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Ja zum größeren Supermarkt

Dr. Eddy Donat kommentiert Vorschläge der Anwesenden, die diese für die Entwicklung des Krauschwitzer Ortskerns aufgeschrieben haben.
Dr. Eddy Donat kommentiert Vorschläge der Anwesenden, die diese für die Entwicklung des Krauschwitzer Ortskerns aufgeschrieben haben. FOTO: Nitsche
Krauschwitz. Der Marken-Discounter Netto möchte sich in Krauschwitz vergrößern. Es geht um eine Fläche von jetzt circa 800 auf 1100 Quadratmeter. Gabi Nitsche

Das ist eine Größe, für die eine Gemeinde in der Größe von Krauschwitz eine Ausnahmegenehmigung braucht. Doch ohne Einzelhandelskonzept sind dafür die Aussichten gleich null. Denn es wird der kommunalpolitische Nachweis verlangt, dass nur so die Versorgungssicherheit vor Ort gewährleistet werden kann. Darauf verwies Dr. Eddy Donat von der Firma GMA Dresden GmbH. Gemeinsam mit Florian Schaeffer präsentierte er kürzlich die Ergebnisse der Untersuchungen der Vor-Ort-Situation.

Demnach "wohnt" in den Orten der Großgemeinde eine Kaufkraft von immerhin 17,6 Millionen Euro. Rund 6,4 Millionen davon würden für Nahrungs- und Genussmittel ausgegeben werden. Mit der Einwohnerzahl, die in den Jahren von 2000 bis 2015 um zwölf Prozent sank und bis 2025 laut GMA sich um weitere neun Prozent reduziert, sinke auch die Kaufkraft. Donat geht von nur noch 6,1 Millionen Euro im Bereich Nahrungs- und Genussmittel im Jahr 2025 aus.

Zwei Drittel der gesamten Kaufkraft von Krauschwitz fließen ab. Für den Einzelhandel vor Ort, rechneten die Fachleute aus, blieben etwa 28 Prozent übrig. "Das Geld verschwindet in Weißwasser und an den Wochenenden in größeren Städten."

In der Gemeinde Krauschwitz gibt es 18 Einzelhandelsgeschäfte. Deren Umsatz wurde mit 5,8 Millionen Euro beziffert. Neun Geschäfte in der Gemeinde sind im Bereich Nahrungs- und Genussmittel angesiedelt und ihnen wird ein Umsatz von 3,8 Millionen Euro zugeschrieben. So gut wie alle Geschäfte konzentrieren sich auf den Hauptort Krauschwitz.

Netto soll laut GMA jetzt bis zu 3,2 Millionen Euro pro Jahr umsetzen. Beim vorgesehenen Neubau gehe man von einer Million Euro mehr aus. Allein mit Lebensmitteln wolle der Markt bis zu 3,7 Millionen Euro realisieren. "Dann muss also mehr Kaufkraft vor Ort bleiben. Aber das geht nur, wenn der Umsatz umverteilt wird", so Florian Schaeffer. Realistisch sei, dass die Leute aus Krauschwitzer Orten für Millionen Euro weniger in Weißwasser einkaufen und auch nicht mehr wegen Lebensmitteln nach Bad Muskau fahren.

Das Urteil der Experten: Nur mit dem größeren Markt wird die kommunale Eigenversorgung gesichert. Da es der einzige Nahversorger in der Gemeinde ist, seien keine negativen Auswirkungen erkennbar.

Im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Neubau wurde auch die Entwicklung des Ortskernes aus Sicht des Handels betrachtet. Die Dresdener sehen den alten bisherigen Supermarkt geeignet für den Verkauf von Bekleidung oder Restposten. Dienstleistungen gilt es auszubauen, Leerstand aktiv zu beseitigen und dazu Handelseinrichtungen im Ortskern zu konzentrieren. Mehr denn je sollte sich Krauschwitz auf (Fahrrad-)Touristen einstellen und Kunden aus benachbarten polnischen Orten werben. Die Fachleute raten zu regelmäßigen Außenverkaufsständen.

Die Anwesenden kamen der Bitte der Fachleute nach und schrieben ihre städtebaulichen Wünsche für den Ortskern auf Karten. Das Ergebnis bezeichnete Eddy Donat als "erstaunlich". Hier einige Ideen: Ruheplatz für Senioren, Spielplatz, Radweg nach Weißkeißel, Fußgängerüberwege, Umgehungsstraße für den Schwerlastverkehr, Durchgang vom Ärztehaus zum neuen Netto und offenes Wlan im Ortskern. In einem leer stehenden Geschäft könnten junge Leute Senioren zum Thema Digitalisierung Tricks und Kniffe beibringen.