| 02:48 Uhr

Industriekultur in Weißwasser mit neuer Zukunft

Bernd Lange, Christian Klämbt, Timo Schutza und Torsten Pötzsch schauen sich im Außenbereich der Hafenstube um.
Bernd Lange, Christian Klämbt, Timo Schutza und Torsten Pötzsch schauen sich im Außenbereich der Hafenstube um. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Kein Hafen weit und breit. Dennoch hat Weißwasser seit Samstag offiziell ein Kulturcafé Hafenstube. Regina Weiß

Ein Blick zurück in die (Glasindustrie-)Geschichte der Stadt erhellt: Gegenüber dem neuen Soziolkulturellen Zentrum der Telux an der Straße der Einheit befand sich früher die Hafenstube der Glasarbeiter. "Dort wurden die Hafenformen gefertigt", erzählt Sebastian Krüger. Der Hafen sind kalt gepresste Gefäße, in denen im Ofen die Glasrohmasse geschmolzen wurde.

Nicht nur mit dem Namen halten Mitglieder und Mitstreiter des Vereins Mobile Jugendarbeit und Soziokultur in ihrem neuen Domizil die Erinnerung an die Glasindustrie wach. Wer sich genau in der Hafenstube umsieht, sieht Lampen und Glaskolben oder Fußbodenbohlen aus der Fertigung. Letztere eignen sich als Hingucker bei den Tischen. Ein Sinnbild für das Vorhaben des Vereins: Aus Industriekultur soll Kultur werden. "Das klappt an so vielen Stellen in Deutschland, warum nicht auch in Weißwasser?" fragt Christian Krüger.

"Wir haben uns bewusst für dieses traditionsreiche Haus entschieden. Wir wollen es schaffen, hier neue Räume zu entwickeln", so Vereinschef Christian Klämbt. Er verhehlt nicht, dass eine anstrengende Zeit hinter den Machern und Unterstützern liegt. Mehr als 1000 Stunden haben sie investiert. "Das erfüllt uns auch mit Stolz", so Klämbt bei der Eröffnung.

"Wenn Menschen aufeinander zugehen, zusammenarbeiten, dann können gute Sachen entstehen", sagt Oberbürgermeister Torsten Pötzsch (Klartext). Zu diesen Menschen gehören Susa Järvenpää und Suri Heiniola. Mit Malerpinsel und Putztuch haben sich die beiden Frauen eingebracht.

"Ich habe die Räume vorher gesehen. Es ist echt toll geworden", so Landrat Bernd Lange (CDU). Er sei nicht unbedingt in seiner Funktion als Landrat oder Vorsitzender des Kulturkonvents vorbeigekommen, sondern in erster Linie, um Danke zu sagen; den Menschen, die sich für Dinge einbringen, die notwendig sind. "Wir haben im Norden des Kreises immer ein soziokulturelles Zentrum gehabt." Lange erinnerte damit an die Turmvilla. Froh sei er, dass diese Arbeit nun in Weißwasser fortgesetzt werde. Und er unterstrich den Anspruch, den das Haus für die Große Kreisstadt haben soll: Kinder, Jugendliche, die mittlere wie auch die ältere Generation soll sich willkommen fühlen. Einen ersten Eindruck von den Angeboten konnten Interessierte beim Tag der offenen Tür gewinnen. Am Abend wurde die Hafenstube mit Musik und viel Licht offiziell in Betrieb genommen.

Doch die Bauerei hat für den Verein noch kein Ende. Die Entwicklungsgesellschaft des Kreises steht ihm zur Seite, um Fördermittel für die Barrierefreiheit zu erhalten.