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Jubiläums-Nachlese Weißwasser-Virtuose mit Ball und Puck

Wer kannte ihn nicht in der Oberlausitz-Region, den überaus populären Günter Schischefski? Er spielte für Weißwasser Eishockey, errang hier auf der Clubebene viele DDR-Meisterschaften und wurde in den fünfziger Jahren mehrfacher Nationalspieler der DDR. Dass er aber auch beim Fußballspiel eine sehr gute Figur abgab, wussten wohl nur wenige der Fans. Von Günter Jainsch

Der etwas untersetzte, drahtige Vollblutstürmer Schischefski zeichnete sich besonders durch enorme Schusskraft, ausgeprägte Kopfballstärke - dabei immer auf Fair-Play achtend - aus. Mit diesen typischem Eigenschaften war er beim Gegner stets gefürchtet, die Torsteher konnten davon ein Lied singen.

Statistiken
Nachstehend einige statistische Details und Höhepunkte der Schischefskischen Fußball-Laufbahn, die allerdings keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt.
Bereits frühzeitig stellte sich Günter Schischefski der sportlichen Doppelbelastung, denn er tanzte praktisch auf zwei Hochzeiten. Im Jahre 1949 kickte er mit Keramik Meißen in der sächsischen Fußball-Landesklasse, Staffel Ost. In Dresden jagte er dem Puck hinterher.
Die Dresdner Fußballfachleute erkannten frühzeitig sein Talent. So erhielt er 1950 eine Einladung für das Auswahlspiel zwischen Ostsachsen und Dresden in Bautzen. Eine weitere repräsenative Aufgabe erreichte ihn kurze Zeit später. Er stand in der Sachsenauswahl „Jung“ , die in Chemnitz auf die Sachsenauswahl „Alt“ traf. Im dortigen Fewastadion waren immerhin 18 000 Zuschauer Zeuge dieser interessanten Begegnung. Auf der halb rechten Stürmerposition eingesetzt, machte Schischefski in der Fohlenelf ein Riesenspiel. Der spritzige und schussfreudige Meißener, so schrieb damals die „Fußballwoche“ , schoss vier Tore, davon einen durch Elfmeter. Übrigens stand in der zweiten Halbzeit der Nieskyer Torwart Kurt Steinberg im Kasten der Nachwuchsauswahl, die einen ungefährdeten 4:0-Erfolg verbuchte.
In der Spielsaison 1951/52 belegte Meißen, inzwischen als Chemie-Verein startend, den 6. Platz in der Landesklasse, Staffel Ost. Wesentlichen Anteil an dieser Platzierung hatte Günter Schischefski, der für seine Farben allein 13 Tore erzielte.
Eishockey- und Fußballexperten aus der Glasmacherstadt wurden auf ihn aufmerksam und überzeugten Schischefski zu einem Wechsel nach Weißwasser. Hier ver stärkte er in erster Linie das Eishockeyteam. Nur an möglichen spielfreien Terminen streifte er sich das Chemie-Trikot über und fußballerte für die Bezirksklassenelf Weißwassers. Die war nach dem Aufstieg durch die 1952 verordnete Gebietsreform in den neuen Bezirk Cottbus eingestuft worden. Für die Weißwasseraner lief es in dieser Spielzeit besonders gut, was auch ein Verdienst von Schischefski war.

Kantersieg gegen Cottbus
In einem vorentscheidenden Spiel um die Meisterschaft wurde auf dem Turnerheimsportplatz die Mannschaft der Volkspolizei Cottbus vor 2 000 Zuschauern hoch mit 7:0-Toren nach Hause geschickt. Als mehrfachen Torschützen feierten die Chemiefans Schischefski. In der Folgezeit hielt Weißwasser den Spitzenplatz, errang die Meisterschaft in der Bezirksklasse, Staffel Ost. Als Lohn winkte nun die Bezirksliga Cottbus: Auch hier hatte Schischefski wesentlichen Anteil an der nächsten großen Überraschung. Trotz härtester Konkurrenz von Lok Cottbus und Chemie Schwarzheide schmückte sich Chemie Weißwasser schließlich mit dem Bezirksmeistertitel. Der bedeutete den Aufstieg in die DDR-Liga, die zweithöchsten Klasse des Landes. Auch in der neuen Cottbusser Fußball-Umgebung kam Günter Schischefski zu Auswahlehren. So in Finsterwalde, als der Bezirk Cottbus, die Mannschaft von Frankfurt/Oder mit 5:2-Toren besiegte. Ein Treffer ging auf sein Konto. An einem weiteren Auswahlspiel gegen den Bezirk Leipzig konnte er nicht teilnehmen. Seine Mannschaftska meraden Melchior, Marusch, Balko und Alfred Mathe waren dabei, die aber den Leipzigern einen 3:2- Sieg überlassen mussten.

Verletzungen
Wegen der enormen Belastung beim Eishockey in Weißwasser sowie im Nationalteam blieb auch Schischefski von Verletzungen nicht verschont. Sehr zum Leidwesen der einheimischen Fußballfans. In der DDR-Ligasaison 1954/55 kam er beim Fußball nur sporadisch auf fünf Einsätze. Beim ersten Heimspiel gegen Fortschritt Hartha bedeutete sein wuchtiger Kopfballtreffer zum 2:2-Ausgleich den umjubelten ersten Heimpunkt. Die letzte Partie, ein Schicksalsspiel, das er für die Chemie-Farben bestritt, war wohl auch seine schwärzeste in der Ära Weißwasser. Das war am 24. April 1955. Auf der Bautzener Müllerwiese waren beim reinen Abstiegsduell zwischen Motor Bautzen und Chemie Weißwasser sagenhafte 9 000 Besucher zugegen. Nur dem Sieger winkte weiter die Zugehörigkeit in der Liga. Weißwasser machte sich allerdings optimistisch auf den Weg, denn im letzten Heimspiel wurde Stahl Stalinstadt mit 6:2-Toren bezwungen. Darüber hinaus konnte Schischefski aufgeboten werden. Nach Ablauf der ersten Halbzeit führte Weißwasser mit 2:0-Toren gegen die Bautzener. Schischefski schoss Chemie nach 13 Minuten in Front. Offiziell wurde der Treffer als Eigentor des Bautzeners Torwart Lehmann gewertet. Aber der so wichtige Vorsprung konnte in der zweiten Hälfte nicht gehalten werden. Bautzen wurde wesentlich stärker und auch das einsetzende Unwetter trug dazu bei, dass Weißwasser noch fünf Tore kassieren musste. Als Tabellenletzter der Staffel 3 war dann für Chemie Weißwasser neben Wismut Plauen der Abstieg perfekt.
Günter Schischefski verstarb im Sommer 2007 in Berlin.