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Brandschutz
In der grünen Lunge lauern Gefahren

Um einer Waldbrandkatastrophe wie 1992 vor den Toren Weißwassers vorzubeugen, werden Schutzmaßnahmen ergriffen.
Um einer Waldbrandkatastrophe wie 1992 vor den Toren Weißwassers vorzubeugen, werden Schutzmaßnahmen ergriffen. FOTO: Nitsche
Weißwasser. Die Arbeitsgruppe „Schutz der Wälder“ berät über vorbeugende Maßnahmen. Luft-Überwachung noch ungeklärt. Von Gabi Nitsche

„2017 war absolut kein Waldbrand-Jahr. Es gab gerade einmal drei Brände. Das waren in Summe 0,06 Hektar Waldfläche“, berichtet  Hans Richter nach der ersten Zusammenkunft der Arbeitsgruppe „Schutz der Wälder“  am Donnerstag.  Zur Arbeitsgruppe gehören: Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen; Kreisforstämter Görlitz und Bautzen, Bundesforstbetrieb Lausitz, Staatsbetrieb Sachsenforst, Truppenübungsplatzes Oberlausitz, Polizeidirektion Görlitz, Leag-Werkfeuerwehr und freiwillige Feuerwehren. Richter leitet das Amt für Brand-, Katastrophenschutz und Rettungswesen im Landkreises Görlitz.

Laut Statistik des Kreisforstamtes war 2017 zu warm und trocken, dazu kamen in kurzer Folge Starkniederschläge. Nur einmal sei die höchste Waldbrandgefahrenstufe, die 5, ausgerufen worden. Und auch die „4“ galt nur an 16 Tagen. „Das ist gar nichts im Vergleich zu dem, was wir hier schon alles erlebt haben.“ Richter ist der letzte, der den Wald in Flammen erleben möchte. Aber er befürchtet, den Menschen könnte die Gefahr, die in der grünen Lunge schlummert, nicht mehr so bewusst sein, dass sie leichtsinniger werden könnten. Davor warnt der gestandene Feuerwehrmann: „Die Sonne und die trockenen Gräser, Bäume und Sträucher sind ein gefährliches Gemisch. Da kann ein Funke reichen.“  Vor allem im Raum Weißwasser, der gehört zu den am meisten gefährdeten Bereichen A.

Sollte es brennen, müssen die Feuerwehren schnell mit ihrer Technik durch die Wälder an den Brandherd. Doch die Sturmtiefs im Oktober und  Januar haben enorme Schäden hinterlassen. „Das Kreisforstamt berichtet von 60 000 Festmetern Holz, die gefallen sind. Nun muss das Holz  geerntet, gestapelt und abgefahren werden.“ Den Forstleuten sitzt die Zeit im Nacken, um einem Schädlingsbefall zu entgehen.  Die schwere Forsttechnik zieht die Waldwege stark in Mitleidenschaft. Soweit es geht, setzen sie diese instand. Aber alles sei objektiv nicht zu leisten. „Wir stellen uns auf diese Situation ein“, versichert Hans Richter.

Die Feuerwehren im Norden des Landkreises sind gut aufgestellt, so dessen Einschätzung. Mit Gerd Preußing sei für den verstorbenen Kreisbrandmeister des Inspektionsbereiches ein würdiger Nachfolger gefunden, der die Fach- und Ortskenntnisse mitbringt. In den nächsten Wochen nimmt sich dieser mit weiteren Experten besonders gefährdete Waldgebiete genauer vor. Zum Beispiel den Bereich Schleife/Graustein. An der Landesgrenze zu Brandenburg gab es schon einige verheerende Waldbrände. Bei der Bekämpfung waren sächsische und brandenburgische Wehren im Einsatz. Die gegenseitige Hilfe funktioniert, so Richter. Bei der Befahrung sind die Brandenburger deswegen wieder dabei. Eine Kontrollfahrt erfolgt ebenso im Bereich Sagarer Moor, „eine kreuzgefährliche Ecke“, so Richter.

Auch auf dem Truppenübungsplatz Oberlausitz ist die Bundeswehr-Feuerwehr auf die Waldbrand-Saison vorbereitet. Darüber hat Kommandant René Pierschel die Arbeitsgruppe informiert. Weil der Bereich Neustädter Heide stärker genutzt werde, suche die Bundeswehr engeren Kontakt zu den dortigen Ortswehren. „Das ist wichtig, denn die Grenze der Landkreise Görlitz und Bautzen geht hier mittendurch“, weiß der Amtsleiter. Der Kommandant habe angekündigt, dass die Truppenübungsplatz-Feuerwehr jetzt auch mit Digitalfunk ausgestattet werde. Das mache dann die Verbindung zur Integrierten Rettungsleitstelle in Hoyerswerda und zu den Ortswehren einfacher.

Kopfzerbrechen bereitet die Überwachung aus der Luft. Seit 2015 war die Flugschule Storch aus Rothenburg im Auftrag des Kreisforstamtes im Einsatz. Doch jetzt ist der Inhaber Heinz Storch verstorben.

Stichwort Überwachung. „Das Kameraüberwachungssystem AWFS ist modernisiert worden. Die Bilder, die von den vier Türmen im Landkreis Görlitz – Rietschen, Am schweren Berg Weißwasser, Biehain und Kreba – aufgenommen werden, kommen jetzt in der Leitstelle in Farbe an.“ Laut Amtsleiter erfolgte dafür eine Investition von rund einer halben Million Euro inklusive 75 Prozent EU-Förderung.

In der Arbeitsgruppe wurden sämtliche Kontroll- und Einsatzpläne abgestimmt. Obenan steht derzeit der Check von Löschwasserentnahmestellen und Wundstreifen an den Bundesstraßen.