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"Ich muss zur MPU! Und jetzt?"

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Weißwasser. "Ach das eine Bier kann ich noch trinken, bevor ich losfahre", denkt sich der eine oder andere vielleicht. Und dann – hoffentlich ist kein Unfall passiert – heißt es bei der Polizeikontrolle: "Sie haben über 1,6 Promille. Christian Köhler

" Nun steht der Weg zur Medizinisch-Psychologischen-Untersuchung (MPU) an. Gut 50 Personen müssen sich dieser in Weißwasser jährlich unterziehen. Das erklärt Kathleen Schroth von der Suchtberatungs- und Behandlungsstelle (SBB) in Weißwasser.

"Viele warten, bis sie eine Aufforderung von der Straßenverkehrsbehörde bekommen", berichtet Kathleen Schroth, "dabei reicht dann die Vorbereitungszeit bis zur MPU nicht." Am besten sei es, sich direkt nach dem Delikt bei der SBB zu melden. "Wir setzen dann auf eine kritische Selbstreflexion", erläutert Carina Schubel von der SBB. Das sei jedoch keine Garantie, die MPU beim ersten Mal auch erfolgreich zu absolvieren. Häufig erlebe das Suchtberatungsteam, dass sich Klienten zwar mit ihren Problemen auseinandersetzen, aber eine Einstellungs- und Verhaltensänderung ausbleibt.

Die 300 Euro zur Vorbereitung der MPU bei der SBB müssen die Klienten selbst bezahlen. In Einzelgesprächen erfolgt dann die Beratung. Neben Autofahrern kommen auch Radfahrer, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss unterwegs waren. "Wer mit 1,6 Promille Fahrrad fährt, bei dem liegt potenziell eine Gewöhnung vor", erklärt Kathleen Schroth. Das weitere Vorgehen hänge von der Schwere des Deliktes und dem allgemeinen Konsumverhalten ab.

Unter den 352 Klienten der SBB in Weißwasser und Niesky waren im vergangenen Jahr 233 wegen Alkoholproblemen. 80 kamen wegen illegalen Drogenkonsums wie Crystal, weitere wegen Medikamentenmissbrauchs, Spielsucht oder als Angehörige. Ein Viertel aller Hilfesuchenden waren Frauen. "Insgesamt haben wir 1458 Einzelgespräche gemacht und 422 Personen haben an Gruppengesprächen teilgenommen", sagt Kathleen Schroth.

Seit mehr als einem Jahr arbeitet zudem eine zusätzliche Drogenfachkraft in der SBB an der Brunnenstraße. Dies sei vor allem dem Umstand geschuldet, dass der Anteil von Crystalkonsumenten konstant auf hohem Niveau geblieben ist. Jeden Montag von 13 bis 14 Uhr wird eine Drogensprechstunde in Weißwasser angeboten. Eine offene Sprechstunde gibt es dienstags zwischen 13 und 15 Uhr. "Betroffene und Angehörige können sich unter der Woche telefonisch unter 03576 200007 - auch in Sachen MPU - bei uns melden", sagt Kathleen Schroth.

Zum Thema:
Es gibt zahlreiche, unterschiedliche Situationen, die die Fahrerlaubnisbehörden dazu bewegt, eine MPU anzuordnen. Es werden körperliche (medizinische) und geistige (psychologische) Fähigkeiten geprüft. Der medizinische Teil der Untersuchung umfasst den allgemeinen Gesundheitszustand, während der psychologische in die Tiefe geht. Die Kosten sind nach der Schwere des Vergehens gestaffelt: 383,18 Euro wegen Alkoholauffälligkeit (546,21 Euro mit Punkten), 535,50 Euro wegen Drogenauffälligkeit. Am 6. April um 17 Uhr findet in der SBB Weißwasser eine kostenlose Info-Veranstaltung zum Thema MPU statt.