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Im Park wird an Konzepten gebaut

Am Konzept für das Kavalierhaus im Muskauer Park wird derzeit intensiv gearbeitet.
Am Konzept für das Kavalierhaus im Muskauer Park wird derzeit intensiv gearbeitet. FOTO: R. Weiss
Bad Muskau. Von einer Winterruhe kann im Muskauer Park nicht wirklich die Rede sein. Dafür sorgen nicht nur die vielen Parkbesucher, die die schöne Winterlandschaft bei Spaziergängen oder Rodeltouren genießen. Regina Weiß

Jetzt ist außerdem die Zeit, wo man die Natur einstutzen darf. Das heißt, auch für die Landschaftsgärtner gibt es einiges zu tun. Und dann wird natürlich gebaut. Das Baugerüst der Pückler-Villa ist ein sichtbares Zeichen. Im Gebäude laufen derzeit Abrissarbeiten. So muss der alte Fußboden weichen.

"2017 ist ein Transformationsjahr. 2018 werden wir dann mit den Ergebnissen aufwarten", formuliert es Cord Panning, Geschäftsführer der Stiftung Fürst-Pückler-Park, im Gespräch mit der RUNDSCHAU. Der Wandel ist im Badepark schon greifbar.

Gebaut wird auch im übertragenen Sinne - an Konzepten. Fakt ist, die Pückler-Villa soll den Besucher künftig "verleiten", auf Orientreise zu gehen und dabei den Spuren Pücklers zu folgen. Mit im Boot sind wieder die Ausstellungsmacher von Kocmoc, mit denen die Stiftung schon die Pückler-Dauerausstellung im Neuen Schloss zu einem Hingucker gemacht hat. Durch den Besuch von Prinz Asfa-Wossen Asserate, dessen Vaterland Äthiopien ist, bestärkt, wolle man das Schicksal Machbubas im Rahmen der Ausstellung noch mehr in den Fokus rücken.

Das stetige Ringen um den gut und interessant aufbereiteten Inhalt geht einher mit dem Ringen um die räumliche Struktur. Und da setzt die Pückler-Villa und mit ihr die Denkmalpflege den Rahmen. Cord Panning spricht von einer teilweise sehr winzigen Raumstruktur. Sie soll in wesentlichen Abschnitten erhalten werden. Etwas mehr Weite soll das Ganze durch einen Anbau erfahren. Doch davor muss das Ausstellungskonzept bei der nächsten Sitzung des Stiftungsrates präsentiert werden. Nach derzeitigem Erkenntnisstand findet diese Mitte Mai statt. Nicht nur die Planung für die Pückler-Villa wird vorgestellt, auch ein möglichst tragfähiges Konzept für das Kavalierhaus soll dann zur Entscheidung anstehen.

Bisher war öffentlich nur zu vernehmen gewesen, dass das Haus im Sinne des Gemeinwohls und unter Berücksichtigung des Unesco-Geoparks Muskauer Faltenbogen entwickelt werden soll. Der Arbeitstitel für das Vorhaben lautet "Mini-Kopernik". Abgeleitet vom Wissenschaftszentrum Kopernikus in Warschau, wo auf sehr anschauliche Weise Wissen vermittelt wird. Im Mittelpunkt in Bad Muskau steht die Landschaft, der Faltenbogen, und das, was er im wahrsten Wortsinn zum Inhalt hat. "Für die Stiftung ist das absolutes Neuland. Es muss attraktiv aufbereitet sein, zum sinnlichen Erlebnis werden, es muss aber alles auch fachlich funktionieren", so Cord Panning. Deshalb hat er sich dafür ein Beraterteam an die Seite geholt. Dazu gehören "Geopark-Vater" Manfred Kupetz, weitere Geologen-Fachleute, die Ausstellungsmacher von Kocmoc, aber auch Philipp Oswalt - ein renommierter Architekt und ehemaliger Bauhaus-Chef. In mehreren großen und kleinen Runden habe man schon die Köpfe qualmen lassen.

Ziel soll sein, für den Besucher den Tertiärwald und die Eiszeit erlebbar zu machen. Mitten im subtropischen Klima unter Zypressen sozusagen soll der Gast den Gletscher kommen sehen, der hier einst die Landschaft geformt hat. Schritt für Schritt nähert sich der Besucher dem hier und jetzt und den Diskussionen um Klimawandel und Strukturumbrüche. Zu beidem gehen die Meinungen bekanntlich weit auseinander. "Deshalb wollen wir auf neutrale Weise Wissen vermitteln", so Panning. Wohl wissend, sich damit ein ambitioniertes Ziel zu setzen. Das trifft auch für die räumlichen Gegebenheiten zu. Die Hofsituation am Kavalierhaus (ehemaliges Moorbad) soll neu interpretiert werden. Klar ist, dass der Rahmen durch den vorhandenen Grünschutzgürtel gesetzt ist. Doch was sich aus dem Gelände machen lässt, könnte eine Aufgabe sein, die im Rahmen eines Architektenwettbewerbs lösbar sei. Doch bevor der ins Leben gerufen wird, bedarf es noch des Feinschliffs am Konzept und Überzeugungsarbeit im Stiftungsrat.