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Im Titel des globalen Geoparks steckt viel Arbeit

Die "Geopark-Verrückten" der ersten Stunde: Manfred Kupetz (links) und Jacek Kozma.
Die "Geopark-Verrückten" der ersten Stunde: Manfred Kupetz (links) und Jacek Kozma. FOTO: Regina Weiß
Bad Muskau. Das Daumendrücken für den Geopark Muskauer Faltenbogen hat sich gelohnt. Dazu waren die Teilnehmer der Saisoneröffnung 2015 aufgefordert worden. Ein Jahr später – beim Saisonstart 2016 in Bad Muskau – hat sich der Erfolg eingestellt: Das geologische Erbe trägt das Label der Unesco. Regina Weiß

Ende Mai wird im Muskauer Park immer gefeiert. Anlass ist die Erinnerung an die Übergabe der Unesco-Urkunde. Die grenzüberschreitende Park-Anlage war 2004 in Suzhou (China) in die Welterbeliste aufgenommen worden und der offizielle Akt dazu hatte im Mai 2005 an der Neiße stattgefunden. Seitdem kommen Polen und Deutsche bei künstlerischen und lukullischen Genüssen zusammen. In diesem Jahr ist es am 28. Mai wieder soweit. "Ein idealer Termin, um den Titel zu überreichen", sagt Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau. Nicht etwa noch einen an die Bewahrer Pücklerscher Schöpfung. Die Rede ist vom Global Geopark Muskauer Faltenbogen. Dieser kann sich nun auch über den offiziellen Unesco-Status erfreuen. Die Urkunden gibt's im Mai.

"In dem Titel steckt viel Arbeit", lobt Cord Panning. Wohl wissend, habe man damals doch ebenso geackert. Panning weiß aber auch, welche Chancen sich mit dem weltweiten Label verbinden. "Es ist Goldwert im Gerangel um staatliche Zuwendungen", erklärt er während der Saisoneröffnung am Freitag im Muskauer Marstall. Zudem sei der Status für die touristische Vermarktung von Vorteil. "Vor dem Titel hat uns keiner so richtig für voll genommen. Nach dem Titel kam kein Reiseanbieter an dem Park vorbei." Übertragen auf den Muskauer Faltenbogen sieht Cord Panning große Potenziale, unterstreicht aber auch, dass das Ganze kein Selbstläufer sei. Wichtig sei aus seiner Sicht die Schaffung von Stellen, wo der Gast auf den ersten Blick sieht, dass es sich hier um ein besonderes geologisches Phänomen handelt.

So ähnlich sieht das auch Mariusz Czuba, Vizedirektor des Nationalen Instituts für das kulturelle Erbe der Republik Polen, als er den Geopark beglückwünscht. Der Titel bedeute eine weltweite Förderung im Sinne von Promotion. Es bedeute aber auch, sich der Pflege der Anlagen mit besonderer Sorgfalt und in bester Qualität zu widmen.

Das Geopark-Team um Fördervereinschef Manfred Kupetz und Geschäftsstellenleiterin Nancy Sauer sowie ihre polnischen Partner wissen wohl, dass nach dem Berg Arbeit ein weiterer ansteht. Wichtigste Maßgabe, die bis 2018 zu erfüllen ist, ist die Gründung einer grenzübergreifenden Trägerorganisation (Polen, Sachsen, Brandenburg) für den Faltenbogen. Partner ist dabei die Energieregion Lausitz/Spreewald.

Ein weiteres Feld ist das Erarbeiten von touristischen Angeboten, die auf dem internationalen Markt offeriert werden können. Projektpartner ist in dem Fall die Stadt Weißwasser. Ziel sei es, den Geopark noch mehr bei Besuchern bekannt zu machen. So soll in der Zukunft erreicht werden, dass die Gästezahlen steigen. Im Jahr 2015 konnten insgesamt 33 500 Gäste begrüßt werden, weiß Nancy Sauer. Allein 17 000 entfallen dabei auf den 2102 eingeweihten Rundweg in der Babina (Leknica).

"Wenn der Pückler-Park eine Rose ist, dann ist der Geopark ein Gänseblümchen", arbeitet Manfred Kupetz mit einem Vergleich, der ausdrückt, was alles noch geleistet werden muss. "Wir haben einen großen Rucksack aufbekommen", so Kupetz weiter. Vor allem die vierjährliche Evaluierung der Geoparke sei eine große Herausforderung.

Mit der im vergangenen Jahr erfolgreichen Titel-Verteidigung im europäischen Netzwerk habe man einen wichtigen Zwischenschritt in Richtung Unesco-Titel erreicht. Am 17. November entschied dann die Generalkonferenz in Paris per Beschluss der Mitgliedsstaaten über diesen. "Wir sind schon ein klein bisschen Stolz", sagt Manfred Kupetz. Dass auch deshalb, weil sich die Organisation der Geoparks von der Basis her entwickelt habe. Mittlerweile gibt es 120 weltweit.

Zum Thema:
Erstmals wird es in diesem Jahr ein Benefizkonzert geben - und zwar am 19. Juni am Felixturm in Bohsdorf.Gut etabliert hat sich das Angebot für die Geostrolche. Die Kinder treffen sich zweimal im Monat in der Geschäftsstelle in Döbern.Jugendliche zwischen 15 und 16 Jahre sollten sich beim Internationalen Geopark-Camp angesprochen fühlen, das vom 13. bis 20. August stattfindet. Das internationale Camp steht unter dem Motto "Handwerk trifft Geologie". Die Jugendlichen können sich beim Töpfern, Glasschleifen, Korbflechten und Schmieden selbst ausprobieren. Anmeldungen sind möglich unter Telefon 035600 368712, dienstags und donnerstags unter Telefon 03576 201057. Ein weiterer Schritt im Rahmen der Zusammenarbeit im Rahmen der Muskauer Landschaftskonvention ist ein Projekt, das sich der Muskauer Kulturlandschaft widmet. Wie Sophie Geißler von der Stiftung Fürst-Pückler-Park Bad Muskau berichtete, haben Pückler und seine Nachfolger mit ihrer Arbeit nicht an den Grenzen des Muskauer Parks Halt gemacht. Als ein erster Schritt gehe es darum, die Besonderheiten der Region zu inventarisieren. Ergebnis des dreijährigen Projektes soll eine Planungsgrundlage sein, die die Region trotz Grenzen als zusammenhängende Landschaft betrachtet.