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Im Stockdustern Mann angefahren

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Weißwasser. Auf der Rothenburger Straße in Rietschen ist es am 2. Januar 2015 zu einer folgenschweren Kollision gekommen: Martina K. Christian Köhler

* soll mit einem Pkw einen Mann angefahren haben, der sich in den frühen Abendstunden am Straßenrand aufhielt. Die Staatsanwaltschaft Görlitz hielt es für geboten, gegen die heute 29-Jährige ein Verfahren zu eröffnen. Schließlich einigte sich Verteidigerin Doreen Lohnardt mit der Staatsanwaltschaft darauf, das Verfahren gegen eine Geldauflage von 200 Euro für eine gemeinnützige Einrichtung einzustellen. Das hatte Amtsrichter Ralph Rehm angeregt.

"Wir sind unterwegs zum Einkaufen gewesen", gab die Angeklagte bei Gericht an. Plötzlich und völlig unvermittelt habe es einen Knall am Auto gegeben. Etwa 50 Meter weiter habe sie ihr Auto zum Stehen gebracht. Nach dem Aussteigen entdeckte sie mit ihrem Beifahrer eine Person am Straßenrand, die offenbar von ihr angefahren worden war. "Es war stockduster und ich habe niemanden gesehen", sagt sie. Das bestätigt auch der Beifahrer, der ebenfalls niemanden am Straßenrand wahrgenommen hatte.

Der zuständige Staatsanwalt erkundigte sich in diesem Zusammenhang, ob denn Martina K. möglicherweise mit ihrem Handy beschäftigt gewesen sei. "Nein", so der Beifahrer, der als Zeuge aussagte. "Sie ist vorschriftsmäßig gefahren."

Der Polizeibeamte, der den Unfall aufgenommen hatte, erklärte, dass der Wagen die Person mit der Beifahrerseite getroffen haben musste. "Der Außenspiegel war abgerissen und die Frontscheibe beschädigt", erklärte er im Gerichtssaal. Der zweite Beamte, der ebenfalls im Gericht eine Aussage machte, berichtete, die angefahrene Person zu kennen. "Der schleudernde Gang von dem Umfallopfer ist im Ort bekannt gewesen." Häufig hätten Einheimische bremsen müssen, wenn sie der Person begegneten, die inzwischen eines natürlichen Todes gestorben sei. Eine Anzeige gegen Martina K. hatte es nicht gegeben.

"Es war ein Unfall", so die Verteidigerin. Ihre Mandantin habe den Fußgänger schlicht nicht sehen können, da er - wie die Polizeibeamten bestätigten - dunkel gekleidet gewesen und vermutlich mit dem Rücken zum Auto auf der Straße gelaufen war. Schließlich willigte der Staatsanwalt ein, gegen eine Geldauflage von 200 Euro das Verfahren einzustellen. * Name geändert

Zum Thema:
Beim Paragraf 153 der Strafprozessordnung (STPO) wird von der strafrechtlichen Verfolgung einer Tat mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft abgesehen, wenn die Schuld des Täters als gering anzusehen ist. Beim Paragraf 153a ist das Absehen von der Strafverfolgung jedoch nur unter Auflagen oder Weisungen möglich. Die Einstellung eines Verfahrens aufgrund dieser Paragrafen ist kein Schuldeingeständnis.