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| 17:42 Uhr

Vorweihnachtszeit
Der Adventskalender lebt

Mit diesem Kranz ist das Türchen der Kita für den 13. geschmückt.
Mit diesem Kranz ist das Türchen der Kita für den 13. geschmückt. FOTO: Regina Weiß / LR
Daubitz. In Daubitz wird seit einigen Jahren in der Vorweihnachtszeit der Zusammenhalt in besonderer Form gestaltet. Von Regina Weiß

Der Wind meint es an diesem Abend im Dezember etwas zu gut. Mit ordentlich Geschwindigkeit fegt er um die Ecken in Daubitz. Der Herrnhuter Stern am Eingang zur evangelischen Kita bekommt ein ums andere Mal einen ordentlichen Schubser.

Aber davon lassen sich die Erzieherinnen um Chefin Elfrun Walter überhaupt nicht aus dem Konzept bringen. Sie bauen weiter vor ihrer Kita auf, zünden Kerzen an, tragen Becher nach draußen. In der Küche der Kita wird im Topf gerührt. Die Nase bekommt mit, hier wird Glühwein vorbereitet. Derweil trudeln immer mehr Kinder in der Kita samt Eltern ein. Sie wollen dabei sein, wenn sich das nächste Türchen im Adventskalender öffnet.

Die Tür der Kita Daubitz öffnet sich für den lebendigen Adventskalender. Er wird 2017 in der Vorweihnachtszeit wieder durchgeführt. „Zum vierten Mal vollständig“, wie Yvonne Walter, Mitglied im Gemeindekirchenrat, der RUNDSCHAU berichtet. Soll heißen, es hat schon mehr Vorläufer gegeben. Doch bei denen musste Familie Walter manchen Vorweihnachtsabend mehrfach besetzen. Jetzt ist ihr Tag der 23. Dezember. „Den krieg ich einfach nicht los“, lacht die Daubitzerin herzhaft.

Sie hatte die Idee zum lebendigen Adventskalender, weil sie gehört hatte, dass es anderswo funktioniert hat. „Ich fand es cool“, erinnert sie sich. Mittlerweile funktioniert dieser lebendige Adventskalender auch in Daubitz bestens. „Es gibt Stammkunden für die Türchen“, berichtet  die Daubitzerin. Andere wiederum sind richtig froh, wenn sie das erste Mal angesprochen werden, wie in diesem Jahr Sieglinde Wünsche aus Neuhammer. Sie hatte sich das Thema Apfel auserkoren. „Lecker“, lautet der kurze Kommentar von Yvonne Walter über diesen Abend. Wobei Essen und Trinken nun wahrlich nicht im Mittelpunkt stehen sollten. Ein warmes Getränk und Plätzchen reichen den meisten.

Ansonsten stehen das Innehalten, das Zur-Ruhe-Kommen, die Gemeinschaft, das Zusammensein ganz deutlich im Mittelpunkt dieser Abende in Daubitz. „Die Vorweihnachtszeit ist so hektisch“, erklärt Yvonne Walter den Ursprungsgedanken. Letztlich gehe es darum, adventliche Stimmung aufkommen zu lassen, ein bisschen abzubremsen und auch daran zu erinnern, warum das Weihnachtsfest gefeiert wird. Deshalb ist das Vaterunser ein fester Bestandteil jedes Türchens. Es wird in evangelischen, freikirchlichen, katholischen oder konfessionslosen Haushalten gesprochen.

Gemeinsam wird auch gesungen: Kirchen- und Weihnachtslieder. Dabei hat sich herausgestellt, dass Hausmusik in vielen Familien von Daubitz ein fester Bestandteil ist. Das hat selbst Yvonne­ Walter überrascht. So bereichern ganz oft Melodien vom Klavier, der Querflöte, der Posaune und der Gitarre die gemütlichen Runden, die durchaus auch in Wohnzimmern stattfinden. Dann wird es dort kuschelig, weil bis auf den Fußboden alle Sitzplätze vergeben sind.

Kuschelig ist es leider an diesem 13. Dezember vor der Kita in Daubitz nun nicht wirklich. Hier helfen nur warme Gedanken und die Hoffnung auf ein heißes Getränk. Zehn Minuten vor 18 Uhr, bevor sich also das Türchen öffnet, beginnt die kleine Glocke in der St. Georgskirche zu schlagen. Zehn Minuten erinnert sie all jene, sich nun auf den Weg zu machen. Bald stehen um die 40 Personen vor der Kitatür. Diese öffnet sich mit einem Lied. Kinder decken mit grünen Zweigen den Tisch. Singen, tragen ein Gedicht vor und tanzen mit Kerzen in der Hand. Derweil schlüpft Dora Szonn in die Rolle der heiligen Lucia. Im weißen Kleid und mit einem Lichterkranz auf dem Kopf verteilt das Mädchen Plätzchen. Ein jeder greift gern zu.

„Ich freue mich hier, heute dabei zu sein“, sagt Erzieherin Caroline Schröter. Sie findet es vor allem bemerkenswert, dass ein solch kleines Dorf diese Geschichte auf die Beine stellt. Auch Regine Nicko ist angetan vom lebendigen Adventskalender. „Es ist eine gute Gelegenheit, das Wort Gottes weiterzugeben“, sagt die Daubitzerin. Sie findet aber genauso toll, dass so die Gelegenheit ist, neue Bewohner im Dorf kennenzulernen.

Auch wenn die Termine in Eigenregie der jeweiligen Gastgeber stattfinden – der Adventskalender bleibt nicht ohne Organisationsaufwand. Rund 400 Flyer bereitet Yvonne­ Walter vor. „Meine vier Kinder sind jetzt  groß genug, dass sie bei der Verteilung helfen können.“ So werden die Flyer in jeden Briefkasten gebracht, außerdem in der Schule und im Krankenhaus ausgehangen, falls jemand von auswärts kommen möchte. Im November wissen jedenfalls alle Bescheid, wer wann mitmacht. Auch Walddorf, Heidehäuser und selbst Teicha dürfen beim Kalender nicht fehlen. „Ich finde jedenfalls, wir haben uns gut entwickelt“, so Yvonne Walter.

Der Tisch wird mit Zweigen gedeckt, gemeinsam wird dann vor der Kita in Daubitz gesungen.
Der Tisch wird mit Zweigen gedeckt, gemeinsam wird dann vor der Kita in Daubitz gesungen. FOTO: Regina Weiß / LR