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| 19:19 Uhr

Besondere Holzlagerung
Holz geht in Boxberg baden

 Die ersten Fichtenstämme sind mit Betonteilen beschwert. Dies wird gemacht, damit das Holz später im Wasser nicht aufschwimmt.
Die ersten Fichtenstämme sind mit Betonteilen beschwert. Dies wird gemacht, damit das Holz später im Wasser nicht aufschwimmt. FOTO: Regina Weiß
Boxberg. Stürme und der Borkenkäfer haben dafür gesorgt, dass der Holzmarkt eingebrochen ist. Die Leag kann in dieser Situation einer Waldbesitzerinitiative aus dem Kreis Bautzen helfen. Von Regina Weiß

Holzlaster an Holzlaster steuert am Mittwoch über die B 156 und dann die Spreestraße das Kraftwerk Boxberg an. Doch nicht etwa, weil der Lausitz Energie Kraftwerke AG (Leag) plötzlich der Brennstoff Braunkohle ausgegangen ist. Es geht quasi um eine Hilfsaktion.

„Wir sitzen auf einem riesigen Holzberg“, erklärt Michael Junker. Er ist Revierleiter bei der Waldbesitzerinitiative Sachsen Timber International GmbH (STI) mit Sitz in Putzkau. Mehrere Umstände sind an diesem Dilemma schuld. Zum einen die Stürme, die in den Wäldern für Bruchholz gesorgt haben, zum anderen die Trockenheit, die den Beständen zu schaffen macht und so den Befall durch den Borkenkäfer begünstigt. Zu viel Holz ist deshalb auf dem Markt. Das Überangebot sorgt für fallende Preise.

Doch das Holz muss raus aus dem Wald. „Wir wollen dem Borkenkäfer das Futter entziehen“, erklärt Michael Junker. Denn wenn die geschlagenen Stämme am Waldrand gelagert werden, sind sie regelrechte Appetithappen für den Schädling. Der kann nämlich bis zu 500 Meter wandern, um den nächsten Baum anzugreifen. Außerdem überträgt der Käfer einen Pilz. Der sorgt wiederum dafür, das sich das Holz verfärbt. Es hat dann nur noch eine mindere Qualität. Bedeutet also auch wieder Geldeinbußen.

 Michael Wrzesinski, stellvertretender Kraftwerksleiter, und Revierleiter Michael Junker stehen vor dem Erdbecken, in das die Holztransporter rollen.
Michael Wrzesinski, stellvertretender Kraftwerksleiter, und Revierleiter Michael Junker stehen vor dem Erdbecken, in das die Holztransporter rollen. FOTO: Regina Weiß

Was dagegen hilft, ist ein Bad, um es mal ganz salopp zu formulieren. Diese Nasslagerung hat die STI seit den 1990er-Jahren bereits mehrfach angewendet. Im Forstbetrieb Putzkau wurde ein Teich ausgebaggert, der abgelassen werden kann und befahrbar ist. Das Holz lagert dort unter Luftabschluss mehrere Jahre, ohne an Qualität einzubüßen. „Aber unser Nasslager in Putzkau ist bereits nach Orkantief Friederike voll. Daher benötigten wir dringend größere Lagerflächen“, erklärt Waldeigentümer Wilderich Graf von Schall-Riaucour.

Deshalb hieß es für Michael Junker, sich auf die Suche machen. Gar nicht so einfach, die Lagermöglichkeit musste schließlich groß genug sein, mit dem Lkw gut zu erreichen und befahrbar sein. Schließlich wurde man am Standort des Kraftwerkes Boxberg fündig. Im Mai kam man ins Gespräch, seit Dienstag läuft der Holztransport.

Das auch deshalb so zeitnah, so der stellvertretende Kraftwerksleiter Michael Wrzesinski, weil die Behörden ebenfalls schnell reagierten. Die Landesdirektion Dresden sowie obere und untere Wasserbehörde mussten zustimmen, damit eins der zwei vorhandenen Erdbecken umgenutzt werden kann. Immer abwechselnd sind die Erdbecken im Einsatz, um das Prozesswasser des Kraftwerkes noch einmal zu reinigen, bevor es dem Schöps zugeführt wird. Das Becken, wo die Holzstapel wachsen, wurde 2017 saniert und wird erst 2024 für den Kraftwerksbetrieb wieder gebraucht.

Auf der Sohle des Beckens geht es am Mittwoch Schlag auf Schlag. Kaum steht der Holzlaster, beginnt das Entladen. Ganz präzise greift der Baggerarm zu. „Das ist ein eingespieltes Team“, weiß Michael Junker. Sechs Sattelzüge und zwei Ladeteams sorgen für ein stetes Be- und Entladen. So kommen mit jedem Transport 35 Festmeter zu den bereits in Boxberg lagernden 750 Festmetern hinzu. Zunächst werden in dieser Woche 2000 Festmeter aus fünf Forstbetrieben eingelagert. Weitere Lieferungen folgen in diesem und im nächstem Jahr, teilt die Leag mit. Bis zum Ende des Jahres 2023 ist die Nasskonservierung zwischen dem Ernergiekonzern und der STI vertraglich geregelt.

Bei den eingelagerten Stämmen handelt es sich um Fichtenholz. Es ist frei vom Borkenkäfer und nicht chemisch behandelt. Wichtig, wenn das Wasser später wieder dem Kreislauf zugeführt werden soll.

Apropos Wasser: Das Becken soll mit 60 000 Kubikmeter Prozesswasser geflutet werden Allerdings erfolge das schrittweise. Damit das Holz nicht auftreibt, wird es zum Teil mit Betonteilen beschwert. Und harrt der Dinge, die da kommen werden. Hoffentlich bessere Zeiten, was den Holzpreis betrifft, denn bei der Nasslagerung kann das Holz seinen Wert über längere Zeit erhalten. Wobei Michael Junker davon ausgeht, dass man möglicherweise noch nicht mal die Talsohle durchschritten habe. Aber nur mit auskömmlichen Preisen lassen sich die Mitarbeiter bezahlen und Reserven für die notwendige Wiederaufforstung und jahrelange Pflege bilden. Waldumbau ist eben keine schnelle Sache, aber notwendig, weil die Monokultur im Wald dem Borkenkäfer reichlich Angriffsfläche bietet.