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Ich-AG als Geburtshelfer für Radlerklause funktionierte

Zur Feier des Tages verwöhnte Wirtin Inge Noack ihre Gäste zum Jubiläum mit selbst gebackenen Torten und Kuchen.
Zur Feier des Tages verwöhnte Wirtin Inge Noack ihre Gäste zum Jubiläum mit selbst gebackenen Torten und Kuchen. FOTO: ni
Sagar. Die Oberlausitz gilt als Mekka für Radfahrer. Wer auf diese Art Urlaub setzt, findet ein sehr gut ausgebautes Radwegenetz mit insgesamt 5000 Kilometern, wie die Marketinggesellschaft Oberlausitz wirbt. Gabriela Nitsche

Der Neißeradwanderweg gehört dazu und lockt Touristen aus aller Welt an. Da braucht es auch Pensionen, wo diese ihr Haupt betten können, und Gaststätten, um sich für den Pedalritt zu kräftigen.

Inge Noack aus Sagar ergriff vor zehn Jahren die Chance, mit dem stärker werdenden Tourismus ihre Brötchen zu verdienen und hat das bis heute nicht bereut. "Damals machte ich das aus der Not heraus und hatte arge Bedenken." Inge Noack war lange Zeit arbeitslos, schulte zur Hotelfachfrau um, arbeitete in einer Weißwasseraner Gaststätte, stand dann eines Tages aber wieder ohne Arbeit da. Es war die Zeit, als Ich-AGs wie Pilze aus dem Boden schossen.

Heute weiß die 57-Jährige: "Das war der richtige Schritt, mich selbstständig zu machen."

Am Samstag feierte sie mit Familie, Freunden, Nachbarn und treuen Gästen die erste Null. Mit dabei Familie Schoppe-Siegert aus der Oberpfalz. "Vor zehn Jahren waren wir das erste Mal mit unserem Modellflugverein Achtel hier und sind in der Radlerklause eingekehrt. Seitdem zieht es uns mindestens einmal im Jahr hierher", sagt Gertraud Siegert. Sie lobt die Gegend, aber vor allem die gemütliche Atmosphäre. "Ja, im Laufe der Jahre hat sich eine Freundschaft entwickelt", fügt Inge Noack hinzu.

Die Familie der Radtouristen, die sie in den Jahren kennenlernte, sei sehr international. "Im letzten August übernachtete bei mir ein Australier. Der ist über Ungarn und Tschechien hierher geradelt. Aber auch Besucher aus den USA, aus Florida und Colorado, wollten die herrliche Oberlausitz kennenlernen", berichtet die Sagarin. Israelische Gäste, die ihre Verwandtschaft in Polen besuchten, legten an der Neiße einen Zwischenstopp ein.

"Die meisten Touristen suchen per Internet den Kontakt zu uns", weiß Inge Noack. Dann sind es vor allem die familiäre Atmosphäre und die Freundlichkeit, die die Urlauber zu schätzen wissen, wie der Blick ins Gästebuch verrät. "Was braucht ein Radler? Dusche, gute Bewirtung und ein Bett, und in der Radlerklause trifft man auch lustige Gleichgesinnte", trugen sich Oberwiesenthaler ein. Ostfriesenkinder lobten neben den angenehmen Bedingungen die gute Maibowle. "Ja, das mach' ich alles allein, genau wie ich Kuchen selbst backe", sagt Inge Noack. Ihr mache die Arbeit viel Freude. Nicht zuletzt, weil es die Gäste danken. "Die Pension zu führen, das ist ein Fulltime-Job." Wenn ihr Mann Peter Feierabend hat, unterstützt er sie abends und an den Wochenenden bei der Bewirtung der Urlauber.

Bei Weitem sind nicht nur einzelne Pedalritter an der Neiße unterwegs. "Oft sind es Familien, aber auch etliche Radwanderer in Gruppen. Und viele Ältere."

In der letzten Zeit wachse auch die Zahl der Wanderer per pedes. "Ich hab' das Gefühl, diese sehen den Neißeradweg wie einen Pilgerweg. Aber das ist ja auch kein Wunder, denn die Landschaft entlang des Flusses ist doch wunderschön", berichtet Inge Noack.

Wenn sie einen Wunsch frei hätte, dann den: "Weiterhin so nette Gäste, die sich bei uns wohlfühlen."