Von Regina Weiß

Wer das Rakotzensemble im Kromlauer Park fit machen will für die Zukunft, der muss die Zeit zurückdrehen. Zumindest muss er es versuchen. Hilfe sind da Archive. Dort ist Thomas Bauer mehrfach fündig geworden. Er bildet zusammen mit Jörg Lauterbach die Bauer-Lauterbach GmbH Dresden. Die Firma ist unter anderem für die Entwurfs-, Genehmigungs- und Ausführungsplanung für das Rakotzensemble sowie die Bauleitung zuständig.  Vorher haben die beiden Baufachleute die Bauwerke sozusagen auf Herz und Nieren untersucht.

Als Erstes räumt Bauer mit einem Fehler auf, der den Mann betrifft, der für die Bauten im Kromlauer Park verantwortlich zeichnet. Hermann Friedrich Rötschke heißt er und nicht Friedrich Hermann. Die Unterschrift zum Kauf des Rittergutes Zschorno, Grundbucheintragungen und das Testament führt Bauer als Beweise an. „Rötschke war im positiven Sinne ein Spekulant“, so Thomas Bauer. Drei Muthungen und damit Bergrecht hat sich Rötschke eintragen lassen. Die Muthung Theodor - heute mit dem Badesee Kromlau identisch -, die Muthung Hermann – am Rande des Pferdegartens wurde nach einer Bohrung Kohle gefunden – und die Muthung Jämlitz/Klein Düben/Kromlau gehörten einst zu seinem Besitz. Deshalb könne man die Tendenz ableiten, so Bauer, dass der Kromlauer Park in einer Art Rekultivierung entstanden sein könnte.

Doch wieso dann die Teufelsbrücke? Wieso die Grotte und anderes mehr? Thomas Bauer nennt es Schweizer Motiv, was der Inszenierung – der Kunst der Romantik - zugrunde liegen könnte. Historische Aufnahmen vom St.-Gotthardt-Pass in Deutschlands Nachbarland zeigen eine halbrunde Brücke, einen Wasserfall und anderes mehr. In Kromlau gibt es das Kavalierhaus im Schweizer Stil, die große Treppe am Rakotz, die das Bild vom Wasserfall aufnimmt. Die Rakotzbrücke. „Das ist die Grundinszenierung. Und die Bildplastiken gibt es on top“, so Thomas Bauer weiter. Dort folge dann der „Sprung“ in die Sagenwelt. Die Sagen der Gebrüder Grimm, aber auch die Nibelungensage können die Grundlage der Gestaltung gewesen sein, deutet Bauer an. Hierfür werde weiter geforscht. Die Ergebnisse sollen in einer Publikation münden.

Rund 40 Gäste aus Gablenz und Kromlau hören aber in anderthalb Stunden noch mehr Wissenswertes über die Bauwerke und ihr „Innenleben“ und zeigen sich später ganz begeistert. So gibt Matthias Kröning vom gleichnamigen Büro in Dresden einen Überblick über die Statik, und Christoph Franzen vom Institut für Diagnostik und Konservierung an Denkmalen spricht über die Baumaterialien. So ist die Brücke unten 19 Meter offen. Die Bogenstärke beträgt gerade mal 50 Zentimeter und muss dringend verstärkt werden. Bei allen Bauwerken im Rakotz ist die Gründung das Problem. Die der Brücke muss zudem noch genauer erkundet werden. Auswaschungen haben dazu beigetragen, dass sich wie in einer Tropfsteinhöhle Stalaktiten und Calcit-Gardinen gebildet haben. Außerdem wurde Kalktuff gefunden. Das lässt wiederum den Rückschluss zu, dass Rötschke mit modernen Materialien bauen ließ, nämlich mit Kalk-Zement-Mörtel. Der Basalt wiederum stammt aus dem Lausitzer Vulkanfeld. Doch auch dort will man es noch genauer wissen.

Untersuchen und Forschen ist die eine Seite der Medaille, die andere ist puzzeln. Zumindest muss man  sich das Ganze so vorstellen, als Jörg Lauterbach zeigt, wie die Grotte wiederaufgebaut wird. Per Computeranimation steht sie nämlich in ihrer Kubatur schon wieder. Glücklicherweise gibt es von der Grotte historische Bilder, auf denen auch Personen zu sehen sind. Diese geben Anhaltspunkte zur Größe des Bauwerks. Hinzu kommt, dass alle sichtbaren Steine gescannt und numeriert worden sind. Hier soll der Gemeinderat als Nächstes die Bauvergabe realisieren. Geht es nach Bürgermeister Dietmar Noack (CDU), dann soll zum 55. Park- und Blütenfest der Grundstein gelegt werden.

Bei der Rakotzbrücke wird als erster Bauschritt ein Traggerüst sichtbar werden, das den Bogen bis auf wenige Zentimeter ausfüllt. Es steht auch für den Fall der Fälle… Frostschäden, Steinausbrüche, Risse – es wird Zeit, dass saniert wird. Wobei Thomas Bauer unterstreicht, dass die Beton- und Bitumenabdeckung, die in den 70er-Jahren durch den damaligen Bürgermeister Werner Kubo geleistet wurde, eigentlich mit dafür gesorgt hat, dass die Brücke auch heute überhaupt noch steht. Dabei hatte das zu DDR-Zeiten schon mancher anders gesehen. Laut eines Gutachters aus dem Jahr 1958 hieß es damals nämlich: „diese augenscheinlich fragwürdige Romantik sollte man in Würde sterben lassen.“

4,2 Millionen-Euro-Sanierung im Kromlauer Park Ausschreibung für Rakotzbrücken-Ensemble beginnt im März

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