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| 14:31 Uhr

Interview mit Waldemar Locke
„Ich lasse mich nicht unterkriegen“

Vor einem Jahr wurde Waldemar Locke (CDU) zum Trebendorfer Bürgermeister gewählt.
Vor einem Jahr wurde Waldemar Locke (CDU) zum Trebendorfer Bürgermeister gewählt. FOTO: Torsten Richter-Zippack
Trebendorf. Der Trebendorfer Bürgermeister Waldemar Locke zieht ein Jahr nach seiner Wahl Bilanz.

Genau zwölf Monate sind seit der Wahl von Waldemar Locke (CDU) als Bürgermeister von Trebendorf vergangen. Der 56-Jährige hat in seinem ersten von insgesamt sieben Amtsjahren mehrere Akzente gesetzt, insbesondere was die Thematik Kohle und Umsiedlung angeht. Dennoch gibt es in der 900-Einwohner-Gemeinde erheblichen Widerstand. Wie Locke damit umgeht und was er in der Zukunft vorhat, verrät der Mühlroser im Interview.

Am 24. September 2017 wurden Sie mit 52,9 Prozent der Stimmen zum Bürgermeister gewählt. Warum verspüren Sie trotz dieses Ergebnisses erheblichen Widerstand vonseiten mancher Bürger und gewählter Gremien gegen Ihre Person?

Locke Tatsächlich habe ich die jüngste Gemeinderatssitzung vom 12. September abgebrochen. Denn es liegt mir fern, mich als Lügner beschimpfen zu lassen. Ich bin immer an konstruktiver Sacharbeit interessiert. Ich glaube, mancher hat das Wahlergebnis vom September 2017 noch immer nicht verdaut. Der daraus resultierende Streit stößt längst auch in unserer Gemeinde auf Widerspruch. Ich weiß, dass die meisten Bürger hinter mir stehen, ebenso ist es bei den Vereinen. Sonst wäre ich ja nicht gewählt worden.

 Haben Sie manches Mal daran gedacht, als Bürgermeister zurückzutreten?

Locke Nein. Ich lasse mich nicht unterkriegen und lasse mich nicht fertig machen. Ich halte es da mit Goethe, der einst sagte, dass man auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, etwas Schönes bauen kann. Gerade jetzt in dieser schwierigen Zeit, wo die Umsiedlung des Ortsteils Mühlrose und der Nachholbedarf von Klein Trebendorf auf dem Plan stehen, müssen wir zusammenhalten.

 Was haben Sie in Ihrem ersten Bürgermeister-Jahr bereits erreicht?

Locke Zunächst ist der Breitbandausbau für die Ortsteile Klein Trebendorf und Mühlrose in trockenen Tüchern. Es hängt jetzt nur noch an der Telekom. Der Ortskern von Trebendorf ist bereits mit schnellem Internet versorgt. Des Weiteren verweise ich auf den Grundlagenvertrag für Mühlrose. Es geht dabei zum einen um private Entschädigungen bezüglich der geplanten Umsiedlung, zum anderem um Entschädigungen für die dortigen kommunalen Einrichtungen. Wir haben dabei Summen ausgehandelt, mit denen wir sehr zufrieden sein können. Darüber hinaus gibt es seit dem letzten Verhandlungstag im August einen zukunftsorientierten Fonds für Trebendorf, der Mittel für verschiedene Dinge, beispielsweise die Ansiedlung neuer Bürger und Arbeitsplätze, ebenso für die Kultur, bereithält.

 Klein Trebendorf mit seinen rund 230 Einwohnern bleibt laut dem neuen Revierkonzept der Leag stehen. Wie hoch ist dort der Nachholbedarf?

Locke Der ist in der Tat enorm. Erst kürzlich haben wir mit der Leag einen entsprechenden Wärmeliefervertrag ausgehandelt, den ich als guten Kompromiss bezeichne. Darüber hinaus setzen die Klein Trebendorfer auf Gasanschlüsse. Dieses Thema ist jetzt wieder aktuell, nachdem feststeht, dass dieser Ortsteil nicht abgebaggert wird. Inzwischen gibt es auch ein Konzept für die Abwasserbeseitigung. Deswegen steht die Gemeinde ständig mit dem Dresdner Wirtschaftsministerium in Kontakt. Ziel ist eine Co-Finanzierung von Freistaat und Leag. Der Hauptort ist bereits ans zentrale Netz angeschlossen, Klein Trebendorf indes nicht. Seit rund zehn Jahren ist aufgrund des Bergbaus dort infrastrukturmäßig kaum mehr etwas passiert. Wichtig ist, dass die Bürger nicht die entsprechenden Kosten tragen müssen. Und es darf auch keine unterschiedlichen Gebührensätze in einem Ort geben. Sonst wäre der soziale Frieden gestört. Sowohl im Wirtschaftsministerium als auch bei der Leag sind unsere entsprechenden Signale angekommen.

Sind Sie überzeugt, dass Mühlrose tatsächlich der Kohle weichen muss?

Locke Ich denke, die Abbaggerung steht zu 99 Prozent fest. Aber gerade das fehlende Prozent könnte das Zünglein an der Waage bilden, Stichwort Kohlekommission. Noch vor zwei Jahren hätte niemand geglaubt, dass Klein Trebendorf, Schleife-Süd, Mühlrose, Rohne und Mulkwitz stehen bleiben würden. Ein Dèjá-vu kann nicht gänzlich ausgeschlossen werden. Die heutige Politik ist doch für ihr Hü und Hott bekannt. Am 4. Dezember wird  der Leag-Aufsichtsrat über den Umsiedlungsvertrag Mühlrose befinden, die Unterschrift wird es zeitnah im Januar geben.

Wann startet der Abriss der ersten Gehöfte?

Locke Dieser beginnt mit dem Notarvertrag zwischen Umsiedlern und Leag zum 1. April 2019. Dabei handelt es sich um eine Vereinbarung aus dem Braunkohlenplan vom Jahr 1994. Diese Maßnahme sollte bereits im Jahr 2013 abgeschlossen sein. Letztlich wird der Ort aber gemeinsam an den neuen Standort ziehen.

Die komplette Umsiedlung von Mühlrose im Rahmen des Teilfeldes Mühlrose soll im Jahr 2024 vollendet sein. Schon am 25. Oktober dieses Jahres wird es im Gasthaus Martin einen Bürgerdialog geben, bei dem sich die Betroffenen über den neuen Ansiedlungsstandort Mühlrose informieren können.

Was sind Ihre Ziele für die nächsten sechs Bürgermeister-Jahre?

Locke Klein Trebendorf soll in dieser Zeit auf das infrastrukturmäßig gleiche Niveau gehoben werden wie der Kernort. Zudem möchte ich die Umsiedlung von Mühlrose wohlwollend begleiten. Zudem gilt es, die Baugebiete mit Leben zu füllen. Schon jetzt gibt es eine Nachfrage von Bürgern von außerhalb, die gern in Trebendorf ihr Häuschen errichten wollen.

Was könnte die nächste akute Baustelle in der Gemeinde werden?

Locke Da sehe ich das Haus der Vereine, das sich im Eigentum unserer Gemeinde befindet. Es gibt aber Bestrebungen, das Gebäude ins Eigentum der Stiftung „Zukunft/Leben in Trebendorf“ zu überführen. Deren Protagonisten befürchten, dass es im Fall einer Eingemeindung oder eines Gemeindezusammenschlusses weniger oder kein Geld mehr für die Einrichtung geben könnte. Dies ist aber nicht der Fall.

Mit Waldemar Locke sprach ­Torsten Richter-Zippack