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In Schleife wimmelt es vor Äpfeln

Groß ist das Interesse an den fast 200 Obstsorten im Sorbischen Kulturzentrum.
Groß ist das Interesse an den fast 200 Obstsorten im Sorbischen Kulturzentrum. FOTO: amz1
Schleife. In Hülle und Fülle sind Äpfel während des Schleifschen Kirmesmarktes am gestrigen Sonntag präsentiert worden. Am Stand des Apfelkundlers Dr. Hilmar Schwärzel reißt der Zuspruch nicht ab. Besucher lassen die Sorten ihrer eigenen Äpfel bestimmen. amz1

Sie tragen Namen wie Krügers Dickschädel, Roter Astrachan oder Echter Streifling. Wahlweise auch Hasenkopf und Bischofshut. Sie gibt es in den verschiedensten Variationen, nämlich groß und klein, rund und oval, süß und sauer. Die Rede ist natürlich von den Äpfeln. "165 Apfel- und 22 Birnensorten haben wir besorgt", hat Sylvia Panoscha, Leiterin des Sorbischen Kulturzentrums Schleife, in dessen Räumlichkeiten die Veranstaltung stattfand, nachgezählt.

Gepflückt worden sei das Obst bereits im September. Und zwar im brandenburgischen Müncheberg östlich von Berlin. Dort befindet sich nämlich der Brandenburger Landessortengarten beziehungsweise die Obstbaustation. Bis zur Schleifschen Ausstellung seien Äpfel und Birnen fachmännisch in einem Kühlhaus eingelagert worden. Tatsächlich, so befinden die Besucher des Kirmesmarktes, sehe das Obst aus, als sei es erst Stunden zuvor geerntet worden.

Apfelkundler (Pomologe) Dr. Hilmar Schwärzel von der Müncheberger Obstbaustation hat jedenfalls alle Hände voll zu tun. Denn der Andrang an seinem Stand in Schleife will nicht abreißen. Zahlreiche Besucher haben ihre Früchte mitgebracht und wollen wissen, um welche Sorte es sich handelt. Schwärzel mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung braucht nicht selten nur kurz hinzuschauen, dann weiß er, womit er es zu tun hat. Wahlweise wird mal ein kleines Stück verkostet oder berochen.

Beispielsweise die große Frucht von Liane Lorenz. "Kaiser Wilhelm" sagt Schwärzer fachmännisch. Und weiter: "Ein wirklich prächtiges Exemplar." Tatsächlich, so berichtet Liane Schwarzer, sei die Frucht an ihrem rund 50 Jahre alten Baum gewachsen. Dieser habe anno 2016 zentnerweise getragen. Die Weißwasseranerin habe die Äpfel in der ganzen Nachbarschaft verteilt. Selbst der örtliche Tierpark profitiere von der außergewöhnlich guten Ernte. Allerdings, so rät Schwärzer, sollten die Äpfel eher gepflückt werden. Sie würden anschließend noch nachreifen und ihre so typische rot-gelbe Farbe angelegen.

Aus der Nähe von Luckenwalde ist Familie Valentin extra zum Schleifschen Kirmesmarkt gereist. "Wir wissen jetzt, dass unsere Äpfel zur Sorte Carola gehören", sagt Marianne Valentin zufrieden. Von der Veranstaltung im Sorbischen Kulturzentrum habe sie während eines kürzlichen Aufenthaltes im Findlingspark Nochten erfahren.

Ein älterer Herr will von Dr. Schwärzer dagegen wissen, was es mit den dunklen Flecken an seinen Früchten auf sich habe. "Das ist Schorf", antwortet der Experte. Und weiter: "Ein Pilz, der die Lagerfähigkeit einschränkt." Dennoch könnten die betroffenen Äpfel ohne Grund zur Sorge gegessen werden.

Neben all den vielen Apfel- und Birnensorten steht vor allem deren Geschmack im Mittelpunkt. Beispielsweise bei Heinz Lohr aus Mühlrose. Schon seit vielen Jahren preist er Herbst für Herbst seine Früchte an. So auch auf dem Kirmesmarkt. 15 Sorten hat Lohr mitgebracht. Besonders könne er die Sorte "Delikat" empfehlen. Da sei bereits der Name Programm, nämlich richtig schön saftig.

Und Detlef Schulze von der Dubrauer Baumschule rät, wie Obstbäume am besten gepflanzt werden: "In eine ausreichend große Pflanzgrube. Den Pfahl nicht vergessen und viel wässern", so der Experte.

Darüber hinaus präsentieren sich auf dem Schleifschen Kirmesmarkt zahlreiche Handwerker aus der Region. Beispielsweise Imker, Fleischer, Kunstinteressierte und sogar ein Pilzberater. Dass die Veranstaltung zahlreiche Gäste lockt, ist indes im ganzen Dorfkern zu sehen. Warum, erklärt Sylvia Panoscha so: "Das Parken ist freilich unser großes Problem."