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| 17:24 Uhr

Muskauer Park
Am Erbe des Prinzen aus Muskau wird gebaut

Das Badehaus im Badepark nimmt langsam Gestalt an. Nachdem Mitarbeiter Alexander Kroner von der Tischlerei Rothe-Püschner aus Görlitz im Mitteltrakt sieben neue Fenster eingesetzt hat, werden jetzt nach alten Unterlagen auch die Außentüren erneuert. Alexander Kroner vervollkommnet die Tür mit einer Verzierung.
Das Badehaus im Badepark nimmt langsam Gestalt an. Nachdem Mitarbeiter Alexander Kroner von der Tischlerei Rothe-Püschner aus Görlitz im Mitteltrakt sieben neue Fenster eingesetzt hat, werden jetzt nach alten Unterlagen auch die Außentüren erneuert. Alexander Kroner vervollkommnet die Tür mit einer Verzierung. FOTO: Joachim Rehle
Bad Muskau. Die Ausstellung „Als Muskau königlich war“ beginnt am Donnerstagabend mit einem großen Wow-Effekt. Von Regina Weiß

Donnerstagabend gibt es im Neuen Schloss in Bad Muskau Gänsehaut pur. Das liegt nicht etwa an der Klimaanlage in den Räumen der Sonderausstellung, sondern an den Aquarellen von Architektur- und Landschaftsmaler Carl Graeb. Die 25 Bilder vom Muskauer Park und der Standesherrschaft, die nach 1855 entstanden sind, ziehen alle Besucher in ihren Bann. Für Grundschulleiterin Bärbel Aulich sind sie sensationell.

 Werner Holzhausen vom Historica-Verein ist besonders von den Bildern aus den damaligen Wirtschaftsbetrieben fasziniert. So gibt Graeb auch einen Einblick in ein Alaun-Werk. „So etwas habe ich noch nie gesehen“, ist Holzhausen hin und weg. „Schöner als jede Fotografie“, lobt Joachim Klenner. Und einer kommt die ganze Zeit nicht aus dem Strahlen heraus: Christoph Haase hatte im Auftrag der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau mit den Arbeiten an der Ausstellung „Als Muskau königlich war – Prinz Friedrich der Niederlande und der Aufstieg Muskaus zu einer Residenz von europäischem Rang“ begonnen. Mittlerweile ist der studierte Gartendenkmalpfleger zur Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz gewechselt und dort als stellvertretender Parkleiter tätig. Und bei seinen Recherchen kam er auch den Aquarellen auf die Spur. „Das hat mir sogar schlaflose Nächte bereitet“, lässt er die RUNDSCHAU wissen. Als klar war, dass die Bilder – keiner wusste, ob es sie noch gibt oder ob sie nicht möglicherweise in den Wirren des Krieges verschwunden sind – tatsächlich im Original und in einer Anzahl von 74 Stück vorhanden waren, war Christoph Haase sprachlos. „Ich habe zu Herrn Panning gesagt, kneifen sie mich mal“, schildert er und muss heute darüber herzhaft lachen.

Der privaten Leihgabe ist es nun zu verdanken, dass nicht nur Haase und Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, von den „detailreichen und sensationellen Bilder“ schwärmen können, sondern die Bad Muskauer und ihre Gäste.

Zwar hat sich Graeb auch als Maler anderer Parkanlagen in Potsdam und Babelsberg einen Namen gemacht, doch der Muskauer Auftrag, den er für Prinz Friedrich der Niederlande erfüllt, ist schon etwas Besonderes und Einmaliges. Das bestätigt Professor Marcus Köhler von der Technischen Universität Dresden. „Es ist exzeptionell, so ungewöhnlich“, lobt der Fachmann.

Prinz Friedrich der Niederlande hat neben den tollen Bildern in Park und Umgebung sehr viel hinterlassen. „Es ist Zeit, ihn wieder zu entdecken und ihn wertzuschätzen“, findet Cord Panning. Der Prinz habe für Park und Gebäude ein goldenes Zeitalter eingeläutet und die Bedeutung von Park und Schloss auf eine andere Ebene gehoben. „Und wir arbeiten ja gerade an seinem Erbe“, sagt Panning. So ist über das deutsch-polnische Interreg-Progamm nicht nur die Ausstellung gefördert worden, sondern auch der zweite Bauabschnitt des Badehauses im Badepark. Dort ist die Fertigstellung in Sicht. Und an der Brauerei in Bad Muskau tanzen die Bagger. Hier läuft der Abriss sehr zügig voran. Am Freitagvormittag war nur noch ein „hohler Zahn“ vom einstigen Limosta-Gebäude zu sehen. Anfang der 60er-Jahre war das Gebäude für das Abfüllen von Fruchtsäften entstanden. Es gehört nicht zum historischen Bestand von Brauerei und Niederländischem Hof und muss deshalb weichen.

Aber zurück zur Ausstellung: Die bleibt längst nicht auf Muskau beschränkt. Durch das das sehr komplexe Familiengeflecht rückte so manches Königshaus in den Fokus. Die Verbindungen reichen von Den Haag bis St. Petersburg. Eine besondere Reiseroute, auf die sich die Besucher machen sollten, lädt Kuratorin Katrin Schulze ein.

Alexis Prinz von Hessen hat dazu eine ganz persönliche Beziehung. Seine Großmutter wurde vor 105 Jahren im Schloss Kamenz – heute Kamieniec Zabkowicki in Niederschlesien – geboren. Das Schloss gilt als das letzte Werk von Karl Friedrich Schinkel. Schlossherrin war Prinzessin Marianne von Preußen, die Schwester des Prinzen der Niederlande. „Oft hat meine Großmutter gesagt, in Kamenz wurde das aber so gemacht“, erinnert sich der studierte Kunsthistoriker. Gern habe er die Ausstellung in Bad Muskau mit Leihgaben bereichert. Einiges konnte vor der Zerstörung gerettet werden. Allerdings sind auch 20 Waggons mit Interieur aus dem Schloss seit dem Krieg für immer verschwunden. Jetzt werde das Schloss durch die Gemeinde Stück für Stück saniert. Eine Mammutaufgabe.

Übrigens haben das Schinkel-Schloss und das Neue Schloss in Bad Muskau neben den familiären Banden noch eine weitere Gemeinsamkeit: Auch Kamenz sollte gesprengt werden. „Bürger haben das verhindert“, erzählt Alexis von Hessen.

Die Ausstellung ist bis zum 31.Oktober täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Danach gibt es bis Jahresende Sonderöffnungszeiten.

Ruckzuck geht der Abriss der Limosta vonstatten. Die Brauerei (neben dem Niederländischen Hof) ist mittlerweile eingerüstet.
Ruckzuck geht der Abriss der Limosta vonstatten. Die Brauerei (neben dem Niederländischen Hof) ist mittlerweile eingerüstet. FOTO: Regina Weiß
So sah der Niedeländische Hof einst aus. Das Bild zeigt die Ansicht vom Park aus. Auch dies ist ein Werk von des Landschaftsmalers Carl Graeb.
So sah der Niedeländische Hof einst aus. Das Bild zeigt die Ansicht vom Park aus. Auch dies ist ein Werk von des Landschaftsmalers Carl Graeb. FOTO: Regina Weiß
Alexis Prinz zu Hessen (l.) war bei der Ausstellungseröffnung ein gefragter Gesprächspartner. Vor allem sein Wissen zum Schloss Kamenz war gefragt.
Alexis Prinz zu Hessen (l.) war bei der Ausstellungseröffnung ein gefragter Gesprächspartner. Vor allem sein Wissen zum Schloss Kamenz war gefragt. FOTO: Regina Weiß