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| 17:31 Uhr

Schleife
Jedes Ei ein Unikat mit Symbolik

Am bunten Stand von Kerstin Hanusch können kleine und große Eiermaler ihre Erfahrungen austauschen und noch eine ganze Menge rund um die österliche Verzierungskunst lernen.
Am bunten Stand von Kerstin Hanusch können kleine und große Eiermaler ihre Erfahrungen austauschen und noch eine ganze Menge rund um die österliche Verzierungskunst lernen. FOTO: Torsten Richter-Zippack / LR
Schleife. Auf dem Sorbischen Ostereiermarkt in Schleife standen uralte Lausitzer Traditionen im Fokus. Von Torsten Richter-Zippack

Erst gelangt heißes Wachs auf das Ei. Daraus ergibt sich ein Muster. Anschließend folgt die Farbe. Dann ist wieder das Wachs an der Reihe. Und wieder die Farbe. Wachsbatik-Technik heißt diese Kunst. „Es handelt sich um eine der ältesten und traditionellsten Formen des sorbischen Ostereierfärbens“, sagt Hobbykünstlerin Kerstin Hanusch. Von Beginn an ist die 60-Jährige auf dem Schleifer Ostereiermarkt präsent. „Ich mag es, wenn die Eier so farbenfroh geraten. Eier bedeuten Leben. Oder konkreter gesagt: die Freude am Leben.“

Was für den Laien auf den Eierschalen lediglich wie eine Ansammlung von Dreiecken aussieht, besitzt für Kerstin Hanusch eine viel tiefere Bedeutung. „Jeweils drei Dreiecke ergeben ein größeres Dreieck. Damit wird laut der sorbischen Mythologie die Dreifaltigkeit von Gott, Gottes Sohn und dem Heiligen Geist  symbolisiert.“

Irma Röck, Eiermalerin aus Spremberg, kennt sich ebenfalls bestens aus: „Die Dreiecke stellen auch Wolfszähne dar. Sie sind immer nach außen gerichtet und beschützen das innen befindliche Sonnenrad. Das wiederum ist ein Zeichen für das Leben, den Frühling.“ Obwohl sich die Symbolik auf den Eiern bisweilen sehr ähnelt, gleiche kein Hühnerprodukt dem anderen. „Jedes Ei ist ein Unikat und ein kleines Kunstwerk“, bringt es Röck auf den Punkt. Aus diesem Grund nehme die 82-Jährige auch nicht an den alljährlichen Wettbewerben um das schönste sorbische Osterei statt. Schließlich sollten keine Eier extra hervorgehoben werden.

Kerstin Hanusch indes hat ihr „Handwerk“ bei der Blunschen Lene Nevoigt im Rahmen einer christlichen Jugendfreizeit erlernt. „Damals war ich 13 Jahre alt“, erinnert sich die gebürtige Görlitzerin, die im Jahr 1985 nach Schleife eingeheiratet hatte. Inzwischen malen auch ihre Töchter. Und selbst die erst dreieinhalbjährige Enkeltochter zeige erste Begabungen. „Sie hat ein Gänseblümchen auf die Eierschale gezeichnet. Ein klasse Anfang“, resümiert die Großmutter.

Erst kürzlich gastierte Kerstin Hanusch auf einem Eiermarkt in Fürstenberg an der Weser. „Ich besuche jedes Jahr einen Markt in der Ferne und verstehe mich dort als Botschafterin der Oberlausitz.“

In Westdeutschland würden viele Leute denken, die Sorben/Wenden lebten nur im Spreewald. „Wenn ich Ihnen dann erzähle, dass die meisten Sorben in Sachsen zu Hause sind, ernte ich meistens Staunen.“

Nicht zuletzt gibt Hanusch ihr Wissen auch auf dem Schleifer Eiermarkt weiter. Beispielsweise an Carmen Katins. Die junge Frau ist extra aus Werben im Spreewald nach Schleife gekommen. „Ich will wissen, was ich machen muss, damit die Farbe auf der Schale nicht fleckig wird“, schildert sie Kerstin Hanusch ihr Problem.

Die „Meisterin“ rät viermal so viel Farbe zu nehmen als in der Gebrauchsanweisung vermerkt. „Ich hoffe, dass es klappt“, sagt Carmen Katins frohen Mutes.

Neben den Eiermalern sind die lebenden Küken eine weitere Attraktion des Schleifschen Ostereiermarktes. „Sie sind erst gestern und heute geschlüpft“, sagt Birgitt Marusch vom Sorbischen Kulturzentrum. Der örtliche Rassegeflügelzüchterverein habe die Tiere zur Verfügung gestellt. Unter den heranwachsenden Hühnern befindet sich auch ein Entenküken. „Das haben wir gleich mitgenommen. Sonst fühlt es sich einsam“, erklärt Marusch.

Wenig optimistisch zeigt sich dagegen André Kruppa vom Schleifer Anglerverein. „Das Wetter wäre eher für den Weihnachts- als für den Ostermarkt geeignet. Eigentlich wollten wir zwei Runden räuchern, jetzt dürfte es nur eine werden.“ Der junge Mann glaubt, dass Schnee und Eis viele Besucher vom Besuch abhalten könnte. Zur Sicherheit hat er gleich mehrere Flaschen Glühwein mitgebracht. „Zum Glück ist Ostern 2019 wesentlich später als dieses Jahr. Hoffen wir, dass dann das Wetter besser ist.“

Auch Birgitt Marusch rechnet aufgrund der Witterung diesmal mit weniger Gästen. „In den vergangenen Jahren kamen am Ostermarkt-Wochenende so zwischen 3300 und 3400 Menschen.“ Sie hofft, dass dieses Jahr wenigstens die 3000er-Marke geknackt werde.