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| 02:39 Uhr

Immer weniger Kinder mit gleichen Chancen

Görlitz. Jeder sechste Sachse ist von Armut bedroht. Das schätzen Wissenschaftler des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung in Berlin in einem aktuellen Bericht. red/br

Die Schwelle zum Armutsrisiko liegt demnach für einen Einpersonenhaushalt bei 1050 Euro. Auf Bitte des Sozialverbandes VdK, Ortsverband Löbau/Zittau, hat der Zittauer Kreisrat der Linken, Jens Hentschel-Thöricht, nachgefragt, wie sich die Zahl der Kinder und jungen Erwachsenen in Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Görlitz entwickelt hat. "Die Zahlen sind erschreckend", hat er erfahren. Die Zahl der Kinder im Alter bis 14 Jahren, die in Bedarfsgemeinschaften leben, ist im Vergleich zum Februar 2016 um 1,71 Prozent auf 5700 angestiegen.

Ein Rückgang ist bei jungen Erwachsenen im Alter zwischen 15 und 18 Jahren zu verzeichnen. Ihre Zahl sank um 3,37 Prozent auf 890 Personen (Februar 2016: 921). Um 17,31 Prozent stieg die Zahl der jungen Erwachsenen zwischen 18 bis 21 Jahren in Bedarfsgemeinschaften. Im Februar dieses Jahres waren 698 Personen registriert. Ein Jahr zuvor 595 Menschen.

Der Ortsvorsitzende des VdK Löbau-Zittau, Winfried Bruns zur Situation vor Ort und den vorgelegten Zahlen: "Bei Kindern geht soziale Armut mit finanzieller Schlechterstellung einher. Kinder armer Eltern haben nicht mehr die gleichen Chancen wie andere Kinder. Dies ist eine Form der sozialen Spaltung unserer Gesellschaft, auch im Landkreis Görlitz. Der Landkreis muss jetzt schon immer mehr Geld in die Jugendhilfe für den desorientierten Nachwuchs fließen lassen. Leider auch, weil gerade die CDU nicht erkannt hat, dass Geld in der Prävention sinnvoller ist, als im Nachhinein für Schadensbegrenzung zu bezahlen. Mit unserer aktuellen Kampagne, die soziale Spaltung zu stoppen, wollen wir die Politiker wachrütteln. Die Kampagne ist für uns ein maßgeblicher Schritt, auf die immer noch bestehenden Ungerechtigkeiten in Deutschland hinzuweisen. Die Politik muss sich den Gegebenheiten stellen. Alle Kinder müssen eine reelle Chance haben. Deswegen fordern wir eine Entbürokratisierung der Anträge aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Ziel unsere Kampagne ist es, dass die Parteien vor dem Bundeswahlkampf unsere Forderungen nicht nur in ihre Wahlprogramme aufnehmen, sondern auch umsetzen.

Jens Hentschel-Thöricht ergänzt: Der parteiunabhängige Sozialverband vertritt die Interessen von Menschen mit Behinderungen, Rentnern, chronisch Kranken sowie sozial Benachteiligten.