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Jadwiga Mahling ist angekommen

Hier wird Pfarrerin Jadwiga Mahling durch Superintendent Thomas Koppehl eingesegnet. Das gleiche Procedere nahmen auch Vater Jan Mahling (3.v.r.), Gabi Gojowczyk vom Gemeindekirchenrat (2.v.r.) sowie die Bad Muskauer Pfarrerin Miriam Arndt vor.
Hier wird Pfarrerin Jadwiga Mahling durch Superintendent Thomas Koppehl eingesegnet. Das gleiche Procedere nahmen auch Vater Jan Mahling (3.v.r.), Gabi Gojowczyk vom Gemeindekirchenrat (2.v.r.) sowie die Bad Muskauer Pfarrerin Miriam Arndt vor. FOTO: amz1
Schleife. Das Kirchspiel Schleife hat nun ganz offiziell eine neue Pfarrerin. Am Sonntag ist Jadwiga Mahling durch Superintendent Thomas Koppehl vom Kirchenkreis Schlesische Oberlausitz in ihr Amt eingeführt worden. amz1

Das Schleifer Gotteshaus platzte dabei aus allen Nähten. Man hätte kaum eine Stecknadel fallen lassen können, so viele Menschen wollten der Einführung beiwohnen. Selbst auf beiden Emporen gab es keine Lücke mehr.

Jadwiga Mahling ist bereits seit Herbst 2014 von der Kirche nach Schleife entsendet worden. Damit kehrt die 34-jährige Mutter zweier Kinder in ihre Heimat zurück. Schließlich stammt Mahling aus einem sorbischen Elternhaus in der Oberlausitz. Ihr Vater Jan Mahling fungiert als Superintendent in Bautzen. Klare Sache, dass das Sorbische in der Familie Alltagssprache ist.

Obwohl Jadwiga Mahling erst seit wenigen Jahren im Schleifer Kirchspiel tätig ist, haben viele Einheimische das Gefühl, dass die junge Frau dort schon ewig wirke. Schließlich habe sie sich bestens eingelebt, wie die 34-Jährige sagt. Jetzt, als frischgebackene offizielle Pfarrerin, fühle sich Mahling endgültig als "angekommen". Bereits während ihrer Entsendungszeit hatte die Kirchenfrau jede Menge Arbeit. Dazu gehörten unter anderem 38 Taufen, 33 Einsegnungen der Konfirmanden, zehn Hochzeiten sowie 65 Beerdigungen.

"Ich bin so stolz auf unsere Kirchengemeinde mit ihren vielen Arbeitsbereichen", resümiert die Pfarrerin. Als Beispiele führt sie unter anderem die regelmäßig stattfindenden Bibelstunden und die Abendmahlstunden sowie die Angebote für Kinder und Jugendliche an. Und natürlich die sorbische Sprache. Es gibt eigentlich keinen Gottesdienst, in dem Mahling auf die westslawische Sprache verzichtet. Ohnehin, so weiß die Pastorin, habe sie es mit den Sprachen. Englisch, Spanisch, Polnisch und selbst ein wenig Arabisch beherrsche sie.

Leicht werde die Tätigkeit im Kirchspiel mit seinen acht Dörfern indes nicht, gibt sich Jadwiga Mahling keinen Illusionen hin. Schließlich seien die Schleifschen bereits das ganze letzte Jahrzehnt immer wieder durch Verhandlungen, Enttäuschungen, Streit und Hoffnung geprägt worden. Dafür habe allein die Braunkohlenproblematik gesorgt. Seit dem Frühjahr 2017 steht nun fest, dass der Tagebau Nochten vom Kirchspiel Schleife lediglich den 220-Einwohner-Ort Mühlrose in Anspruch nimmt. Mulkwitz, Rohne, Klein Trebendorf und Schleife südlich der Bahn werden entgegen früherer Planungen nicht in Anspruch genommen.

Mahling, so sagt sie während ihrer Einführung, habe in der Historie recherchiert. Demnach mussten sich die alten Sorben in der Lausitzer Heide stets mit schweren Zeiten auseinandersetzen und ums tägliche Überleben kämpfen. Daraus resultiere ein großes Gottvertrauen, das anderswo längst nicht so selbstverständlich sei.

Superintendent Thomas Koppehl spricht indes vom einem "guten Tag für Schleife". Ohnehin sei er froh, wie sich die Dinge im Schleifschen Kirchspiel so entwickeln. Die junge Pfarrerin habe jetzt "ihr Volk mit all seinen Eigenheiten". Koppehl zolle der Entscheidung Mahlings für Schleife mit insgesamt rund 1700 Gemeindegliedern Respekt.

Auch der örtliche Gemeindekirchenrat (GKR) ist heilfroh, nach dem Weggang von Pfarrer Stefan Huth eine würdige Nachfolgerin gefunden zu haben. Oder wie es Gabi Gojowczyk vom GKR formuliert: "Ich freue mich ganz sehr, eine junge Pfarrerin in unserer Gemeinde zu haben."

Für Jadwiga Mahling beginnt nunmehr der kirchliche Alltag. Allerdings mit einem nicht ganz alltäglichen Aufruf. Denn für die Kinder solle eine Schaukel aufgestellt werden. "Dafür suchen wir noch ein paar starke Männer", so die Kirchenfrau. Wer Interesse hat, könne sich direkt an das Pfarrbüro wenden.