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Im Schritt-Tempo nach Polen

Das Messgerät, das Gotthard Gaertner vor der Grenzbrücke in Bad Muskau aufgestellt hat, hat gut zu tun.
Das Messgerät, das Gotthard Gaertner vor der Grenzbrücke in Bad Muskau aufgestellt hat, hat gut zu tun. FOTO: Joachim Rehle
Bad Muskau. Mal eben billig tanken nach Polen – einigen Autofahrern dürfte diese Tour teurer gekommen sein als gedacht. Am Grenzvorplatz in Bad Muskau wird geblitzt. Regina Weiß

Mittwoch geht manchem Autofahrer auf dem Grenzvorplatz ein Licht auf. Wahrscheinlich schon in Gedanken bei den Tankpreisen in Polen, wird aufs Gaspedal gedrückt. Dann kommt die "Erleuchtung". Doch leider zu spät! Dafür sorgt das mobile Messgerät, das Gotthard Gaertner von der Landkreisverwaltung aufgestellt hat. Die Arbeit lohnt sich an diesem Tag. Denn der Blitzer hat schon ordentlich zu tun. Mit der Umgestaltung des Platzes vor der Brücke hat dieser auch eine neue Beschilderung bekommen. Er ist verkehrsberuhigter Bereich geworden. Das sogenannte Spielstraßenschild und die damit verbundene Geschwindigkeitsbegrenzung scheinen aber viele zu ignorieren. Dabei geht es auch mit dem Auto nur in Schrittgeschwindigkeit nach Polen. Laut Landkreisverwaltung hat deren Ordnungsamt im Dezember und Januar an sechs Tagen Geschwindigkeitskontrollen in Fahrtrichtung Grenzübergang durchgeführt. In diesen Zeiten sind 1520 Durchfahrten erfasst worden. 632 Fahrzeuge haben die erlaubte Geschwindigkeit überschritten. Das Fazit aus Sicht des Kreises lautet: 48 Bußgeldverfahren - darunter ein Fahrverbot für gemessene 44 km/h - und 584 Verwarngeldverfahren. Von den erfassten Fahrzeugen waren 55 Prozent in der Bundesrepublik zugelassen. Ordnungswidrigkeiten von polnischen und tschechischen Verkehrsteilnehmern werden aber ebenso verfolgt. Die Halterermittlung erfolgt seit geraumer Zeit problemlos, teilt das Landratsamt mit.

"Die ermittelten Ergebnisse sind vergleichbar mit anderen Messstandorten im Landkreis", heißt es auf RUNDSCHAU-Anfrage. Zu beobachten sei jedoch, dass die Anzahl der Ordnungswidrigkeiten von Messung zu Messung abnehme. Damit werde der Sinn der Kontrollen erreicht.

Dass fleißige Kontrollen vonnöten sein würden, um die Autofahrer an die neuen Regelungen zu "gewöhnen", war schon vor Monaten im Stadtrat von Bad Muskau geunkt worden. Dort hatte Bürgermeister Andreas Bänder (CDU) angekündigt, mit seinem polnischen Kollegen Piotr Kuliniak im Gespräch zu sein, damit auch von polnischer Seite eine Verkehrsberuhigung samt Schild erfolge. So soll auch die Brücke zum verkehrsberuhigten Bereich werden. Doch auch auf polnischer Seite kann das die Stadt nicht allein entscheiden. Man sei dran, hieß es.

Derweilen überlegt Bad Muskau, die innerstädtische Tempo-30-Zone zu verlängern und bis an den Eingang Badepark fortzuführen. Zum einen, weil der Badepark künftig eine größere Rolle bei Besuchern spielen wird, zum anderen, um die Verkehrsteilnehmer zu langsamerem Fahren schon vorm Einbiegen auf den Grenzvorplatz zu zwingen.