Als eine ihrer ersten Maßnahmen verschickten die Aktivisten Postkarten mit einer Petition gegen den geplanten Neuaufschluss eines Kiestagebaus zwischen Hagenwerder und Görlitz an verschiedene Behörden und Entscheidungsträger.

“Wir werden uns auf jeden Fall straff organisieren. Und wir hoffen darauf, dass die Firma Heim - auch gedrängt durch unser Engagement - die Finger von der Kiesgrube lässt„, so Elisabeth Barthel, die zu den Initiatoren des Proestes gehört. Mit der auf der Rückseite einer Postkarte abgedruckten Petition, die an die Landesdirektion Dresden, das Landratsamt und weitere Entscheidungsträger geschickt werden soll, will man auf das Vorhaben des Unternehmens aufmerksam machen.

Hinsichtlich der Landesdirektion dürfte dieses Ansinnen allerdings zu spät kommen. Die raumordnerische Genehmigungsbehörde nämlich gab bereits eine positive Stellungnahme zu dem Vorhaben ab. Darin hieß es unter anderem: “Eine Beeinträchtigung der zu entwickelnden Erholungsfunktion des Berzdorfer Sees konnte die Landesdirektion im Raumordnungsverfahren nicht feststellen. Lärm- und Staubbelastungen bis in den Erholungsraum Berzdorfer See hinein sind nicht zu erwarten.„ Allerdings verband die Behörde dieses Votum mit mehreren Auflagen: So lehnte sie den Einsatz eines Dieselaggregates zur Stromversorgung des Tagebaus ab. Auf zwei der vier geplanten Abbaufelder soll das Unternehmen aus Gründen des Natur- und Hochwasserschutzes ganz verzichten.

Hinsichtlich des Abtransportes soll geprüft werden, ob dieser nicht auch über die Schiene erfolgen kann. Allerdings hat die Stellungnahme der Landesdirektion nur empfehlenden Charakter: “Auf das Raumordnungsverfahren schließt sich nun ein bergrechtliches Planfeststellungsverfahren an, das beim Oberbergamt in Freiberg geführt wird„, so Landesdirektionssprecher Dr. Holm Felber.

Ein entsprechender Antrag ist bei dieser Behörde allerdings noch nicht eingegangen, wie Abteilungsleiter Martin Herrmann erklärt: “Das Unternehmen hat jedoch im April 2010 mit unserer Behörde Vorgespräche zu den Verfahrensmodalitäten und dem Umfang der Antragsunterlagen geführt.„ Eine gesetzliche Frist für das Einreichen derartiger Unterlagen bestehe nicht. Allerdings verliert die raumordnerische Begutachtung nach zehn Jahren ihre Gültigkeit.

Bei den politischen Parteien in Görlitz rennen die Bürgeraktivisten mit ihrem Anliegen offene Türen ein.

“Durch eine falsche Entscheidung würde die Lebensqualität der Einwohner und die künftige touristische Nutzung der Region stark gefährdet. Ein konzentrierter Druck auf die Entscheidungsträger in Dresden ist notwendig. Die CDU-Görlitz wird alle zur Verfügung stehenden politischen Möglichkeiten, den Kiesabbau zu verhindern, einsetzen„, erklärt der Vorsitzende des CDU-Stadtverbandes, Octavian Ursu.

Und für Die Linke erklärt Stadtratsfraktionschef Thorsten Ahrens: “Nach Einsichtnahme in die Unterlagen und in Abwägung aller Aspekte können wir diese Ansiedlung nicht unterstützen.“ Auch die Stadtverwaltung und der Landkreis Görlitz äußerten sich in der Vergangenheit bereits ablehnend zu dem Vorhaben, da die entstehenden Arbeitsplätze den möglichen Schäden für die touristische Entwicklung nicht wettmachen könnten.