Gestiegen ist auch der Bestand der Brachpieper sowie der Raubwürger, fast elstergroßen Vögeln. "Sie haben eine schwarze Zeichnung im Gefieder, das sieht lustig aus, fast wie eine Maske.” Die Tiere leben von Mäusen, Eidechsen und Grillen - Nahrung, die sie im lückigen Gras des Gebiets leicht finden. "Der Boden hier ist nährstoffarm, deshalb der schüttere Grasbewuchs”, erklärt Alexander Harter.
Interessant am Bergener See sei zudem das Greifvögelvorkommen. Die Rohrweihe zieht ihre Kreise über dem Röhricht, sucht nach Wasservögeln. Korn- und Wiesenweihen nutzen die Gegend als Durchzugsgebiet. "Sie brüten aber hier nicht.” Auch der Seeadler ließe sich blicken und den Wachtelkönig habe er erstmals hier gehört. "Zu sehen bekommt man ihn jedoch kaum, er ist nachtaktiv und scheu. 2007 sei das Gebiet noch viel trockener gewesen, mittlerweile hätten sich großflächige Flachwasserbereiche gebildet. "Die Halbinsel könnte Kranichschlafplatz werden”, meint der 41-Jährige. Zwei Paare hätten am See bereits erfolgreich gebrütet, am Ufer fänden sie bereits viel Grünfutter. Mehrere hundert Kraniche seien zur Vogelzugzeit bereits zu beobachten gewesen. "Ende September, Anfang Oktober geht es hier richtig zur Sache”, meint der Planer.
Zahlreiche Gänse nutzten dann den See als Schlafgewässer. In flachen Pfützen rund um den See haben sich Amphibien angesiedelt. Das Seewasser selbst ist für sie noch zu sauer. Dieses wird in einigen Jahren sowieso für Kröten weniger interessant sein: 2013 wird der Bergener See geflutet sein, später eingesetzte Fische fressen die Kaulquappen. "Wir hoffen, in diesem Jahr noch künstliche Tümpel als Laichgewässer für Amphibien anlegen zu können”, sagt Alexander Harter.

Zielart Wiedehopf
Er kann sich zudem vorstellen, dass bald Wasserbüffel am Seeufer weiden. "Das sind friedfertige Tiere mit geringem Pflegeaufwand, die von Wasserpflanzen leben.” Sie könnten das Zuwachsen des Sees verhindern.
Eine Zielart im NGP ist der Wiedehopf. Am Bergener See lässt er sich heute nicht blicken, dafür ist er später auf dem Weg Richtung Terra Nova vom Auto aus zu erspähen. "Sechs Brutpaare leben hier mittlerweile”, sagt Dr. Harter nicht ohne Stolz. Noch vor fünf Jahren habe es in ganz Sachsen nur etwa 12 bis 15 Paare gegeben.

Aussichtspunkt geplant
Da im Bergbaufolgegebiet die Altbäume mit Höhlen fehlen, haben die Projektmitarbeiter über 30 Wurzelstubben und ausgehöhlte Baumstämme als Brut- und Nisthilfen aufgestellt. Dr. Harter hebt den aufgelegten Holzdeckel eines solchen Stamms - das Nest darin ist jedoch leer. "Wir hatten das Einflugloch zunächst zu groß ausgefräst”, erklärt er, "als wir das bemerkten und korrigierten, war die Brutzeit bereits vorbei.” Generell würden die künstlichen Nisthilfen noch nicht so gut angenommen. "Das muss sich erst entwickeln.” Einige Meter weiter, am Rand eines Kiefernwaldes, hatte eine Ziegenmelkerhenne gebrütet. Der Vogel ist der einzige in Europa vorkommende Vertreter der Familie der Nachtschwalben und in unseren Breiten selten zu treffen. "Zwei Eier haben wir gefunden”, freut sich Alexander Harter.
Das Ereignis habe sogar einen Naturfilmer auf den Plan gerufen, der sich mehrere Tage vor dem Nest auf die Lauer gelegt hätte. Vogelbeobachtung könnte auch bald am Neuwieser See möglich sein.
Im kommenden Jahr soll dort ein Aussichtspunkt errichtet werden. "Wir müssen aber erst prüfen, ob der Baugrund tragfähig ist”, sagt der Planer. Der Aussichtspunkt benötigt eine gewisse Höhe, damit heranwachsende Bäume die Sicht nicht versperren.

Hintergrund Naturschutzgroßprojekt "Lausitzer Seenland”
Träger: gemeinnützige GmbH "Lausitzer Seenland” mit Gesellschaftern Zweckverband Elstertal (70 %), Landesverein Sächs. Heimatschutz e.V. (15 %), AG Naturschutzinstitut Region Dresden e.V. (15 %)
Finanzierung: 6 Millionen Euro (Bund, Land) sowie eigene Einnahmen (Holzverkauf, Pacht, Jagd) in Höhe von 500 000 Euro
Größe des Kerngebietes: 5760 ha (5800 ha angestrebt)
Fläche in NGP-Besitz: 1000 ha (2000 ha werden folgen)
Flora und Fauna: 389 Gefäßpflanzen, zirka 500 Tierarten, darunter Vögel (200), Tagfalter (57), Laufkäfer (126), Libellen (39), Amphibien, Reptilien, Spinnen, Heuschrecken www.ngp-lausitzerseenland.de