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Im Internet blauäugig in die Falle getappt

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Weißwasser. Wie schnell es geht, dass man im Internet auf der Suche nach einer Geldquelle in die Fänge krimineller Banden geraten kann, haben die beiden 50-jährigen Petra und Paul Z.* aus Rietschen erlebt. Marlies Tieke / mtk1

Weil die Ehefrau die treibende Kraft dabei war, wurde sie zu einer Geldstrafe verurteilt. Das Verfahren gegen den Ehemann wurde wegen geringer Schuld eingestellt.

Vor dem Amtsgericht in Weißwasser standen beide aufgrund der Anklage durch die Staatsanwaltschaft Görlitz. In zwei Fällen hatten sie als Finanzagenten insgesamt 9320 Euro über ihre Privatkonten transferiert und dafür 2285 Euro Provision erhalten. Wegen leichtfertiger Geldwäsche hatten sie sich damit strafbar gemacht.

In ihrer Aussage in der Hauptverhandlung erklärte Petra Z., wie es dazu gekommen war. Ihre Mutter, die sie viele Jahre gepflegt hatte, war gestorben. Da sie während dieser Zeit nur nebenbei etwas dazu verdient hatte, wollte sie nun im Internet nach einem lukrativen Nebeneinkommen schauen, um die finanzielle Situation zu verbessern. Bei ihrer Recherche war sie auf eine E-Mail gestoßen, die ihr seriös und völlig legal erschien. Es kam ein Arbeitsvertrag zustande. Ihr Ehemann, zu diesem Zeitpunkt arbeitslos, hat diesen Vertrag dann unterschrieben. Z. betonte dabei: "Ich habe meinen Mann da mit reingezogen. Er hat damit nichts zu tun, weil ich mich ums Finanzielle bei uns kümmere. Er vertraut mir da voll."

Das Geld kam zuerst auf ihr Geschäftskonto aus der Nebentätigkeit während der Pflege ihrer Mutter. Die Bedingung für den Geldtransfer war ein Konto ohne Dispo-Kredit. Von dort überwiesen die Eheleute es auf ihre jeweiligen privaten Girokonten. Der Weg des Geldes führte von dort schließlich über Western Union in die Ukraine. Die Girokonten der Eheleute dienten als "Phishing-Konten", über die Geldbeträge krimineller Banden ins osteuropäische Ausland transferiert werden. Für diesen "Dienst" erhielten sie eine lukrative Summe als Provision.

Als Z. mit ihrer Tochter darüber sprach, meinte diese gleich, dass diese Geschichte nicht ganz koscher sei. Da habe sie Angst bekommen und bei der Polizei angerufen, um eine Aussage zu machen. "Ich weiß, dass ich leichtfertig gehandelt habe und es tut mir auch wahnsinnig leid. Ich weiß jetzt, was Geldwäsche ist und bin ziemlich blauäugig dort rein getappt."

Richter Ralph Rehm verurteilte Petra Z. zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 30 Euro und berücksichtigte dabei ihr Geständnis und ihr bisher straffreies Verhalten. Das Verfahren gegen ihren Mann wurde eingestellt.

Die erhaltene Provision und ein geringer Betrag auf dem gesperrten Geschäftskonto fielen laut Verfallsanordnung der Staatskasse zu.

Das Urteil ist bereits rechtskräftig, da auf Rechtsmittel verzichtet wurde.

* Namen geändert