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Im Bauchladen gibt's Fischbrötchen

Hunderte Besucher verfolgten am Wochenende das 25. Abfischen am Maximiliansteich in Klitten.
Hunderte Besucher verfolgten am Wochenende das 25. Abfischen am Maximiliansteich in Klitten. FOTO: amz1
Klitten. Von wegen, Lausitzer Karpfen sei langweilig! Die landläufige Meinung ist am Sonnabend am Klittener Maxemiliansteich eindrucksvoll widerlegt worden. Denn mehr als 1000 geschätzte Besucher wollten das Abfischen des Gewässers am Westrand von Klitten miterleben. amz1

"Es stimmt zwar, dass die Karpfen heutzutage nicht mehr zu den Modefischen gehören", weiß Seniorchef Dietmar Bergmann. "Die Leute stehen eher auf Lachs. Daher müssen wir unsere Karpfen anders anbieten." Beispielsweise als Fischfilet. Das grätenfreie Produkt erfreue sich tatsächlich eines stabilen Absatzes. Auch deswegen, weil sich mittlerweile die Einsicht durchgesetzt hat, dass die heimischen Fische keineswegs nach Schlamm schmeckten. "Sie kommen unmittelbar nach dem Abfischen in unsere Hälteranlage", erklärt Dietmar Bergmann. Dort verlieren sie ihren bis dato herben Geschmack.

Fisch ist zum 25. Fischerfest jedenfalls mehr als gefragt. Das kann auch Ebbo Schernikau bestätigen. Der junge Dresdner bietet diverse Leckereien erstmals in seinem Bauchladen feil, unter anderem Bismarck-, Matjes- und Lachsbrötchen. "Das Geschäft läuft wirklich super", berichtet Schernikau. Sein "Laden" sei bereits fünf Mal neu aufgefüllt worden. Neben dem Geschmack würden die Kunden insbesondere schätzen, dass sie nicht lange warten müssen. Denn an den festen Verkaufsständen bilden sich mitunter längere Schlangen, da der Besucheransturm sehr groß ist. Ebbo Schernikau mag selbst gern Fischgerichte, wie er sagt. Der Kontakt zur Klittener Teichwirtschaft sei durch eine langjährige Freundschaft mit den Betreibern entstanden. Dort helfe der Dresdner, der in der Luftfahrtbranche arbeitet, bei den Fischerfesten gern aus.

Ebenfalls alle Hände voll zu tun haben der Wassermann und seine Nixe. In die Kostüme sind Peter Karnatz und Nicole Tschage geschlüpft. Im Gegensatz zu diversen Lausitzer Sagen, in denen der Wassermann als ein eher böser Bursche beschrieben wird, gibt sich Karnatz betont freundlich. "Wir erfreuen die Kinder mit kleinen Spielzeugen, Naschereien und die Eltern mit Karpfenkochbüchern." Ohnehin ist Peter Karnatz nur einer von insgesamt drei Klittener Wassermännern. Der Zweite fährt den Gästen im Boot über einen kleinen Teich, der Dritte im Bunde war dieses Jahr entschuldigt.

Obwohl die Klittener Fischer aufgrund der ungewöhnlichen Septemberwärme später als sonst mit dem Abfischen begonnen haben, scheint sich ein guter Ertrag abzuzeichnen. "Die Tiere sind gut gewachsen. Wir rechnen mit rund 60 bis 70 Tonnen Speisefischen für den Verkauf", prognostiziert Dietmar Bergmann. Das sind Zahlen, die im Durchschnitt liegen. Der Fisch wird vor allem an Abnehmer in Norddeutschland verkauft. Die Teichwirtschaft Klitten betreut 27 Teiche mit einer Gesamtwasserfläche von 273 Hektar.

In der gesamten Oberlausitz gibt es indes rund 1000 Teiche, die eine Gesamtfläche von mehr als 5000 Hektar haben. Davon befinden sich 1200 Hektar im Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft, rechnet Mitarbeiter Maik Rogel vor. Er präsentiert in einem mit Wasser gefüllten Plastikkahn die typischen Oberlausitzer Fischarten. Das Repertoire reicht vom Karpfen über Giebel, Rotfedern und Schleie bis zum Hecht. "Wir wollen den Leuten zeigen, wie vielfältig das Leben in unseren Teichen ist", begründet Rogel.

Die Besucher sind vom Fischerfest durchweg begeistert. Beispielsweise Jürgen Zastrow aus Boxberg: "In Klitten gibt es die schönste Veranstaltung von allen dieser Art. Besonders gefällt mir die familiäre Atmosphäre." Claus Hübner ist extra aus Freiberg in die Teichlausitz gereist. "Ich bin zwar nur heute Fischfan, aber die Stimmung hier ist super. Kann ich nur weiterempfehlen."