"Der Papierkorb am Jahnteich ist schon ewig nicht geleert worden." "So schlimm war das noch nie in Weißwasser mit dem vielen Unkraut an den Straßenrändern." "Die Wiese ist viel zu hoch, warum wird die nicht gemäht?" "Am Boulevard steht das Unkraut viel zu hoch und keiner kümmert sich."

Kritik wie diese bekommen die Mitarbeiter vom Weißwasseraner Wirtschaftshof oft zu hören. "Immer wird geschimpft, selten mal gelobt. Dabei bemühen wir uns", sagt Andrea Schreiber, deren Metier vor allem die Grünpflege ist. Seit 39 Jahren arbeitet sie auf dem städtischen Bauhof, ihr Chef Ralf Nestler 25 Jahre. Mit Referatsleiter Gerd Preußing ließen sie die RUNDSCHAU in ihr "Aufgabenheft" schauen. Der Laie würde sagen: Das kann von zwölf Mitarbeitern gar nicht bewältigt werden. Noch dazu, wo doch sieben davon nur je 30 Stunden und fünf je 35 Stunden pro Woche arbeiten. Vor gut 20 Jahren kümmerten sich allein nur um die Grünpflege etwa 30 Mitarbeiter . . .

Die Fakten: In Weißwasser gibt es 160 000 Quadratmeter Wiesenfläche, plus 50 000 Quadratmeter Rabatten und Sträucher, 85 Kilometer Straßennetz mit entsprechenden Gehwegen kommen dazu. Etwa 25 Kilometer davon sind unbefestigt. Zweimal im Jahr wird mit dem Hobel drübergefahren. Mehr geht nicht. Etwa 6000 Bäume an Straßen warten auf Pflege. "Da sind die von Friedhof, Kitas und Schulen noch nicht dabei", so Preußing. 2250 Straßenlampen, unzählige Verkehrszeichen, Regeneinläufe, Parkplatz-Markierungen werden überprüft und repariert genau wie Gehwege. An der Spreestraße ist Weißwasser für sechs Kilometer Radweg zuständig. "Das ist sehr aufwendig. Wir fahren zum Mähen, Kehren, zur Unterhaltung und Baumpflege hin und müssen später das Grünzeug zur Deponie in Weißwasser schaffen", erklärt Andrea Schreiber.

Erschwerend kommt hinzu, dass von November bis März - Winterdienst muss ja auch gemacht werden - niemand geplant Urlaub nehmen darf. Der fällt also zwischen April und Oktober an. "Im Durchschnitt sind wir dann eigentlich nur drei bis fünf Leute im Einsatz", rechnet Nestler vor. Obwohl jeder sein spezielles Gebiet hat (fünf Grünpfleger, zwei Elektriker, vier Verkehrszeichen-Kontrolleure usw., ein Container-Fahrer für Grünschnitt), geht's also nicht ohne Flexibilität. Für alles gibt es Touren- und Ablaufpläne, was wann zu machen ist. "Wir arbeiten eins nach dem anderen ab. Aber angesichts des breiten Aufgabenfeldes ist nichts von heute auf morgen zu schaffen. Ob Anwohner oder wir - es braucht Geduld. Und uns ärgert es doch genauso, wenn das Unkraut wächst und wächst." Andrea Schreiber und ihre Kollegen würden sich ein bisschen mehr Verständnis von den Weißwasseranern wünschen. Denn: "Grünpflege ist etwas fürs Auge. Aber zum Beispiel Verkehrszeichen instand halten oder Totholz an Bäumen beseitigen, das gehört zur Verkehrssicherungspflicht der Stadt. Es ist also ein Muss."

Gekehrt wird laut Satzung nach Kategorien. Alle drei Wochen Bundes- und Staatsstraßen, andere monatlich. Straßen ohne Entwässerung im Frühjahr und Herbst.

Was das ungeliebte Grün an den Straßenrändern angeht, so erhoffen sich Gerd Preußing, Ralf Nestler und die Kollegen sichtbare Verbesserungen durch den Einsatz der neuen Technik. Es ist ein voll biologisches System, das aber nicht bei Regen wirkt. Mit Schaum, der aus heißem Wasser und einer Zuckerlösung besteht, wird das Unkraut besprüht. "Nach einer Woche wird erneut eingeschäumt, und dann muss fünf Tage später gekehrt werden", erklärt Preußing. Einmal drüber, dann wegkehren und gut ist, wie viele denken, funktioniere nicht.

Wobei längst nicht alle über hochgewachsene Wiesen schimpfen. Waltraud Hermann zum Beispiel sagte kürzlich am RUNDSCHAU-Telefon, sie findet Wiesen, wo sich Schmetterlinge wohlfühlen, hübsch. "Da gibt es ganz andere Dreckecken, die mir ein Dorn im Auge sind. Zum Beispiel Grünabfall aus Kleingartenanlagen, der im Wald abgeladen wird, genau wie der viele Müll."

Das Aufgabenheft vom Wirtschaftshof enthält noch weitere Punkte. Doch es gibt auch Leistungen, die die Stadt extern vergeben hat. Dazu gehört die Entsorgung der Papierkörbe inklusive Hundeklos. Es liege nicht an den Firmen, wenn einige Behälter überlaufen, sagt Gerd Preußing. "Leider finden wir immer mal wieder Hausmüll darin."