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"Ich bin ein Drama-Mädchen"

Ivonne Braasch bei Aufnahmen für einen Imagefilm über Radebeul von der Produktionsfirma Centre Films. Die Weißwasseranerin führt die Zuschauer an die schönsten Orte in dieser sächsischen Stadt.
Ivonne Braasch bei Aufnahmen für einen Imagefilm über Radebeul von der Produktionsfirma Centre Films. Die Weißwasseranerin führt die Zuschauer an die schönsten Orte in dieser sächsischen Stadt. FOTO: Centre Films
Weißwasser. Sie ist Mitte 20, schlank, 1,59 Meter groß, hat lange braune Haare. Wenn sie lächelt, strahlen ihre Augen. Zum Beispiel, wenn Nachwuchsschauspielerin Ivonne Braasch aus Weißwasser über Filmrollen und -projekte spricht. Gabi Nitsche

Sie mag es, hier zu sein. "Weißwasser ist mein Rückzugsort", bekennt Ivonne Braasch. Hier lebt ihre Familie, hier hat sie nach wie vor Freunde. Ihre Kindheit sei super gewesen. "Wir wohnten in Süd, und ringsherum war viel Wald zum Toben." Als junges Mädchen sei sie wie ein Junge gewesen. "Wir haben Fußball gespielt, die Straße vor dem Wohnhaus wurde zur Hockeyfläche. Ich hab' mich sogar beim Ringen ausprobiert. Einfach eine coole Zeit." Die 4. Mittelschule war "ihre" Schule. Wenn sie an ihre Jugendzeit in Weißwasser zurückdenkt, dann nehmen die Erinnerungen an die Showtanzgruppe Dance Attack viel Platz ein. Mehrere Jahre tanzte Ivonne Braasch mit den Mädchen vom TSC Kristall. Was sie unter der Leitung des Bühnenchoreografen Christoph Jonas und Übungsleiter Maik Derichs damals lernten und auf die Bühne brachten, sei unglaublich schön gewesen. "Das hat mich sehr inspiriert."

Als die Weißwasseranerin nach dem Schulabschluss nach Dresden ging - "ich wollte nicht so weit von Zuhause" - fand sie eine Möglichkeit, auch dort zu tanzen. "Aber ein wirklicher Ersatz für die Mädels in der Heimat war das nie."

Ivonne Braasch fand im Laufe der Zeit Interesse daran, Neues zu entdecken, kreativ zu sein. "Ob es nun Musik, Fotografie oder Filme waren." Doch daraus abzuleiten, aus ihr würde eines Tages eine Schauspielerin werden? Die Mittzwanzigerin winkt ab. Tja, wenn der Mensch nur in die Zukunft schauen könnte ...

Als sie vor einigen Jahren mit Freunden in Berlin in einem Szeneclub war, hätten sie die Sänger einer Band angesprochen. Es ging um ein Musikvideo, in dem sie mitspielen sollte. Ivonne sagte zu. Bei einem Jugendfilmcamp in Arendsee im Anhaltinischen, für das sich die junge Weißwasseranerin beworben hatte, gefiel sie dem Regisseur als Typ. Zwei Kurzfilme entstanden. Ivonne erinnert sich an eine sehr emotionale Vater-Tochter-Szene. Sensibel, wie sie sei - "ein Drama-Mädchen" -, da kämen ihr verletzliche Rollen entgegen. "Wenn ich jemanden sehe, dem es nicht gut geht, dann berührt mich das sehr", sagt Ivonne Braasch über sich.

Über eine Kleindarstelleragentur erhielt sie erste Textrollen. Ein Regisseur aus dieser Zeit meldete sich Monate später. "Es ging um eine Doku über Minna Wagner. Ich sollte die Minna spielen. Das war vor zwei Jahren und mein erster Auftrag für den MDR."

Vor der Kamera zu stehen, macht ihr Spaß. Doch Ivonne jage der Filmerei nicht verbissen nach, sondern gehe locker damit um. "Ja, ich denke jeden Tag daran, stelle mir Szenen vor, die ich gern spielen würde." Wenn sie das dann darf, sei das irgendwie komisch, "gerade so, als könnte jemand meine Träume lesen".

Mittlerweile umfasst ihre Filmografie schon etliche Angaben. "Vieles von dem, was ich voriges Jahr machen durfte, wird erst noch ausgestrahlt." Zum Beispiel ist sie noch in der ZDF-Serie "Soko 5113" in einer Episodenhauptrolle zu erleben. Als freches, Kaugummi kauendes Mädchen werde sie von TV-Kommissar Gerd Silberbauer verhört. "Einfach wunder-wunderschön", schwärmt Ivonne. Erst vor wenigen Wochen drehte sie erneut fürs ZDF unter Regisseur Robert Sigl "Model Traum 99".

Ihr Kinofilm-Debüt erlebte die Lausitzerin in einer Nebenrolle als Krankenschwester im aktuellen Streifen "Mara und der Feuerbringer." Unvergesslich für sie die Premiere im vergangenen Monat in Köln. Als Fan war Ivonne schon bei Premieren. Nun durfte sie das erste Mal selbst über den roten Teppich gehen. "Ich hielt mich erst zurück. Doch dann steht man plötzlich neben Jan Josef Liefers. Und die Kameras klicken. Mein Kinn hat wie verrückt vor Aufregung gezittert. Es war dennoch ein schönes Gefühl, und ich kann nicht sagen, ich wollte dort wieder weg", berichtet Ivonne Braasch und lacht herzlich dabei.

Seit vergangenem Sommer arbeitet die Weißwasseranerin mit einer Agentin zusammen, die auch international tätig ist. Unter Regisseur Sven Gielnik spielt sie die Linn in dem Kurzfilm "Brieftaube". "Eine sehr emotionale Geschichte, die von einer Briefliebschaft über drei Generationen handelt." Der Film sei für Festivals vorgesehen. "Aber manchmal wurden schon aus Kurzfilmen 90-Minuten-Filme." Das wäre cool, wenn es so käme, sagt Ivonne Braasch.

Aktuell arbeitet die junge Frau mit der Produktionsfirma Centre Films aus Dresden an einem Imagefilm über Radebeul. "Ich präsentiere darin die Stadt zur Sommerzeit, was sie alles zu bieten hat, um aktiv zu sein, sich zu erholen und Spaß zu haben. Ich freue mich sehr über diese Arbeit." Auf diese sei sie ebenso stolz wie auf all die Projekte der vergangenen Jahre. "Manchmal, wenn ich mit Freunden darüber so begeistert rede, müssen sie mich einbremsen", weiß die Nachwuchsschauspielerin. Aber das sei vollkommen in Ordnung.

Nach Zwischenstationen in Berlin, Leipzig und München - Ivonne liebt es, Städte für sich zu entdecken - hat sie sich ihr eigenes Zuhause in Dresden eingerichtet. "Dresden liegt zentral, ob München oder Berlin, alles ist schnell erreichbar, es ist eine tolle aktive Stadt", nennt sie die Vorzüge der Elbmetropole. Hier engagiert sie sich in einem Verein, der mit krebskranken Kindern Theaterstücke einstudiert und aufführt. Eine Aufgabe, die Ivonne viel gibt, sagt sie. Wie die Schauspielerei überhaupt. "Die ist mein Hobby, um das ich mich tagsüber kümmere. Abends konzentriere ich mich auf meinen Job." Für den braucht sie einen Laptop, und den kann Ivonne Braasch überall mit hinnehmen und nutzen. "Ich bin Wirtschaftsinformatikerin und im Grafikdesign unterwegs", erklärt sie.

Für die schauspielerische Ausbildung besuchte die zierliche junge Frau eine Reihe von Workshops in Berlin und München. Sie tanzt nach wie vor - zurzeit klassisch in einem Ballettstudio. Wenn Rollen es erfordern, lernt Ivonne reiten und sogar fechten. Mit Blick in die Zukunft sagt Ivonne Braasch: "Filme mitten aus dem Leben gegriffen - solche Rollen reizen mich. Jemanden zu spielen, der einen schweren Schicksalsschlag erleidet, krank ist oder die Arbeit verliert."

Die Mädels von Dance Attack in ihrer alten Heimat freuen sich mit Ivonne Braasch und über ihren erfolgreichen Weg. "Wir sind mächtig stolz auf sie. Und wir drücken ihr ganz fest die Daumen", bringt es Lolita Blockus auf den Punkt.

Ivonne Braasch bei der Premiere von "Mara und der Feuerbringer" in Köln.
Ivonne Braasch bei der Premiere von "Mara und der Feuerbringer" in Köln. FOTO: hinundwegphotography