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Jubiläum
Jubilar mit rekordverdächtigem Boden

So sah die Schleifer Sporthalle vor rund 40 Jahren aus.
So sah die Schleifer Sporthalle vor rund 40 Jahren aus. FOTO: SV Lok Schleife / SV Lokomotive Schleife
Schleife. Die Sporthalle in Schleife ist vor 40 Jahren eröffnet worden. Lange hatten die Schleifer um ihren Bau gekämpft, sich in diesen dann auch mit Eigenleistungen eingebracht. Das Jubiläum wird jetzt am 9. Dezember begangen – natürlich sportlich.

„Obwohl in die Jahre gekommen, ist sie zum einen eine der zweckmäßigsten Sporthallen der Region“, schätzt Ronald Fabian von den Handballern des SV Lok Schleife ein. Und weiter: „Selbst jüngere Hallen reichen in diesem Punkt nicht an sie heran. Zum anderen ist es das Parkett, das ebenfalls 40 Jahre auf dem ,Sportbuckel’ hat. Wohl ein Rekord bei Sportböden.

Untrennbar verbunden mit der Halle sei der Name Manfred Hascha. Denn ohne ihn gäbe es sie nicht und ebenfalls nicht so viele sportliche Höhepunkte

In der Schleifer Dorfchronik ist Folgendes zu lesen: „Im November 1973 wurde neben der Schule mit dem Bau einer Sporthalle begonnen, und am 18. Februar 1974 wurde das Richtfest gefeiert. Am 10. 12. 1977 wurde die Sporthalle feierlich eingeweiht und ihrer Bestimmung übergeben. Die Sauna in der Sporthalle nahm im März 1980 den Betrieb auf, die Gaststätte ,Sportlerklause’ wurde am 8. April 1982 eröffnet. (...) Initiator dieser baulichen Tätigkeit und unermüdlicher Organisator der BSG war ihr Leiter Manfred Hascha, der bis zum Jahre 1991 die sportliche Entwicklung in Schleife wesentlich beeinflusst hat.“

„Sein persönliches Engagement, seiner Hartnäckigkeit, seinem ausgeprägten Instinkt für den richtigen Zeitpunkt und die richtigen Leute haben die Schleifer Sporthalle zu einem sportlichen Zentrum in der Region werden lassen“, so Ronald Fabian heute. Einen großen Anteil hatten auch Haschas Mitstreiter wie Rudi Jainsch, Helmut Christmann und Manfred Krautz.

Schon in den 50er- und 60er- Jahren wurde der Versuch unternommen, in Schleife eine Sporthalle bauen zu lassen. Dreimal war das Vorhaben in den damaligen Volkswirtschaftsplänen aufgenommen worden – aber es wurde nicht gebaut. Im September 1972 wurden dann Nägel mit Köpfen gemacht: Am 8. September 1972 reichte der Rat der Gemeinde den Kostenaufwand für die Turnhalle und den Bauablauf beim Rat des Kreises ein. Zuvor hatten Manfred Hascha und Bürgermeister Helmut Christmann den Großteil der Geldmittel für eine Vollwandrahmenhalle in den Maßen 24 mal 54 mal 9,90 Meter losgeeist. Vorgespräche wurden geführt und Material organisiert. Die Organisation war so perfekt, dass die Ratsvorlage den Rat des Kreises passierte. Anstelle einer „normalen“ Schulturnhalle (540 Quadratmeter), wurde der Bau einer Schulturnhalle mit einer Nutzungsfläche von 1296 Quadratmetern Realität.

Zwei Bauabschnitte waren geplant: 1972/73 Ankauf und Aufstellen der Vollwandrahmenhalle bis zur Nutzungsfähigkeit als Kalthalle, nach 1975 Komplettierung bis zur endgültigen Nutzungsfähigkeit. Die geplante Bausumme für die beiden Abschnitte betrug 1,121 Millionen Mark.

Dabei waren noch nicht alle Finanzen abgesichert. Unter anderen erklärte sich die BSG Lokomotive Schleife bereit, allein im Jahr 1973 einen Differenzbetrag von 50 000 Mark zur Verfügung zu stellen. Davon wurden 30 000 Mark durch Eigenleistungen der Sportler und Einwohner abgedeckt. Für den zweiten Bauabschnitt gab es seitens der Fachabteilung Volksbildung des Rates des Bezirkes die mündliche Zusage, im Jahre 1976 Finanzen für eine „normale“ Schulturnhalle in Höhe von 600 000 Mark zur Verfügung zu stellen. Außerdem wurden die Sozialanlagen nicht in die Halle eingeordnet, sondern außen angebaut.

Über die Einweihung berichtete die Presse: „Mit einem ,Sport frei 1977’ begrüßte die elektronische Anzeigetafel in der neuen Schulturnhalle in Schleife die Gäste, Schüler und Sportler, die zur Einweihungsfeier gekommen waren.“ „Am 10. Dezember 1977 wurde sie mit großem Bahnhof ihrer Bestimmung übergeben. Zu ihrer Fertigstellung war neben staatlichen Mitteln auch der Einsatz vieler freiwilliger Helfer notwendig. Dieses Schmuckstück in der zweisprachigen Gemeinde erwies sich in vielerlei Hinsicht als äußerst wertvoll. Einmal rangierten die Bedingungen für die Verbesserung des Schulsports an vorderster Stelle, ebenso wie die stetige Leistungsentwicklung in den einzelnen Sektionen von Lok Schleife. Zu einer modernen Sporthalle gehört nicht nur ein spiegelblankes Parkett, auch das Umfeld fand die entsprechende Berücksichtigung. So gehört zu diesem schönen Objekt neben einer Sauna auch eine Gaststätte. Der Bau und die Fertigstellung der schmucken Sporthalle bildeten einen absoluten Höhepunkt im einstigen Heidedorf, dessen erste urkundliche Erwähnung auf das Jahr 1272 zurückgeht.“

Ronald Fabian erinnert an zahlreiche Höhepunkte in der Halle: Angefangen 1977 mit den Länderspielen der Frauen der DDR (B-Auswahl) gegen Rumänien und Polen, über die fünf FDGB-Pokalendrunden (1979 - 1990) bis hin zu den Bundesligaspielen der Schleifer Faustballer. Außergewöhnlich sei, dass Handballstars von einst wie Ingolf Wiegert, Günter Dreibrot zwei Mal in Schleife zu Gast waren – als Olympiasieger von 1980 waren sie 1981 das erste Mal in Schleife, das zweite Mal im Old-Star-Team im einem Spiel gegen Schleife anlässlich des 20. Hallenjubiläums. Beim 30. war die männliche Jugend A der Landesauswahl Sachsen und des LHC Cottbus zu Gast.

In diesem Jahr, jetzt zum 40. Jubiläum, werden in Schleife alte Bekannte erwartet: Zum einen ist es der Radeberger SV mit dem ehemaligen Schleifer Torwart Falko Wierick. In den Verbandsligazeiten traf man zwölf Mal aufeinander, wobei Schleife vier Mal als Sieger das Parkett verließ. Zum anderem ist es der jetzige Sachsenligist LHV Hoyerswerda mit Ronny Eckert. Bis 1991 trafen die „Schleefschen“ 32 Mal auf die „Hoyerswerdschen“. „Die Partien hatten immer einen besonderen Reiz“, so Ronald Fabian. In diesem Duell steht es 14:11 für Hoyerswerda (bei sieben Unentschieden). Zudem kommt die Mannschaft aus Havlickuv Brod, mit der die Schleifer seit 1975 im Kontakt sind. Zurzeit spielt TJ Havličkův Brod in der 2. tschechischen Liga.

Die Schleifer Handballer hoffen, dass sich das 40. Hallenjubiläum nahtlos an die Höhepunkte der Schleifer Sporthalle anschließen wird und freuen sich mit ihren Gästen und Zuschauern auf die Spiele am 9. Dezember.

(dh)