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| 19:12 Uhr

Muskauer Park
Fahrradfahren ist Freiheit

Volontär Holger Rothamel stellt gemeinsam mit Hospitantin Omnia Soliman das Üben vom Fahrradfahren nach. Die junge Frau aus Ägypten hat es in Bad Muskau erlernt.
Volontär Holger Rothamel stellt gemeinsam mit Hospitantin Omnia Soliman das Üben vom Fahrradfahren nach. Die junge Frau aus Ägypten hat es in Bad Muskau erlernt. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Omnia Solima  kommt dank eines Unesco-Programms vom ägyptischen Alexandria nach Bad Muskau. Von Regina Weiß

„Ein Pferd. Ein Pferd. Ein Königreich für ein Pferd!“ Was Shakespeare Richard III. ausrufen lässt, wird am Dienstagnachmittag bei der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau abgewandelt. Ein Fahrrad ist in dem Fall das Maß aller Dinge. Es wird gebraucht – nämlich für ein Foto ...

Schlossgärtnerin Anke Bochnig stellt ihren Drahtesel kurzerhand zur Verfügung. Denn das Fahrrad spielt beim Aufenthalt von Omnia Soliman in Bad Muskau eine wichtige Rolle. Die junge Frau aus Ägypten hat bei der Parkstiftung eine dreimonatige Hospitanz absolviert. Nach Nesma Ahmed im vergangenen Herbst ist sie die zweite Frau, die an dem Programm „Gemeinsam freiwillig engagiert“ teilnimmt. In Kooperation mit der deutschen Unesco-Kommission konnte Omnia Soliman aus Ägypten von Anfang September bis Ende November 2018 in der binationalen Welterbestätte Muskauer Park tätig werden. Das Programm richtet sich an Frauen aus dem Bereich Kultur und Bildungspolitik und ermöglicht ihnen Einblicke in die Arbeit deutscher Unesco-Stätten, Kulturinstitutionen und Bildungseinrichtungen. Mit Omnia Soliman sind weitere Frauen aus Ägypten, Tunesien und Jordanien in Deutschland eingetroffen, um hier neue Erfahrungen zu sammeln. Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, weiß sehr wohl, dass Bad Muskau diesbezüglich mit anderen großen Kulturstätten konkurriert. Umso mehr freut er sich, dass sich zum zweiten Mal eine Hospitantin aus Ägypten für Bad Muskau entschieden hat. „Es ist gut, dass wir diesen interkulturellen Austausch in der Lausitz haben“, so Panning. Es sei ja nicht immer einfach, dass Orient und Okzident zusammenkommen. Im Falle Bad Muskau wandelt Omnia Soliman sozusagen auf königlichen Spuren. Dabei spielt Panning auf den Besuch des ägyptischen Königs Fuad an, der 1929 „an die Türen den Schlosses klopfte“.

Und natürlich ist da die Orientreise von Fürst Pückler, die in Vorbereitung der Ausstellung im Badepark wissenschaftlich aufgearbeitet wird. Genau in dieses Thema ist auch Omnia Soliman eingestiegen. Wobei es schwierig ist. „In der Bibliothek von Alexandria sind keine historischen Dokumente dazu vorhanden“, sagt die 28-Jährige. Hinzu kommen sprachliche Barrieren. Denn neben dem Arabischen gab es bis 1920 eine osmanisch-türkische Amtssprache. Die beherrscht heute kaum noch jemand. Während europäische Zeitungen voll waren mit Meldungen über Pücklers Reise, gab es zu dem Zeitpunkt nur eine arabische Zeitung. Helfen konnte Omnia Soliman, indem sie arabische Quellen für die Stiftung transkribierte. Außerdem recherchierte sie Material zu den Söhnen von Mehmed Ali. Der Vizekönig am Nil herrschte zu Pücklers Reisezeit.

Omnia Solimann hat in Ägypten internationales Recht studiert. Danach wollte sie sich einer neuen Herausforderung stellen und fing an Deutsch zu lernen. „Die Sprache ist interessant. Sie ist aber auch schwer“, erklärt sie. Nach beruflichen Stationen in der Bibliothek von Alexandria und am Goethe-Institut bot sich die Gelegenheit, Deutschland kennenzulernen. „Es war eine gute Entscheidung. Ich habe hier nette Menschen kennengelernt“, erzählt sie. Obwohl die Umstellung nicht hätte größer sein können von der Fünf-Millionen-Metropole Alexandria ins beschauliche Bad Muskau. Doch das Hiersein machten ihr Judith Ansorge und Astrid Roscher von der Stiftung sowie Angelika Grahé-Flöter leichter. Die ehemalige Lehrerin aus Bad Muskau übernahm den Deutschunterricht und zeigte ihrer Schülerin nebenbei noch die Region oder backte den Kuchen, als Omnia ihren Geburtstag feierte. Nicht zu vergessen Stiftungs-Volontär Holger Rothamel. „Ich war ihre Stützräder“, lacht er. Als der Park erkundet werden soll, muss Omnia eingestehen, kein Rad fahren zu können. Wenn sie zurück zuhause ist, dann kann sie die Freiheit beim Radfahren am Meer  genießen. Sie hat Holger Rothamel versprochen, ihm ein Beweisfoto zu schicken.