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Jugendparlament in Weißwasser – wie geht das?

Henning Homann, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD im Landtag, im Gespräch mit Schülern aus Weißwasser.
Henning Homann, kinder- und jugendpolitischer Sprecher der SPD im Landtag, im Gespräch mit Schülern aus Weißwasser. FOTO: Preikschat
Weißwasser. Jugendliche sollen der Stadt Weißwasser mehr als bisher ihren Stempel aufdrücken. Mit dieser Absicht hat sie der SPD-Ortsverein zu einer Diskussion mit einem Jugendparlament-Experten eingeladen. Im Alternativen Jugendzentrum (AJZ) Garage indes setzt man vor allem auf Projektarbeit, um die Jugend zu beteiligen. Daniel Preikschat

Zunächst fiel auf: Zu der Veranstaltung am Montag kamen mehr SPD-Mitglieder als Jugendliche in den Spinnnetz-Pavillon. Einlader Max Olbrich, der in zwei Monaten in den Stadtrat gewählt werden möchte, wollte den Diskussionsabend dennoch nicht als Wahlkampfveranstaltung missverstanden wissen, wie er der RUNDSCHAU erklärte. Der 26-Jährige leitet seit Sommer vergangenen Jahres eine Arbeitsgruppe Jugendparlament in Weißwasser, einzig in dieser Funktion habe er eingeladen. Der nächste Schritt solle getan werden, um das Ziel zu erreichen.

Helfen sollte dabei am Montag der kinder- und jugendpolitische Sprecher der SPD im sächsischen Landtag, Henning Homann. Der 36-Jährige konnte zunächst jedoch nicht viel mehr tun, als recht allgemeine Hinweise zu geben. Wer ein Jugendparlament will, der müsse es auch ernst meinen, sagte Homann an die Adresse von SPD-Stadtrat Knut Olbrich und Stadtentwickler Thorsten Rennhak. In Jena zum Beispiel dürfe das Jugendparlament über ein Budget von 5000 Euro im Jahr selbst verfügen. Die Mitstreiter müssten tatsächlich auch etwas zu entscheiden haben und sehen, dass ihr Engagement zu etwas führt. Sonst mache schnell niemand mehr mit. Für wichtig hält der Gast aus Dresden dabei sozialpädagogische Betreuung.

Die fünf anwesenden Schüler waren sich zunächst nur darin einig, dass Jugendlichen in Weißwasser zu wenig angeboten wird. Gute Sportangebote allein reichten nicht. In der Vergangenheit habe es nie Leute gegeben, die sich verantwortlich gefühlt hätten, ein Jugendparlament oder Ähnliches anzuschieben, hieß es. Weiter wurden Ansagen vermisst, in welchem Rahmen Jugendliche entscheiden können.

"Was ihr wollt, müsst ihr selbst herausfinden", so Homann. Das sei das Schwierige. Dabei sei es gut, mit kleinen Projekten, die sich gut umsetzen lassen, anzufangen. Das spreche sich rum. Bei Folgeprojekten machten dann schon mehr Leute mit, die am Ende vielleicht auch das Jugendparlament wollen.

Für die Stadt, sagte Stadtentwickler Thorsten Rennhak, wäre das gut, um aus erster Hand zu erfahren, was die Jugendlichen wollen, wo und wie Weißwasser in ihrem Sinne weiter entwickelt werden kann. Gespräche der Kollegen vom Referat Bau mit den Nutzern der geplanten Skateranlage im Oberlausitzer Sportpark seien ein gutes Beispiel dafür. Weitere Beispiele konnte Christian Klämbt von der Mobilen Jugendarbeit im AJZ Garage anführen. Die Poolparty Ende Februar in der Schwimmhalle Weißwasser hatten zwei Schülerinnen des Landau-Gymnasiums völlig selbstständig organisiert. Das nächste Projekt, das gerade angelaufen ist, sei schon eine Nummer größer: Die Landau-Schülerinnen überlegen, wohin das AJZ in Zukunft einmal umziehen könnte. "Fakt ist", so Klämbt, "dass wir an unserem Standort in der Berliner Straße nicht mehr lange bleiben können. Dafür ist die Gebäudesubstanz zu schlecht und Fördermittel stehen nicht in Aussicht." Nun sei die Frage, welcher Standort geeignet ist und ob das AJZ künftig vielleicht mehr generationenübergreifend agiert. An dem dafür nötigen Konzept arbeiteten die Schüler gerade.

Schade fand es Klämbt, erst sehr kurzfristig zu der Runde am Montag eingeladen worden zu sein. "Wir konnten es nicht mehr möglich machen zu kommen."