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| 17:04 Uhr

Muskauer Park
In Bad Muskau startet Nil-Schiff-Fahrt

Eine Eintrittskarte in Form eines Passierscheins. Das stellen sich die Ausstellungsmacher von der Firma Kocmoc.net gmbH Leipzig vor.
Eine Eintrittskarte in Form eines Passierscheins. Das stellen sich die Ausstellungsmacher von der Firma Kocmoc.net gmbH Leipzig vor. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Teilnehmer der Orienttagung der Parkstiftungen Branitz und Bad Muskau bekommen das Ausstellungskonzept für die Villa Pückler vorgestellt. Von Regina Weiß

Es sind fünf Grad Celsius in der Sonne. Da braucht es an diesem Nachmittag in Bad Muskau schon viel Vorstellungsvermögen, um sich mal kurz in den Orient zu versetzen. Hilfestellungen geben Worte und grafische Darstellungen. Dafür sind Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau, Ethnologin Kerstin Volker-Saad und Alexander Fleischmann von der Leipziger Ausstellungsagentur Kocmoc zuständig. Im Rahmen der Tagung „Fürst Pücklers Orient zwischen Realität und Fiktion“, die die Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz in Kooperation mit den Bad Muskauern organisiert, wird erstmals öffentlich das Grobkonzept der künftigen Dauerausstellung im Badepark vorgestellt. „Machbuba und die Orientreise des Fürsten Pückler-Muskau 1834-1840“ – so der bisherige Arbeitstitel der Schau – soll ab 2022 in der Villa Pückler gezeigt werden.

Nicht nur wegen der Temperaturen ist übrigens Fantasie gefragt, auch was das Gebäude betrifft. Die Villa ist zwar gesichert, hat Dach und Fenster bekommen und einige Mauern im Innern verloren. Denn die Raumstruktur des ehemaligen Logierhaus war sehr kleinteilig angelegt. Die Villa allein wird aber nicht reichen, um die Reise-Geschichte(n) des fürstlichen Touristen zu erzählen. Deshalb soll dort, wo gerade ein ehemaliges Wohnhaus abgerissen wird, ein Anbau entstehen. Ein orientalisch mediterraner Garten soll das Bindeglied werden. „Wir haben den Ehrgeiz, hier Palmen aufzustellen. Bei dem Klimawandel werden wir sie auch gut über den Lausitzer Winter bekommen“, blickt Cord Panning schon mal voraus.

In der Ausstellung selber kann der Gast die sechsjährige Reise des Fürsten anhand von 14 Szenerien nachvollziehen. Dabei haben sich die Ausstellungsmacher manch Sehenswertes einfallen lassen. Sprechende Porträts sind Filmenthusiasten aus den Harry-Potter-Verfilmungen bekannt, in Bad Muskau wird es so etwas künftig auch geben. Joladur – der Diener, den sich Pückler aus dem Sudan mitgebracht hat – wird die Besucher einstimmen. Die erwerben mit dem Ticket ihren Passagierschein. Klar, müssen sie doch mehrere Ländergrenzen überwinden. So gelangen sie auch an den Hof von Mehmet Ali (damaliger Vizekönig im Land am Nil), nehmen auf einem Segelboot Platz und unternehmen eine Nil-Fahrt. Dabei greifen die Ausstellungsmacher auf alte Ansichten von David Roberts (1796-1864) zurück. Daraus haben sie einen Film gemacht. So hat der Besucher das Gefühl, die Landschaft am Nil vor mehr als 180 Jahren zieht an ihm vorbei.

Da, wo jetzt noch das Wohnhaus steht, soll ein neuer Anbau an die Pückler-Villa entstehen, um der Ausstellung die notwendige Fläche geben zu können.
Da, wo jetzt noch das Wohnhaus steht, soll ein neuer Anbau an die Pückler-Villa entstehen, um der Ausstellung die notwendige Fläche geben zu können. FOTO: Regina Weiß

Auch wenn Pückler 17 Kisten an Andenken und Geschenken aus dem Orient mit nach Hause genommen hat, ist die Krux, dass im heutigen Bad Muskau keines dieser Originale vorhanden ist. Sie sind entweder in Branitz, wurden verschenkt – wie das Beispiel eines Kreuzes aus Bethlehem zeigt, das Pückler Kaiserin Augusta vermachte – oder sind verschwunden. Zurückgreifen können die Ausstellungsmacher dagegen auf die umfangreichen Niederschriften des Fürsten selbst. „Doch wir wissen, wie Pückler war. Dazu braucht es unbedingt ein Korrektiv“, erklärt Kerstin Volker-Saad. Deshalb wurden und werden weitere Quellen abgeklopft.

Viel zu finden gibt es in den Zeitungen der damaligen Zeit. Wie über einen Star sei über den Reisenden Pückler berichtet worden. In 45 Zeitungen kommt er auf rund 700 Beiträge, finden die Ausstellungsmacher schon erstaunlich. Wobei klar ist, dass weiter geforscht werden muss. Auch was Machbuba – das junge Mädchen, das Pückler in Karthum kaufte –, betrifft. Sie soll und darf in der Ausstellung nicht fehlen. „Sie bekommt ihre Biografie, so weit es die Quellen zulassen“, so Volker-Saad.

Das Foto von Kerstin Volker-Saad zeigt, wo sich Pückler mit einem Graffito selbst verewigt hat. Es zeigt ein Bauwerk in Mussawarat im Sudan.
Das Foto von Kerstin Volker-Saad zeigt, wo sich Pückler mit einem Graffito selbst verewigt hat. Es zeigt ein Bauwerk in Mussawarat im Sudan. FOTO: Regina Weiß