ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 15:24 Uhr

Aus dem Gericht
Über Chat an Kinderpornos gelangt

Vor dem Weißwasseraner Amtsgericht wurde der Fall verhandelt. Dem Prozess gingen umfangreiche Ermittlungen voraus.
Vor dem Weißwasseraner Amtsgericht wurde der Fall verhandelt. Dem Prozess gingen umfangreiche Ermittlungen voraus. FOTO: dpa / Volker Hartmann
Weißwasser. Ein Weißwasseraner ist zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Die Polizei warnt: Nutzer werden gekonnt angefüttert. Von Christian Köhler

Bei Chats im Internet weiß der Nutzer im Grunde nie, wer sich am anderen Ende der Leitung befindet. Das trifft auch auf Chats zu, die über das Privat-Fernsehen und dessen Teletext verbreitet werden. Über den Jahreswechsel von 2015 auf 2016 beispielsweise hat Martin K.* aus Weißwasser einen solchen besucht.

Das an sich ist nicht strafbar. Weil aber bei einer Wohnungsdurchsuchung des heute 33-Jährigen Weißwasseraner Familienvaters durch die Polizei im Oktober 2017 kinderpornografische Videos und Fotos auf einem Smartphone entdeckt wurden, muss sich K. nun vor dem Amtsgericht verantworten. Ihm wirft die Görlitzer Staatsanwaltschaft Besitz und Verbreitung von Kinderpornografie vor.

Der Angeklagte gibt vor dem Weißwasseraner Amtsgericht an, sich tatsächlich in einem solchen Chat aufgehalten zu haben. „Ich habe die Videos nicht bewusst erhalten“, gibt er zu verstehen. Vielmehr habe er sich mit Unbekannten in einem WhatsApp-Chat aufgehalten. Die wiederum hätten ihm die Dateien zugespielt, „ohne dass ich diese gewollt habe“, so K.

Auf den Angeklagten, so gibt ein Polizist zu verstehen, der als Zeuge in der Sache vor Gericht aussagt, sind Beamte in Westdeutschland gestoßen, als sie bei einer weiteren Wohnungsdurchsuchung diverse Handys und Notebooks sichergestellt haben. „Wir geben die Beweismittel dann an unsere Spezialisten zur Auswertung“, erklärt der Polizist. Dabei sei man auf die Telefonnummer von K. gestoßen und habe in der Folge seinen Wohnort ausfindig gemacht und über die Görlitzer Staatsanwaltschaft eine Hausdurchsuchung beantragt.

Die Durchsuchung hatte das Ziel, so der Polizist, nicht nur die Daten zu sichern, die K. nach dem bisherigen Kenntnisstand der Polizei haben musste, sondern auch zu klären, warum der Beschuldigte einige Dateien auch an andere Nutzer des Chats weiter verschickt hat. „Sie haben demnach nicht nur verbotene Dateien besessen, die sexuelle Handlungen mit Kindern zeigen, sondern diese auch weiter verbreitet“, stellt Amtsrichter Ralph Rehm den Angeklagten zur Rede. Beides ist nach dem Gesetz strafbar.

Der Beschuldigte entgegnet, dass ihm nicht die Tragweite und die strafrechtliche Relevanz seiner Tat bewusst gewesen seien. Vielmehr sei er „in etwas hineingeraten, was ich gar nicht gewollt habe“. Allein „aus Neugier“ hätte er die Dateien behalten. Auf die Frage des Richters, warum Martin K. die insgesamt zwei Videos weiter versendet hat, erklärt dieser: „Weil ich in diesem Chat danach gefragt wurde.“

Der Polizeibeamte, der die Durchsuchung der Wohnung sowie die spätere Befragung von K. leitete und durchführte, erklärt, „dass uns diese Chats schon eine ganze Weile beschäftigen“. Das Vorgehen von Personen, die beispielsweise verbotene sexuelle Vorlieben haben, sei dabei immer gleich: „Zunächst wollen sie nur reden, und wie durch Zufall kommen sie dann auf bestimmte Themen zu sprechen“, so der Beamte. So werde getestet, ob das Gegenüber ähnliche Neigungen besitzt. „Sie füttern dann die Nutzer an und hoffen so, im Tausch an neues Material zu kommen“, berichtet der Polizist im Zeugenstand. Dabei könne man nicht im Vorhinein wissen, welche Dateien einem geschickt werden. Das sehe man erst, wenn man diese öffnet.

Wegen dieses Umstandes schlägt die Staatsanwaltschaft während der Verhandlung vor, in dem speziellen Fall nicht den Besitz strafrechtlich zu verfolgen, sondern das Weiterverbreiten der Dateien durch K. Dem folgt Richter Rehm, will aber zuvor von dem Polizisten wissen, ob beim Angeklagten pädophile Neigungen festgestellt wurden. „Nein“, entgegnet dieser, „dafür gibt es keinerlei Anhaltspunkte.“

Die Staatsanwaltschaft fordert für das Verbreiten der kinderpornografischen Schriften, so der strafrechtliche Begriff, eine Freiheitsstrafe von sechs Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt werden kann. Schließlich sei der Angeklagte bislang nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten, habe vollumfänglich gestanden und stets kooperiert und lebe in geordneten Verhältnissen.

Im Urteil folgt der Richter der Staatsanwaltschaft, setzt die Bewährung auf zwei Jahre fest und verhängt eine Geldstrafe von 600 Euro, die der Verurteilte nun an den Kinderschutzbund in Görlitz zu zahlen hat.

„Es geht hier um einen sehr sensiblen Bereich“, begründet der Richter, „und es erfordert unbedingt einer Aufarbeitung. Deshalb haben Sie sich über zwei Jahre lang bei einem Bewährungshelfer zu melden.“ Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.