Als am 1. Mai 1920 die erste Hilfsschule in Weißwasser in den Räumlichkeiten der heutigen Geschwister-Scholl-Grundschule an der Bautzener Straße in Weißwasser gegründet wurde, ist noch nicht klar gewesen, wie oft die Schule umziehen muss. Schon damals haben sich die Lehrer um Kinder gekümmert, die eine Lernschwäche aufweisen. Das ist auch heute noch so. „Unsere Aufgabe ist es auch heute, die Defizite so gut es geht zu minimieren“, erklärt Schulleiterin Ilona Schindler.

Und ihrer Erfahrung nach ist die Schule für Lernförderung mehr als nur wichtig, denn „die Auffälligkeiten bei den Kindern haben in den vergangenen Jahren zugenommen“, berichtet sie.

Auffälligkeiten bei Schülern nehmen auch in Weißwasser zu

Sprachauffälligkeiten, Beeinträchtigungen im emotional-sozialen Bereich, Motorik- und Wahrnehmungsstörungen würden schlicht häufiger auftreten als noch vor 20 Jahren. „Das klassische Bild der Lernbeeinträchtigung gibt es nicht mehr“, weiß Ilona Schindler. Häufig hätten Eltern zu wenig Zeit, würden sich zu wenig mit den Kleinen beschäftigen. Vorlesen, gemeinsames Spielen und das Sprechen würden vernachlässigt. Daraus ergeben sich Folgeprobleme, mit denen das Bildungssystem sich auseinandersetzen muss.

Dazu etwa steht die Schule in Kontakt zu hiesigen Grundschulen und Oberschulen. „Wir beraten die Kollegen und übernehmen auch die Schüler“, sagt Ilona Schindler. Der mobile Sozialpädagogische Dienst vermittelt dabei. „Es erfolgt dann eine Diagnostik, bei der Gespräche, Beobachtungen und Test gemacht werden, aus denen sich der sozialpädagogische Bedarf ableitet“, erläutert die Schulleiterin.

Die Grimm-Schule heute verfügt über einen eigenen Lehrplan für die rund 120 Kinder, über den die Schüler nach ihren Bedürfnissen und Stärken gefördert werden. „Unsere Schüler lernen, ihr Leben selbst zu gestalten, finden ihren Platz in der Gesellschaft und im Arbeitsprozess“, lautet das Motto der Schule.

Umzug der heutigen Grimm-Schule zieht sich über fast 50 Jahre

Damit sich all dies überhaupt so entwickeln konnte, hat die Schule mehrmals den Standort gewechselt. Schon 1925 lernten 70 Schüler, damals an der Jahnstraße, wo sich später das Wehrkreiskommando befinden sollte. 1940 ist kriegsbedingt der Unterricht zum Erliegen gekommen. Erst 1952 ist der Schulbetrieb in der „Ersten Grundschule“ wieder aufgenommen worden. Erneut in der Jahnstraße, später in der heutigen Bibliothek sowie in der Sparkasse wurde fortan unterrichtet. „Erst ein Parteitagsbeschluss Mitte der 1970er Jahre sorgte dafür, dass wir ein eigenes Schulgebäude erhalten“, berichtet Ilona Schindler. Das wurde dann auch feierlich im 1980 am heutigen Standort bezogen.

Nach der Wende ist die Trägerschaft der Schule an den damaligen Landkreis Weißwasser, nach dessen Zusammenschluss mit Niesky und Görlitz an den Kreis Görlitz gefallen. „Damals hatte die Stadt festgestellt, dass das Gebäude nicht mehr standsicher gewesen ist“, erinnert sich Ilona Schindler, „weshalb es zum Teil abgerissen und wieder neugebaut werden musste.“

Für die Schule hieß es also wieder umziehen: Ein Teil in das heutige Grundbuchamt, ein anderer in einen ehemaligen Kindergarten an der Berliner Straße, der sich auf dem Gelände des Glaswerkes befunden hat. „Die Schüler hatten damals eine Woche länger Ferien, um den Umzug mit dem gesamten Kollegium zu machen“, erinnert sich Ilona Schindler, die bereits seit 1990 die Schule leitet.

1994 ist die Grimm-Schule endlich in ihrem Gebäude angekommen

Seit 1994 ist die Schule nun in ihren Räumlichkeiten, endlich, könnte man sagen. Seit dem Jahr 2000 heißt auch die damalige „Elisa-Greiner-Schule“, benannt nach einer Glasarbeiterin in Weißwasser, „Brüder-Grimm-Schule“. Die Namensfindung übrigens hatte sich über mehrere Jahre hingezogen. „Wir sind heute sehr zufrieden damit, damit die Grimms mit ihren Märchen für den Sieg des Guten über das Böse stehen und Träume Wirklichkeit werden lassen.“

Tatsächlich nämlich haben viele der gut 2000 Schüler, die in 100 Jahren hier ihren Abschluss gemacht haben, eine Erfolgsgeschichte hingelegt. Freilich gibt es auch Misserfolge, aber in Weißwasser ist man stolz auf jeden Schüler, der aus seinem Leben etwas gemacht hat. „Das Netzwerk, was wir auch Mithilfe des seit 1992 bestehenden Fördervereins aufgebaut haben, hat dazu maßgeblich beigetragen“, erklärt die Schulleiterin.

Ohne zahlreiche Sponsoren und Kooperationspartner wäre auch die Festwoche, die zwischen dem 11. und 15. Mai geplant ist, nicht möglich. „Wir laden dazu alle ehemaligen Schüler und Kollegen ein“, sagt Ilona Schindler. Auch eine Ausfahrt für die jetzigen Schüler ist geplant. „Wir freuen uns darauf, gemeinsam auf eine lange Tradition blicken zu können.“

Festwoche zu 100 Jahre Schule


Zwischen dem 11. und 15. Mai wird an der Brüder-Grimm-Schule an der Ziegeleistraße in Weißwasser gefeiert. Derzeit sind an der Schule 17 Lehrer beschäftigt, eine Referendarin schließt derzeit ihre Ausbildung ab und wird in Weißwasser mit ihrer Arbeit beginnen. Hinzu kommen Therapeuten in den Bereichen Logopädie, Ergo- und Physiotherapie sowie für den Bereich Lesen, Schreiben und Rechnen. Hinzu kommen Unterstützer für die Ganztagsbetreuung, etwa durch die Station Junger Naturforscher und Techniker, dem Fußballverein VfB Weißwasser oder dem Modellflugzeugbau.

Neben einer Zaubershow von Stadtrat Hartmut Schirrock soll während der Festwoche den Schülern auch eine Spielvormittag mit Spielen von vor 100 Jahren geboten werden. Zudem findet ein Tag der offenen Tür statt sowie die eigentliche Festveranstaltung mit geladenen Gästen wie etwa Landrat Bernd Lange (CDU) am 14. Mai.