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Betriebskonzept beschlossen
Im Kulturforum nur jüdische Gottesdienste

Der Almemor (Raum für den Thoraschrein) – hier noch im unsanierten Zustand – bildet das religiöse Herzstück der Synagoge.
Der Almemor (Raum für den Thoraschrein) – hier noch im unsanierten Zustand – bildet das religiöse Herzstück der Synagoge. FOTO: ume1
Görlitz. Der Görlitzer Stadtrat hat das Betriebskonzept beschlossen. Es sieht eine ganzjährige Öffnung und vielfältige Veranstaltungen vor. Uwe Menschner / ume1

Bereits der Name ist neu. Die Stadt Görlitz verabschiedet sich von der in der Vergangenheit bevorzugten Bezeichnung "ehemalige Synagoge" und hat sich stattdessen für das "Kulturforum" entschieden. "Der Begriff ,ehemalig' stand für manchen für ein ungeklärtes stadtgesellschaftliches Verhältnis zu dem unsanierten Denkmal. Die mit der Gesamtsanierung eintretende Zäsur macht eine neue Benennung möglich und sinnvoll", heißt es in dem jetzt vom Stadtrat verabschiedeten Konzept.

Der Name "Kulturforum Görlitzer Synagoge" eigne sich aus mehreren Gründen besonders gut: "Er kommuniziert einen bedeutenden Ort der gesellschaftlichen Begegnung, des kulturellen Angebots und des Gesprächs. Er stellt die Stadt Görlitz deutlich in die Mitte und lässt klar erkennen, dass das heute säkulare Forum ursprünglich als Synagoge errichtet und genutzt wurde."

Eigentlich hatte der Stadtrat bereits im August über das Betriebskonzept entscheiden sollen. Damals war die Beschlussfassung jedoch mit Rücksicht auf eine geplante Tagung des Förderkreises Görlitzer Synagoge verschoben worden. Die Tagung hat jetzt stattgefunden und ihre Ergebnisse haben zum Teil Eingang in das Konzept gefunden.

"Religiöse Handlungen in den Räumlichkeiten der Synagoge sollen sich auf den jüdischen Glauben beschränken", nennt der für Kultur zuständige Bürgermeister Michael Wieler (Bürger für Görlitz e. V.) eine der in diesem Zuge neu aufgenommenen Prämissen. Der in der Ursprungsfassung enthaltene, auf den Teilbereich "Wochentagssynagoge" bezogene Halbsatz "soll für Menschen aller Glaubensrichtungen ein Ort des Gebets sein können" wurde komplett gestrichen. Hier - ebenso wie auch im Kuppelsaal, wenn die Kapazität der Wochentagssynagoge nicht ausreicht - sollen ausschließlich jüdische Gottesdienste ermöglicht werden. Die benötigten Gegenstände, insbesondere eine Thora-Rolle, will die jüdische Gemeinde Dresden anlassbezogen zur Verfügung stellen.

Zusätzlich in die Aufzählung möglicher Veranstaltungen wurden "temporäre Ausstellungen" aufgenommen - deren Fehlen war im Vorfeld vom Förderkreis kritisiert worden. Einen "Ausschlusskatalog" von Veranstaltungsformen, die nicht zulässig sind, enthält das Konzept nicht: "In der Vergangenheit gab es keine Anfragen, die die Frage nach der Angemessenheit einer Veranstaltung relevant werden ließen. Zudem wird es keinem Katalog möglich sein, alle denkbaren Veranstaltungen ausreichend genau zu beschreiben", so Michael Wieler. Klar sei jedoch, dass es keine Messen oder Verkaufsveranstaltungen im Kulturforum Synagoge geben werde.

Das Programm soll aus einem Netzwerk interessierter Veranstalter heraus entstehen. Ein eigenes Budget dafür will die Stadt Görlitz nicht zur Verfügung stellen. Als Betreiber des Kulturforums soll die Görlitzer Kulturservice GmbH, eine Tochtergesellschaft der Stadt, fungieren. Für die Absicherung einer täglichen Öffnungszeit von 10 bis 18 Uhr geht Wieler von einem Personalbedarf von fünf Teilzeitstellen aus, für die Förderungen beim Jobcenter beantragt werden sollen. Die Aufnahme des regulären Betriebs erfolgt nach Abschluss der Sanierung im Jahre 2019.