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| 14:50 Uhr

Weißkeißel
Wenn Landwirte und Naturschützer harmonisieren

Sven Büchner (l.) überreicht Nicole Fuhrmann und Martin Helgert-Fuhrmann im Auftrag des Umweltamtes die Plakette „Betriebsplan Natur“.
Sven Büchner (l.) überreicht Nicole Fuhrmann und Martin Helgert-Fuhrmann im Auftrag des Umweltamtes die Plakette „Betriebsplan Natur“. FOTO: Richter-Zippack, Torsten
Weißkeißel. Galloway-Oberlausitz-Betrieb in Weißkeißel erhält besondere Plakette. Protagonisten legen Wert auf strukturreichen Raum Von Torsten Richter-Zippack

Nicht selten stehen sich Landwirte und Naturschützer konträr gegenüber. Der eine fürchtet um seine Produktion, der andere um die Artenvielfalt. Dass es auch anders geht, beweist ein Landwirtschaftsbetrieb in Weißkeißel. Das Engagement der dortigen Landwirte mit den Naturschützern ist jetzt mit einer Plakette des sächsischen Umweltministeriums anerkannt worden. Konkret geht es um ein Projekt zur gesamtbetrieblichen Naturschutzberatung. „Ziel ist es, die Konfrontation zwischen Landwirtschaft und Naturschutz aufzulösen“, erklärt Umwelt-Protagonist Sven Büchner.

Der Weißkeißeler Betrieb „Galloway Oberlausitz“, der 85 Rinder hält, hat sich an die Nabu-Regionalgruppe Weißwasser gewandt. Die dortigen Experten wurden von den Hofbetreibern Nicole Fuhrmann und ihrem Mann Martin Helgert-Fuhrmann eingeladen. Denn ihr Weideland bietet reiche Strukturen für Pflanzen und Tiere. Dank neuer Hecken und Bäume sowie der dauerhaften Grünlandnutzung fühlen sich bei den Fuhrmanns selten gewordene Arten wie Braunkehlchen und Raubwürger wohl.

Mit Geld ist die Anerkennung nicht verbunden. Dafür liegt hinter den Protagonisten viel Arbeit. Allerdings auch Anerkennung: „Denn die Weißkeißeler bewirtschaften Wiesen, die nur wenig Ertrag abwerfen, aber für eine intakte Natur wertvoll sind“, fasst Sven Büchner zusammen. Nicole Fuhrmann, die den Betrieb im vergangenen Jahr von ihrem Vater Karl-Heinz Fuhrmann übernommen hat, drückt es so aus: „Wir haben hier eine kleine ökologisch wertvolle Insel.“

Leben müssen die Fuhrmanns von ihrer 120 Hektar-Landwirtschaft indes nicht. Das ginge aller Voraussicht nach auch gar nicht, Stichwort der zu Ende gegangene Dürresommer 2018. So verdienen Nicole Fuhrmann und ihr Mann Martin ihr Geld als Gynäkologin sowie als Rettungssanitäter. Mit der jetzt erfolgten Anerkennung gehören sie zu den vier Betrieben im Kreis Görlitz, die diese Plakette bislang bekommen haben. Sachsenweit sind es rund 40 Unternehmen.