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"Jetzt ist das ganze Seenland der Gastgeber"

Kathrin Winkler kennt die Freizeit- und Urlaubsangebote am Wasser und auf dem Wasser genau. In ihrer Freizeit paddelt und segelt sie auch. In diesem Jahr steht der Motorbootsführerschein auf dem Programm.
Kathrin Winkler kennt die Freizeit- und Urlaubsangebote am Wasser und auf dem Wasser genau. In ihrer Freizeit paddelt und segelt sie auch. In diesem Jahr steht der Motorbootsführerschein auf dem Programm. FOTO: privat
Für ein grenzenlos attraktives Reisegebiet Lausitzer Seenland arbeitet Kathrin Winkler aus Senftenberg hart und mit Freude. Der Anspruch der Geschäftsführerin des länderübergreifenden Tourismusverbandes an sich selbst und die touristischen Leistungsanbieter ist und bleibt dabei hoch.

Frau Winkler, der Saisonstart im Lausitzer Seenland steht ins Haus. Wie ist die Reiseregion gerüstet?

Gut. Die Leistungsanbieter erwarten die Gäste. Wir haben auf den großen Reisemessen in Sachsen und Berlin für unser Seenland geworben und vor allem auch unsere wunderschönen Radwege auf Spezial-Messen präsentiert. Zur Ferienzeit sind die buchbaren Angebote wie immer schon sehr stark nachgefragt. Auf dem neuen Fahrgastschiff der Seenland-Reederei Löwa sind bereits viele Plätze gebucht, obwohl der Solar-Katamaran auf der Werft noch im Bau ist und erst Ende Mai vom Senftenberger Stadthafen zum Geierswalder See starten wird. Wir sind gut aufgestellt. Aber wir können und müssen immer noch besser werden.

Wo steht der Tourismusverband als Schaltzentrale der Vermarktung der Urlaubsregion, die noch immer sehr stark dem Wandel in der Bergbaufolgelandschaft unterliegt, jetzt?
Wir haben vor drei Jahren erfolgreich drei Tourismusverbände zwischen Senftenberger und Bärwalder See verschmolzen und unsere Kräfte gebündelt. Im Jahr 2013 haben wir die Seenlandroute als touristisches Premiumprodukt am Markt platziert. Und im vergangenen Jahr sind die zehn Regionalradrouten angedockt worden. Jetzt verfolgen wir konsequent weiter das Ziel, die Gäste in die Fläche des Seenlandes zu locken. Es gilt, die Vielfalt der tollen Angebote zu vermarkten. Der Plan funktioniert. Die Gäste, vor allem die begeisterten Radler, entdecken das Seenland zunehmend intensiver und kommen auch gern wieder. Dieser erwünschte Flächeneffekt setzt natürlich zuerst im Herzen der Seenkette ein. Am Senftenberger und am Geierswalder See ist die Entwicklung am deutlichsten spürbar. Aber auch am Bärwalder See. Wir wollen und müssen das aber an jedem See hinbekommen und arbeiten gemeinsam daran.

Sie sind erklärte Netzwerkerin . . .
Ja. Am besten funktioniert noch immer die persönliche Em pfehlung. Deshalb vermitteln wir Kontakte zwischen den Leistungsanbietern. Aber wir unterbreiten auch Schulungsangebote für die Herbergen und Gastronomen, um die Servicequalität zu verbessern. Darüber hinaus suchen und finden wir auch immer mehr Partner, um wirtschaftlichen Erfolg zu organisieren. Unsere Ferienzeitung wird beispielsweise mit jedem in Neustadt/Sachsen gebauten und verkauften Campingmobil mit an den Mann gebracht. Die Campingplätze und die Sehenswürdigkeiten des Seenlandes kommen durch gezielte Kooperationen gut unter die Leute.

Neu ist der Tourismus-Pass.
Mit dem Tourismus-Pass können Mitarbeiter aus touristischen Einrichtungen ab sofort 19 Freizeit- und Kulturangebote bei Partnern im Lausitzer Seenland einmalig zu ermäßigten Preisen oder kostenlos besuchen. Die Touristiker sind damit selbst Gast in der eigenen Region und können ihr Wissen über das Lausitzer Seenland und die touristischen Angebote auffrischen. Wir versprechen uns davon, dass sich die Touristiker mit der eigenen Erfahrung im Hinterkopf noch stärker auch untereinander Gäste vermitteln, die Besucher damit länger in der Region bleiben und hier Geld verdient wird.


Das Online- Buchungssystem erhöht die Servicequalität.
Das ist eine schwere Geburt gewesen. Die in den beiden Bundesländern verfügbaren Online-Systeme sind so unterschiedlich, dass sie für unsere grenzübergreifende Reiseregion einfach nicht nutzbar zu machen sind. Wir haben deshalb ein eigenes System von null an aufbauen müssen und bringen es nun an den Start. Der Gast macht seine Urlaubspläne inzwischen hauptsächlich im Internet und will seine Unterkunft auch sofort selbst buchen. Für uns hat das Online-Buchungssystem neben dem deutlich verbesserten Gästeservice auch einen weiteren Effekt. Unsere Touristinformationen werden wesentlich entlastet. Viele Anrufe in Herbergen mit der Nachfrage nach freien Zimmern entfallen. Und die Anbieter müssen die Betten nicht über mehrere Tage frei halten, um den Gästen die Zeit für ihre Entscheidung einzuräumen. Denn die meisten Interessenten fragen ja auch mehrere Herbergen an. Und das blockiert Kapazitäten. Mit der direkten Buchung dürften damit auch die Übernachtungszahlen und die Gästezufriedenheit steigen. Jetzt müssen wir das Buchungssystem freilich gut zum Laufen bringen und die Herbergen als Nutzer gewinnen.

Im nächsten Schritt sollen dann neue Bausteine, vor allem buchbare Angebote, folgen.

Die neue Saison startet nun am letzten April-Wochenende mit den Seenlandtagen.
Das soll künftig immer so sein. Die Seenlandtage lösen die bisher auch sehr erfolgreichen Besuchertage im Lausitzer Seenland ab und sind gezielt in die Vorsaison verlegt worden. Im Sommer sind viele Angebote schon Selbstläufer, die stark nachgefragt sind und auch die Anbieter und Dienstleister binden. Für Schnupperkurse haben die Touristiker in der Hauptsaison wenig Zeit und auch keinen Nerv. Wir wollen die Verweildauer in der Vor- und Nachsaison erhöhen. Die jeweils neue Saison mit vielen Höhepunkten im ganzen Seenland zu starten, halten wir für eine gute Idee. Und wir hoffen jetzt, dass wir die Neugier vieler Menschen auf unser schönes Lausitzer Seenland wecken können und die Besucher das annehmen. Diese Neuausrichtung ist auch die Reaktion auf die rasante Entwicklung unserer Reiseregion. Die Besuchertage sind mehr dem Schwerpunkt des Landschaftswandels durch die Bergbausanierung gewidmet gewesen. Das war auch richtig und sehr erfolgreich. Nach wie vor müssen wir mit den Einschränkungen auf den Kippenböden und an den Seen leben und auch dem Gast dazu reinen Wein einschenken. Aber wir sind jetzt schon mehr Reiseland als Sanierungsgebiet. Darauf haben die Gastgeber der letzten Besuchertage, die am Bärwalder See verknüpft mit der Transnaturale ein wunderbares Volksfest waren, bereits reagiert. Aber jetzt ist das ganze Lausitzer Seenland der Gastgeber.

Ins Schaufenster der Premiere- Seenlandtage am 25. und 26. April werden zwei Höhepunkte gestellt.
Das sind die Eröffnung des Tunnels durch den Ilse-Kanal und die Lichtillumination am "Rostigen Nagel". Für beide Veranstaltungen ist der Zweckverband Lausitzer Seenland Brandenburg (LSB) der Gastgeber. Der Sedlitzer und der Großräschener See sind durch den ausgebauten Ilse-Kanal zwar zunächst lediglich trockenen Fußes schiffbar verbunden. Aber die beiden Seerundwege gewinnen dadurch weiter an Attraktivität vor allem für die Radfahrer. Und wir erwarten das Wasser in beiden Nachbarseen und damit im Kanal ja in zwei Jahren. Der Wasserweg, der dann durch die längste Schiffsröhre im europäischen Binnenland führt, ist auch für Fußgänger ein beeindruckendes Bauwerk.

Der "Rostige Nagel" ist als Aussichtsturm zwar umstritten gewesen. Inzwischen führt an einem Besuch der Landmarke aber kein Weg vorbei.

Erneut wird der Turm zu den Seenlandtagen in besonderes Licht getaucht. Kunstprojekte sind hier bereits eine schöne Tradition und auch immer ein besonderes Erlebnis.

Aber auch Führungen durch das neue Sternencamp am Bärwalder See, eine Erlebnistour vom Besucherbergwerk F 60 am Bergheider See zur Mona Lisa im Fälschermuseum Großräschen, Schnupperkurse im Stehpaddeln am Senftenberger und am Geierswalder See, die liebevoll betreute Ausstellung in der Heimatstube Tätzschwitz, Aktivangebote für Kinder bei Excursio in Welzow, Radtouren um Hoyerswerda und ins nördliche Seenland auf dem Drebkauer Kreisel stehen auf dem Veranstaltungsplan.

Was wünschen Sie sich für die Seenlandtage?
Viele Gäste, die von engagierten Leistungsanbietern für das Lausitzer Seenland begeistert werden und gern wiederkommen.

Mit Kathrin Winkler

sprach Kathleen Weser.

Zum Thema:
Kathrin Winkler (50) ist Geschäftsführerin des länderübergreifenden Tourismusverbandes Lausitzer Seenland. Die Senftenbergerin hat im Lausitzer Bergbau den Beruf der Maschinistin für Anlagen- und Großgeräte erlernt und dann an der Bergakademie Freiberg Betriebswirtschaft studiert. Mit einem Aufbaustudium an der Marketingakademie Hamburg hat sie sich für den Job, die junge Reiseregion zu vermarkten, gerüstet.

Zum Thema:
Die Lausitzer treiben den Wandel von der ausgekohlten Bergbaufolgelandschaft zur größten künstlichen Seenplatte Europas voran. Zehn der 25 neuen Seen mit insgesamt etwa 15 Hektar Fläche sollen bis zum Jahr 2018 zu einer 7000 Hektar großen schiffbaren Wasserwelt verbunden sein. Die schiffbaren Kanäle, die zehn Seen mit jeweils anderen Charakteren und Nutzungen verbinden, sind die tragende Säule. Die neue Reiseregion soll überregional und international Interesse wecken.Im Internet: www.lausitzer-seenland.de