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| 14:54 Uhr

Eine lange Tradition
Mit viel Gefühl in der Küche am Werk

 Solveig Lorenz (r.) und Heike Behnel (m.) haben in der Küche der Caritas alle Hände voll zu tun.
Solveig Lorenz (r.) und Heike Behnel (m.) haben in der Küche der Caritas alle Hände voll zu tun. FOTO: Regina Weiß
Weißwasser. Weihnachten denke viele in Weißwasser an die Caritas. Und die kann so eine schöne Feier ausrichten. Von Regina Weiß

In der kleinen Küche der Caritas herrscht noch weit vor der Mittagszeit am Heiligabend schon ordentlich Betriebstemperatur. Kein Wunder – hier läuft nicht nur der Ofen, sondern die Vorbereitungen für das Essen auf Hochtouren. Schließlich werden bei der traditionellen Weihnachtsfeier für einsame oder hilfebedürftige Menschen rund 60 Gäste erwartet. Und da soll alles pünktlich auf den Tisch. Köchin Solveig Lorenz, die seit 2005 hier den Löffel schwinkt, ist gerade in Hochform. Kloß für Kloß entsteht in ihren Händen. Mit viel Gefühl, wie die RUNDSCHAU-Reporterin beim Zugucken feststellt. „Genau, viel Gefühl ist auf alle Fälle dabei“, lacht Ursula Grus. Für sie als Koordinatorin im Caritas-Tagestreff samt Tafel ist es bereits die zehnte Weihnachtsfeier. Ihre Vorgängerin hat 14 weitere gemeistert. „1995 fing alles an, damals noch in der Brunnenstraße“, blickt Ursula Grus zurück.

Doch zurück in die Gegenwart. Der Wildgulasch füllt einen großen Topf. Auch ums Rotkraut muss man sich noch kümmern. Während dessen ist Heike Behnel schon mit den Vorbereitungen für das Abendbrot beschäftigt. Unzählige Pellkartoffeln müssen geschnippelt werden. Noch vor wenigen Tagen stand Heike Behnel im Landtag in Dresden, weil sie zu den 50 Ehrenamtlichen gehört, die für ihre Arbeit geehrt wurden. „Es war toll und eine wirkliche Überraschung“, sagt sie ganz bescheiden. Seit 2012 ist sie über die Arge für einen Ein-Euro-Job zur Caritas gekommen. Und hat der Arbeit auch als Ehrenamtliche die Treue gehalten. „Deshalb hat es uns so gefreut, dass es jetzt mit der Auszeichnung geklappt hat“, so Ursula Grus. Denn ohne das Engagement der 18 Ehrenamtlichen in der Caritas würde weder der Tagestreff noch die Tafel funktionieren. Letztere ist für Familien und Alleinstehende immer wichtiger, um über die Runden zu kommen. Mit 205 Tafelpässen hat es in diesem Jahr zwar keinen Anstieg gegeben, aber ein Umstand geht Ursula Grus merklich an die Nieren. „Es kommen Jugendlich zu uns, die haben gar nichts mehr“, erzählt sie. Keine Bleibe, nichts zu essen und wahrscheinlich ein größeres Problem mit Alkohol und/oder Drogen. Diese Jugendlichen bekommen einen Notfallbeutel, um das Nötigste zu haben, um ein bisschen zu Kräften zu kommen. Für sie ist die Caritas sozusagen der Retter in der Not.

Auf ihr Team kann sich Ursula Grus verlassen. Und so wird auch am Heiligabend in den Räumen der Tafel fleißig sortiert, was gebracht oder geholt wurde. Mit vier Kraftfahrern ist die Decke allerdings ziemlich dünn. Rüstige Rentner, die gern ein paar Stunden helfen möchten, wären Ursula Grus sehr willkommen. Denn die zwei vorhandenen Fahrzeuge müssen mit Fahrer und Beifahrer auf ihren Touren besetzt sein und die gehen bekanntlich auch bis zur Landestafel nach Dresden. Rund um die Weihnachtszeit kann sich die Hilfsorganisation über Menschen, die an sie denken, nicht beschweren. „Heute lag zum Beispiel ein Stollen vor der Tür und eine Frau hat noch Süßigkeiten abgegeben“, erfährt die RUNDSCHAU. Firmen haben Geldspenden überreicht. So kann die Weihnachtsfeier ausgestattet werden. Klasse sei, dass mit dem Tafelgärten oder der Firma Willms aus Weißwasser Unterstützung fast über das ganze Jahr gewährleistet werde. Denn schließlich brauchen die Hilfebedürftigen nicht nur zur Weihnachtszeit Unterstützung.

Doch nicht nur Essen und Trinken stehen im Haus an der Uhlandstraße im Mittelpunkt, auch wenn in der Woche über 150 Essen ausgegeben werden. So trifft sich die Singegruppe unter Leitung von Annelies Langner jeden Montag. „Manchmal auch nur zum Quatschen“, weiß Ursula Grus. Junge Muttis und andere Interessenten profitieren vom Kleiderstübchen. Das ist in diesem Jahr neu entstanden. Dafür sind Teile eine Wohnung umgestaltet worden. So kommt gut erhaltene Bekleidung an Kind, Mann oder Frau. Ebenfalls das Tafelservice von Oma oder anderes Geschirr konnten an neue Besitzern vermittelt werden. Ähnlich hält man es mit Möbeln. „Dafür reicht unser Platz nicht, aber da machen wir dann einen Aushang.“