund zusammenarbeiten. Sie wollen jungen Medizinern das Leben in der Region – auch im Landkreis Bautzen – erleichtern. Uwe Menschner / ume1

Der Landkreis Görlitz will die Anreize für junge Ärzte, sich in der Region niederzulassen, verbessern und kooperiert dafür mit der Ärzte-Netz Ostsachsen GbR und der Kreisärztekammer. Die drei Körperschaften unterzeichneten die Vereinbarung für eine gemeinsame Initiative zur Facharztausbildung. "Ziel ist es, die ärztliche Versorgung im Landkreis Görlitz langfristig und nachhaltig zu stabilisieren und stetig zu verbessern", erklärt die für Gesundheit zuständige Beigeordnete des Landrates, Martina Weber.

Die Notwendigkeit für diesbezügliche Bemühungen liegt auf der Hand: "Zwar sind wir derzeit rein rechnerisch noch voll versorgt, doch ein großer Teil der niedergelassenen Ärzte wird in den nächsten Jahren in den Ruhestand gehen, ohne dass es bislang einen Nachfolger gibt", so Dr. Volker Höynck vom Ärzte-Netzwerk Ostsachsen. Als Beispiel nennt der in Niesky praktizierende Arzt sein eigenes Einzugsgebiet, in dem derzeit noch ein 81-jähriger Mediziner zur Versorgung beitragen muss.

Doch auch in Weißwasser und im Raum Ostritz/Hirschfelde stellt sich die Situation bereits als prekär dar. Das Problem des sich abzeichnenden Ärztemangels betrifft sowohl den Bereich der Hausärzte als auch den der Spezialisten mit eigener Praxis oder an den Krankenhäusern.

Um das Ziel zu erreichen, soll die obligatorische Weiterbildung der jungen Ärzte im Landkreis Görlitz so attraktiv wie möglich gemacht und gezielt dafür geworben werden. "Schwerpunkt ist daher die Gründung eines Weiterbildungsverbundes, wie sie bereits vor einiger Zeit vom Kreistag beschlossen wurde", so Martina Weber.

Neben der fachlichen Weiterbildung sollen die jungen Mediziner "an die Hand" genommen werden, um ihnen das Leben im Landkreis Görlitz so angenehm wie möglich zu gestalten. "Das umfasst vor allem Fragen der Vereinbarkeit von Beruf und Familie", erklärt Volker Höynck. Kinderbetreuung, Kultur, eine Arbeitsstelle für den Partner - die "weichen Standortfaktoren" spielen für die Lebensentscheidungen junger Fachkräfte eine immer größere Rolle. Dafür bekommt jeder Aspirant einen persönlichen Mentor an die Seite gestellt - einen in der Region verwurzelten Mediziner, der ihn sowohl in fachlichen als auch in lebenspraktischen Fragen beraten kann.

"Wir wollen den jungen Ärzten die diesbezüglichen Vorzüge des Kreises Görlitz und der gesamten ostsächsischen Region deutlich machen", so der Vertreter des Ärzte-Netzes. Der gesamten Region deshalb, weil sich unter den 24 Gesellschaftern der GbR auch einige aus dem Landkreis Bautzen befinden. Zudem will Geschäftsführer Hans-Jürgen Tauch den Landkreis Bautzen zu einem stärkeren Engagement bewegen.

Neben den "Ärzten in Weiterbildung" zählen Medizinstudenten der oberen Semester zu den Zielgruppen, wofür das Städtische Klinikum Görlitz und das Klinikum Oberlausitzer Bergland Zittau/Ebersbach als Lehrkrankenhäuser der TU Dresden eine wichtige Rolle spielen.

Zum Thema:
Die Ärzte-Netz Ostsachsen GbR ist ein im Jahr 2014 gegründeter Zusammenschluss von (bis jetzt) 24 Medizinern aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen, die als Gesellschafter fungieren. Die selbst gestellten Aufgaben bestehen darin, durch "interdisziplinäre medizinische Kooperation" die Patientenversorgung zu verbessern und die qualitativ hochwertige Weiterbildung von Jungärzten im Zusammenwirken mit stationären Einrichtungen zu sichern. Auf die Fahnen geschrieben hat sich der Zusammenschluss auch, niederlassungswillige Haus- und Fachärzte bei der Ansiedlung zu unterstützen.