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Im Bienengarten spielt Blasmusik

Für Stimmung beim Walderlebnistag am Samstag sorgten die Oberlausitzer Blasmusikanten.
Für Stimmung beim Walderlebnistag am Samstag sorgten die Oberlausitzer Blasmusikanten. FOTO: amz1
Skerbersdorf. Normalerweise ist der Bienengarten ein echter Geheimtipp für Naturfreunde. Das wiesenreiche Areal sowie der daran angrenzende Laubmischwald direkt am Neißehang zwischen Sagar und Skerbersdorf kennt kaum ein Ortsfremder. amz1

Anders dagegen am vergangenen Sonnabend. Da hatte der Verein Krauschwitzer Neißeland zum mittlerweile zehnten Walderlebnistag in den Bienengarten im Krauschwitzer Ortsteil geladen. Genauer gesagt, oberhalb dieser Fläche, und zwar dort, wo einst die Skerbersdorfer Skisprung-Schanze stand und seit dem Jahr 2008 die heutige hölzerne Schutzhütte.

"Der bislang letzte Walderlebnistag hatte im Jahr 2014 stattgefunden", erinnert sich Stefan Hofmann, Vorsitzender des Neißeland-Vereins. "Schon deshalb wurde es Zeit für eine Neuauflage." Gemeinsam mit den Polen aus dem befreundeten Ort Dobrochów (Zessendorf) wurde innerhalb weniger Monate das Fest auf die Beine gestellt. Die polnischen Nachbarn wiederum bringen allerhand kulinarische Delikatessen mit, beispielsweise Piroggen, Bigosch sowie schlesische Mohnrollen.

Für die passende Musik sorgen indes die Oberlausitzer Blasmusikanten. Die Künstler präsentierten dem reichlich erschienenen Publikum immer wieder gern gehörte Titel. Und wenn schon im Bienengarten ein Fest stattfindet, dürfen auch die namensgebenden Insekten nicht fehlen. So ist der Klein Priebuser Imker Bernd Mätzschke vor Ort, der aktuell vier Bienenvölker sein Eigen nennt. Die früher in der Muskauer Heide weitverbreitete Waldbienenzucht (Zeidlerei) werde heute so gut wie gar nicht mehr betrieben. Der Aufwand sei dafür einfach zu hoch.

Das Bienenjahr 2017 habe wenig verheißungsvoll begonnen. "Es ist einfach zu kalt. Und durch die späten Fröste sind auch noch zahlreiche Blüten erfroren", bringt Mätzschke das Dilemma auf den Punkt. Er hoffe jetzt auf die Raps-, die Robinien- und die Lindenblüte.

Aber was hat es nun mit dem Skerbersdorfer Bienengarten auf sich? Das erklärt der Krauschwitzer Bürgermeister und Neißeland-Mitglied Rüdiger Mönch: Demnach hatte sich im Jahr 1766 in Bautzen die "Oekonomische Bienengesellschaft der Oberlausitz" gegründet. Das Gremium verlegte vor nunmehr genau 220 Jahren seinen Sitz nach Muskau. Graf Ludwig Pückler hatte der Gesellschaft ein Grundstück im Neißetal überlassen, heißt es in der Ortschronik. Die Bewohner, die Waldbienen züchteten, durften dort zinsfrei leben. In den 1950er-Jahren entstand oberhalb dieses Areals eine Skisprung-Schanze, die bis 1990 existierte. Im Jahr 2008 wurde an ihrer Stelle die noch heute bestehende Schutzhütte erbaut. Diese erhielt erst vor wenigen Monaten einen Windschutz, wie Stefan Hofmann berichtet.

Übrigens: Beim Walderlebnistag wurde auch tüchtig gestempelt. Der erste Radler der Sternradfahrt des Kreises Görlitz in Richtung Herrnhut sei bereits um 6.30 Uhr vorbeigekommen. Schließlich befindet sich der Bienengarten direkt am Oder-Neiße-Radweg.

Jetzt überlegen die rund 20 Mitglieder des Krauschwitzer Neißeland-Vereins, ob der Walderlebnistag wieder jährlich stattfinden sollte. Schließlich komme die Veranstaltung in der Bevölkerung gut an. Nicht zuletzt gebe es dafür Fördermittel aus dem Interreg-Programm. Vielleicht gelingt mittelfristig auch wieder der direkte Brückenschlag vom Bienengarten zu den polnischen Nachbarn. Schließlich verkehrte dort bis zum Jahr 1945 eine Fähre über die Neiße zur gegenüberliegenden Kutschig-Mühle, einer bekannten Ausflugsgaststätte. Demnächst, so kündigt Stefan Hofmann an, werde erst mal eine Infotafel zum Bienengarten aufgestellt.