Er ist Gast des Schlossgesprächs. Rund 100 Gäste hören einen Mann mit klaren und offenen Worten. Diese gehören nicht erst zu ihm, als er nach der Wende in die Politik ging, sondern sie haben den 70-Jährigen sein ganzes Leben begleitet.

Wäre die Wende allerdings schon am 20. August 1968 gekommen, dann wäre Heinz Eggert kein Revoluzzer gewesen. Als jüngster Stellwerksmeister der DDR war er in der FDJ und Deutsch-Sowjetischen Freundschaft (DSF) gewesen. Der Bruch kam, als die Sowjetunion in Prag einmarschierte und es dort Tote gab. "Die Welt war plötzlich nicht mehr offen", so Eggert. Er verweigerte die Unterschrift unter ein Pamphlet, das die Zustimmung zum Einmarsch forderte. Danach ist Eggert ein Ausgestoßener. "Eine Scheißsituation", erinnert er sich.

Über seine Frau, die aus einer christlichen Familie in Zittau stammt, findet er den Weg zu Gott und in die Kirche, studiert Theologie. Geht später als Pfarrer nach Oybin und ist Studentenpfarrer in Zittau. Das Haus der Eggerts ist offen für viele, die mit der DDR ein Problem haben. Und die sie deswegen auch verlassen. "1989 haben wir gedacht, wir machen das Licht aus", erzählt Eggert. Keine Grillparty sei vergangen, ohne, dass sich Freunde nicht verabschiedet hätten. Auch wenn immenser Druck auf der Familie gelastet habe - "Ich kann nicht sagen, dass sich die DDR nicht um mich gekümmert hat. Bis zu 70 Spitzel gab es für mich." - habe er eigentlich nie so richtig Angst gehabt. Dass die Wende so friedlich vonstattengegangen sei, ist für ihn "ein Gottesgeschenk."

Heute bereitet ihm Sorgen, dass sich der Extremismus in der Gesellschaft verfestigt habe. Hinzu komme, dass Toleranz mit Gleichgültigkeit verwechselt werde. "Wir haben eine Kultur des Netzes", so Eggert. Und meint damit soziale Netzwerke im Internet. "In der Anonymität kann dort jeder ohne Konsequenzen jeden Dreck ins Netz schreiben", wird er recht deutlich.

Nach anderthalb Stunden wird beim gemütlichen Teil im Neuen Schloss noch so manches persönliche Gespräch möglich. Apropos Schloss. Dieses oder besser die Ruine habe man zu DDR-Zeiten gar nicht sehen können. Vom Marktplatz verdeckte es eine Konsumkaufhalle und ein Schild "Der Sozialismus siegt", so Eggert. "Bad Muskau war vor 30, 40 Jahren nicht so spannend." Toll, wie es sich entwickelt habe.

Nächster Gast ist im April 2017 Gregor Gysi (die Linke).