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In den Gärten tummeln sich Säue

Kurt Heinze blickt verzweifelt auf sein Gemüsebeet. Hier haben die Wildschweine in der Nacht zuvor ganze Arbeit geleistet.
Kurt Heinze blickt verzweifelt auf sein Gemüsebeet. Hier haben die Wildschweine in der Nacht zuvor ganze Arbeit geleistet. FOTO: Gabi Nitsche
Mulkwitz. Mulkwitzer leiden unter grunzenden nächtlichen Besuchern. Die Wildschweine machen Kahlfraß in Beeten und pflügen Wiesen um. Gabi Nitsche

Familie Heinze ist zum Heulen zumute. Auf ihrem Grundstück an der Dorfstraße in Mulkwitz fühlen sich Wildschweine anscheinend sauwohl. Wütend blickt Kurt Heinze auf sein Gemüsebeet, das inzwischen einem umgepflügten Acker gleicht. Keine Spur mehr von den Kartoffeln, Möhren und dem Salat, die der 78-Jährige mühselig per Hand gepflanzt beziehungsweise gesät hatte. "Ich dachte, mich trifft der Schlag, als ich das gesehen habe", sagt der Senior.

Weder er noch sein Sohn Steffen wissen sich noch Rat, wie sie das Schwarzwild ein für alle Mal wieder loswerden. "Wir haben die Zäune verstärkt, Flatterband aufgehangen - doch die Tiere hält anscheinend nichts auf. Sogar ein Spannschloss haben sie aufgebogen, so sehr haben sie gegen den Zaun gedrückt."

Verzweifelt schaut der Mulkwitzer über seinen Garten hinter dem Wohngrundstück und auf die Schutzpflanzungen dahinter. Kurt Heinze ist sich sicher, dass es sich Bachen, Keiler und Jungtiere in dem Dickicht gemütlich gemacht haben und von dort nachts, vor allem in den frühen Morgenstunden auf Futtersuche gehen. "Letzte Nacht hat die Nachbarin geschrien vor Angst, als die Rotte grunzenderweise durch ihren Garten ist. Wo sie einmal was gefunden haben, da gehen sie wieder hin. Doof sind die Schweine nicht." Und die Schwarzkittel halten sich längst nicht nur auf dem hinteren Teil des Grundstücks auf, sondern suchen auch im Vorgarten nach Fressbarem.

Die Mulkwitzer haben Angst, sagt Kurt Heinze, und fühlen sich damit allein gelassen. Von der Jagdgenossenschaft, den Jagdpächtern und der Leag. "Wenn sich hier ein Wolf auf dem Grundstück herumtreiben würde, wären alle zur Stelle", vermutet Steffen Heinze und ist sauer.

Revierförster Olaf Hanspach macht klar, dass die Leag nur Mitglied in der Jagdgenossenschaft sei und bestätigt die Vermutung der Anwohner mit der Schutzpflanzung als "Wellness-Oase" für die Säue. Die verstecken sich darin, weil das Feld dahinter trocken ist und ihnen keine Nahrung bietet, solange zum Beispiel der Mais klein ist. "Die Gärten sind mit ihrem frischen Gras und dem angebauten Gemüse wie Kompott für die Schweine", so Hanspach. Im Frühjahr habe die Leag den Zaun um die Schutzpflanzungen kontrolliert und ausgebessert. "Aber Schweine suchen sich ihren Weg." Inzwischen gelte dieser Schutzgürtel als Wald und sei somit Lebensraum für Wild.

Leider sei Familie Heinze nicht allein betroffen. Andere ebenfalls sowie der kommunale Sportplatz. "Obwohl wir es nicht müssten, sind wir der Bitte der Gemeinde Schleife gefolgt, haben den Sportplatz umzäunt und bringen ihn wieder in Ordnung", berichtet Hanspach.

Mit Blick auf einige Grundstückszäune, sagt der Leag-Revierförster, dicht und dicht seien zweierlei Sachen. Oftmals sei der Spanndraht schätzungsweise zehn Jahre alt, denn bis vor Kurzem haben die Mulkwitzer ja angenommen, sie müssten wegen des Tagebaus Nochten II umsiedeln. "Die Wildschweine stecken ihren Rüssel durch und - bing - sind sie durch solche Zäune durch." Er rät Betroffenen, sich zusammenzutun und gemeinsam einen Elektrozaun zu besorgen. Vergrämungsversuche seien auch möglich. In Mühlrose habe das überwiegend geklappt. Hanspach verweist auf Duftmittel wie Hukinol. Das stinke enorm, aber damit getränkte Lappen an die Zäune gehangen, könnten helfen. Was absolut nicht möglich sei, seien Jagdaktivitäten im Ort. Und wenn die Wildschweine in die Vorgärten eindringen, sei die Gemeindeverwaltung gefordert. Dort hieß es, man wolle mit dem Jagdpächter Lösungen suchen.