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| 02:52 Uhr

Industrie und Tourismus machen Lausitz aus

SKM-Geschäftsführer Steffen Söll zeigt Thomas Jurk, Martin Dulig und Thomas Baum (v.l.n.r.) ein Tiefenrüttler, der in einer Tiefe von rund 80 Metern Abbarum verdichtet.
SKM-Geschäftsführer Steffen Söll zeigt Thomas Jurk, Martin Dulig und Thomas Baum (v.l.n.r.) ein Tiefenrüttler, der in einer Tiefe von rund 80 Metern Abbarum verdichtet. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Auf seiner Sommerreise unterm Motto "Innovationstour" hat Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) am Dienstag Boxberg besucht. Stationen waren der Campingplatz Sternencamp und die SKM Group GmbH. Regina Weiß

Innovation ist genau das richtige Stichwort für Steffen Söll. Der Eigentümer, der gemeinsam mit seiner Frau Kristin, vor fünf Jahren den Maschinen- und Anlagenbauer SKM am Standort ehemalige Tagesanlagen Kringelsdorf übernommen hat, unterstreicht, dass sich die Firma in dieser Zeit einmal neu erfinden musste. "Am Ende ist es eine Erfolgsgeschichte, wobei wir hoffen, noch lange nicht am Ende zu sein."

Etliche Probleme stehen noch an

Dabei sind einige Klippen zu umschiffen. Russlandkrise, Brexit, die Energiewende zählt Steffen Söll als Problemfelder auf. Und das sind längst noch nicht alle. Die Zukunft der ehemaligen Tagesanlagen - der Betriebssitz der SKM Group -, die das Unternehmen Vattenfall als nicht betriebsnotwendiges Grundstück abstoßen möchte, beschäftige derzeit ganze Heerscharen. Letztlich seien am Standort rund 200 Mitarbeiter in verschiedenen Firmen betroffen. SKM hat seine Hallen gekauft, will aber auf keinen Fall allein am Standort bleiben. Die Ausweisung als Industriegebiet Schadendorf, ein entsprechender Bebauungsplan werde gerade bearbeitet, könnte die Lösung sein.

"Wir sind ein Stück weiter", sagt Roman Krautz, Amtsleiter Bärwalder See und Stabsstelle Wirtschaftsförderung bei der Gemeinde Boxberg, jetzt nach mehreren Gesprächsrunden. Allerdings harrt eins der größten Probleme noch einer Lösung. Selbst bei einer Förderung des Freistaates von 90 Prozent könnte die Gemeinde Boxberg nicht die Eigenmittel aufbringen, die zum Kauf des Geländes notwendig wären.

Das Thema "Förderung" ist eins der nächsten Probleme, die Steffen Söll umtreibt. "Warum kann man nicht Programme, die gut gelaufen sind, fortführen?", gibt er Wirtschaftsminister Martin Dulig mit auf den Weg. Konkret denkt er dabei an "Sachse komm zurück", dass sich für SKM ausgezahlt hat.

Zum Zeitpunkt der Firmenübernahme vor fünf Jahren zählte SKM 49 Mitarbeiter. Mittlerweile sind es 70. "Und wir wollen weiter wachsen", kündigt Söll an. Der Umsatz hat sich in den fünf Jahren von 3,5 auf rund acht Millionen Euro gesteigert. Das auch deshalb, weil sich die Firma neue Geschäftsfelder erschlossen hat. Sie schaffen Sonderlösungen für den Anlagenbau, sind mit ihren Konstruktionen Partner für die Baustoffindustrie und seit Jahren im Bereich Fördertechnik für die Braunkohleindustrie tätig. Forschung werde groß geschrieben. Mehrere Projekte laufen parallel. Erst jüngst konnte man mit einem Partnerunternehmen eine Maschine entwickeln, die alte Fördergurte recycelt. "Die Anlage läuft erfolgreich in der Eifel", erklärt Söll den Besuchern, zu denen an diesem Tag neben dem Minister die SPD-Abgeordneten Thomas Jurk (Bund) und Thomas Baum (Land) gehören.

Dulig unterstreicht, dass die Lausitz eben auch solche Industrieunternehmen wie SKM ausmache. Die Lausitz werde kein Wolfsgebiet oder Landschaftsschutzgebiet spielt der Minister auf das Thema an, was die Menschen derzeit am meisten umtreibt - die Situation in der Braunkohle. Wenn im August, spätestens im September auch die letzten Entscheidungen für EPH gefallen sein werden, wolle man schnellstens mit dem neuen Eigentümer reden. "Denn sie müssen uns dann auch sagen, wie sie sich den Prozess vorstellen", so Dulig. Der Freistaat werde den Strukturwandel auch finanziell begleiten. "Aber ich gehe auch davon aus, dass der Bund seiner Verantwortung gerecht wird."

Keine Kompensation

Rund 390 Millionen Euro haben die Energieindustrie und das verarbeitende Gewerbe auf dem Gebiet der Gemarkung Boxberg 2014 an Umsätzen erwirtschaftet. Beim Tourismus, so Roman Krautz, könnte man die Zahlen nur schätzen. Er geht im selben Zeitraum von drei bis fünf Millionen Euro aus. "Der Tourismus kann also nie ein Kompensationsgeschäft sein", so Krautz weiter. Wobei sich dieser rund um den Bärwalder See weiter entwickle. "Die Zahlen steigen langsam, aber kontinuierlich", so Ludwig Müller, der gemeinsam mit Ehefrau Carola das Sternencamp betreibt. Die Gäste seien begeistert, manche schon "Wiederholungstäter". 105 Stellplätze stehen für die Urlauber bereit, zudem ein modernes Sanitärgebäude, "dass sich mit einem Fünf-Sterne-Hotel messen kann." Achillesferse sei allerdings die Gastronomie, stellt Roman Krautz fest. Die gutbürgerliche Küche sei gut aufgestellt, es fehle an einem höherwertigeren Angebot. Da hofft die Gemeinde auf den Investor, dem sie das Grundstück neben der Touristinfo verkauft hat. Dort sollen das erste Hotel in der Gemeinde Boxberg sowie eine hochwertigere Gastronomie entstehen.

Die Hoffnung stirbt auch beim Thema Kitesurfen zuletzt. Seit Januar wartet der Antrag der Kommune auf Genehmigung. Roman Krautz befürchtet, dass bei der umfangreichen Trägerbeteiligung der Gemeinde der Bescheid teuer zu stehen kommen könnte. Und was machen derweil die Kitesurfer? Bei gutem Wetter sind viele auf dem See. "Und die Wasserschutzpolizei schaut ab und zu vorbei . . ."