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| 13:00 Uhr

Zeugin verhaftet
Jähe Wendung im Prozess um versuchten Mord in Bad Muskau

 Aus dem Gericht
Aus dem Gericht FOTO: Christian Köhler
Bad Muskau/Görlitz. Die Kronzeugin des Prozesses ist aus dem Görlitzer Gericht in Handschellen geführt worden. Sie hat ihre Aussage widerrufen. Im November 2018 soll ihr Ex in Bad Muskau nun doch nicht gedroht haben, sie anzuzünden. Von Christian Köhler

Im Prozess um einen Mordversuch vor dem Görlitzer Landgericht haben sich am Montag die Ereignisse im Gerichtssaal überschlagen. Die Belastungszeugin aus Bad Muskau hat letztlich den Saal in Handschellen verlassen müssen. Ihr wirft die Staatsanwaltschaft vor, bei der Polizei gelogen zu haben. „Die Kammer wird nun entscheiden, wie weiter zu verfahren ist“, erklärt Gerichtssprecher Jörg Küsgen auf RUNDSCHAU-Nachfrage.

Das Verfahren hat eigentlich zum Ziel, die genauen Tathergänge eines Mordversuches in Bad Muskau vom November des vergangenen Jahres aufzuklären. Ein heute 58-Jähriger, der aus Vietnam stammt und in Bad Muskau wohnt, soll versucht haben, seine Ex-Freundin heimtückisch und grausam zu  töten, teilt das Landgericht Görlitz zum Prozessauftakt mit. In Bad Muskau hat die Tat vor rund einem halben Jahr für reichlich Gesprächsstoff unter der Bevölkerung gesorgt: Auf dem Grundstück, wo seine ehemalige Lebensgefährtin lebt, soll der Mann mit einer mit Benzin gefüllten Bierflasche erschienen sein. Das Benzin wiederum soll er über sie gegossen und anschließend nach einem Feuerzeug gegriffen und seiner einstigen Freundin gesagt haben, er werde sie nun „zu Tode brennen“.

Im Gerichtssaal am Montag, so Jörg Küsgen, ist das mutmaßliche Opfer allerdings von dieser Version der Tat erheblich abgewichen. Sie hat im Zeugenstand angegeben, dass ihr der Ex das Benzin lediglich deshalb über ihren Pullover gekippt haben soll, weil er einen Fleck auf der Kleidung habe entfernen wollen. Genau diese Version hatte zuvor der Beschuldigte ebenfalls dem Gericht erklärt. Zu keinem Zeitpunkt, so schildert er dem Staatsanwalt sowie dem Richter, habe er die Absicht gehabt, seine ehemalige Lebensgefährtin anzuzünden.

Die Staatsanwaltschaft allerdings konfrontiert die Frau mit den Angaben, die sie bei der Polizei gemacht hatte. Das aber, so erklärt sie, sei nicht so gewesen, wie sie es einst ausgesagt hatte. Darauf hin erkennt die Görlitzer Staatsanwaltschaft eine Falschaussage bei der Zeugin und lässt diese festnehmen.

Beim Fortsetzungstermin in der Sache am 24. Mai muss die Kammer nun klären, welche Version der Zeugin stimmt. Glaubt man ihrer Aussage, die sie bei der Polizei gemacht hat, bleibt es bei dem Mordversuch des 58-Jährigen. Glaubt man der Version im Gerichtssaal, ist der Angeklagte letztlich freizusprechen, erklärt Jörg Küsgen. Ferner werde zu fragen sein, wie es überhaupt zu den beiden unterschiedlichen Versionen gekommen ist.