Eigentlich sind Domenic und seine Pflegemutti Ramona Schulz aus Krauschwitz zu Silko Hoffmann gekommen, um den Herzenswunsch im Detail zu besprechen. Ein Fahrrad soll es sein, ein Mountainbike konkret.

Doch das gut Stück ist längst da, steht hinter einem Vorhang verborgen. Als Domenic auf eine „falsche Fährte“ geschickt wird, ist er erst mal baff, als er den geländegängigen Drahtesel sieht. Danach strahlt er und hält kurz inne. Ramona Schulz strahlt mit, auch sie hatte nichts geahnt.

Verein Herzenswünsche zieht Hut vor Pflegemutti

Seit neun Jahren gehört der Junge zur Familie von Ramona und Roland Schulz. Seit 20 Jahren haben sich die Krauschwitzer als Pflegeeltern verschrieben. Und das für besondere Kinder.

„Im Namen des Vereins, wir ziehen den Hut vor Dir“, richtet sich Silko Hoffmann, Vorsitzender des Vereins Herzenswünsche Oberlausitz, an die Pflegemutti. Sie mache das gern, betont sie gerührt. Fünf Kinder gehören neben Domenic und den drei eigenen zur Familie. Soll heißen, sie wohnen noch dort oder halten einen engen Kontakt zu den (Pflege-)Eltern.

Domenic leidet unter dem fetalen Alkoholsyndrom, weil seine leibliche Mutter in der Schwangerschaft Alkohol getrunken hat. Hinzu kam wahrscheinlich später auch eine Vernachlässigung. Domenic hat beispielsweise mit seinen Geschwistern untereinander eine eigene Sprache entwickelt.

Weißwasser

Bei Wind und Wetter mit dem Rad zur Schule

Er brachte also ein Päckchen mit, als sich Schulzes seiner annahmen. Und Ramona Schulz gibt zu, dass der gemeinsame Weg nicht einfach war. Mittlerweile hat Domenic seinen Platz in der Astrid-Lindgren-Schule gefunden. Dort wird die Ausbildung des 15-Jährigen noch drei weitere Jahre dauern.

„Es hat gebraucht. Domenic war der Meinung, er ist nicht behindert.“ Dass er Einschränkungen hat, sei überhaupt nicht schlimm, so Silko Hoffmann. „Glaub an Dich“, fordert er den Schüler auf.

Dieser fährt nicht nur in seiner Freizeit im Muskauer Park gern Rad. Sondern auch jeden Tag bei Wind und Wetter zur Schule. Das hat allerdings einen traurigen Hintergrund. Ein Busfahrer habe den Behindertenausweis von Domenic vor allen Kindern im Bus herumgezeigt. „Danach war das mit dem Busfahren vorbei“, so Ramona Schulz.