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"Ich bin immer ein Suchender"

Horst Jurtz übergibt Landrat Bernd Lange (r.) eine Mappe mit künstlerischen Arbeiten.
Horst Jurtz übergibt Landrat Bernd Lange (r.) eine Mappe mit künstlerischen Arbeiten. FOTO: I.Tschätsch/igt1
Weißwasser. Die Kleine Galerie der Volkshochschule (VHS) Dreiländereck in Weißwasser platzte Sonnabendnachmittag fast aus allen Nähten. Zahlreiche Besucher wollten das 20-jährige Bestehen der Einrichtung feiern. Einen besseren Rahmen hätte die Personalausstellung des Künstlers Horst Jurtz anlässlich seines bevorstehenden 80. Geburtstages nicht haben können. Ingolf Tschätsch / igt1

Der Weißwasseraner gilt als Gründungsvater der Galerie. Der Gegensatz hätte nicht größer sein können. An der Wand eine Radierung, die das Schiffsunglück von Lampedusa 2012 zeigt, bei der rund 300 Menschen ums Leben kamen. Auf zwei Tafeln, aus sechs Flächen zusammengesetzt, sind Opfer mit weit aufgerissenen Mündern und Todesangst in den Augen zu sehen. Bezeichnenderweise trägt die Arbeit den Titel "Der Schrei". Vor diesem und weiteren Bildern sitzen frohe, erwartungsvolle Menschen. Sie sind an diesem Sonnabendnachmittag in großer Zahl in die Kleine Galerie geströmt.

Zwei Gründe haben sie heute hergeführt: Zum einen, um mit einem Fest das 20-jährige Bestehen der Weißwasseraner Kultureinrichtung zu feiern. Zum anderen, um den Gründungsvater der Galerie zu würdigen - den Weißwasseraner Künstler Horst Jurtz. Er hat anlässlich seines baldigen 80. Geburtstages dem Jubiläum eine Personalausstellung mit 40 Arbeiten gewidmet. Das Lampedusa-Werk gehört dazu.

Landrat Bernd Lange (CDU) spricht von der Galerie von einem kleinen Schatz, einem Kleinod der Stadt, ja des gesamten Landkreises. Er dankt den Künstlern, die hier ihre Spuren hinterlassen haben. Immerhin 134 Ausstellungen fanden laut Leiterin Karola Petrick in diesen zwei Jahrzenten statt. Ein bewegender Moment, als der Landrat Horst Jurtz, den Gründungsvater der Galerie, umarmt. Die beiden Männer kennen sich gut, nicht zuletzt durch Ausstellungen und Studienreisen, bei denen Künstler wie Jurtz den Landkreis international vertraten, beispielsweise beim Europaparlament in Straßburg.

SPD-Stadtrat Knut Olbrich, der heute als stellvertretender Oberbürgermeister unter den Gästen weilt, erinnert an besondere Ereignisse im Zusammenhang mit Jurtz . "Bereits 1986 initiierte Horst Jurtz, damals Leiter des Kreiskabinetts für Kulturarbeit, eine Galerie für Volkskunst. Ihr Domizil fand sie an der Muskauer Straße. Damit entstand die erste und einzige Galerie dieser Art im damaligen Bezirk Cottbus", so Olbrich.

In den Jahren ihres Bestehens von 1986 bis 1992 wurden etwa 25000 Besucher gezählt. Mit der Schließung habe man gleichzeitig eine neue Unterkunft gesucht. Hier sei es vor allem der damaligen Leiterin der Volkshochschule Weißwasser, Heike Richter-Beese, zu verdanken gewesen, dass bei der Rekonstruktion der Volkshochschule die Kleine Galerie mit einbezogen worden ist. Heike Richter-Beese sitzt an diesem Nachmittag unter den Gästen der Eröffnung, hat den Weg von Chemnitz nach Weißwasser nicht gescheut.

"Die Synthese zwischen Weiterbildungseinrichtung und Kleiner Galerie scheint gelungen", zitiert Knut Olbrich die RUNDSCHAU vom 26. März 1994 anlässlich der Eröffnung von VHS und Galerie an der Jahnstraße 50. "Diesem Satz ist bis heute nichts hinzuzufügen", meint Olbrich.

In seiner Laudatio bezeichnet der Kunstwissenschaftler Heinrich Schierz, Gründungsdirektor des Cottbuser Kunstmuseums und heutiges Dieselkraftwerk, Horst Jurtz als erstaunlich vielseitigen Künstler. Er lasse sich nicht auf bestimmte künstlerische Strömungen und persönliche Gestaltungsweisen festlegen. Jurtz selbst würde über seine Arbeit sagen: "Ich bin immer ein Suchender."

Der Gewürdigte bedankt sich auf seine Weise. Er schenkt der Galerie ein Porträt der verstorbenen Weißwasseraner Volkskünstlerin Anni Behr und dem Landrat eine Mappe mit Arbeiten, die im Zuge von internationalen Ausstellungen und Studienreisen entstanden sind. Anschließend müssen er und die Vertreter der Volkshochschule viele Hände zur Gratulation schütteln. Die Besucher nutzen auch das Festprogramm unter anderen mit Kunstangeboten für Erwachsene, einem Kleinkunstmarkt, Aktionen für Kinder und Livemusik mit der Singer-Songwriterin Anne Haight aus Berlin, der Enkeltochter von Horst Jurtz.