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Prüfung des Vorfalls durch das sächsische Gesundheits- und Veterinärwesen
Hat der Wolf zwei Kälber in Klitten gerissen?

Totes Kalb bei der Agrargenossenschaft Frankena - War hier ein Wolf da? Rissbeauftragter prüft, ob der Wolf auch ursächlich für den Tod des Kälbchens verantwortlich ist. Ähnlich ist es auch in Klitten. Dort wird ebenfalls nach Wolfsspuren an zwei Kälbern gesucht.
Totes Kalb bei der Agrargenossenschaft Frankena - War hier ein Wolf da? Rissbeauftragter prüft, ob der Wolf auch ursächlich für den Tod des Kälbchens verantwortlich ist. Ähnlich ist es auch in Klitten. Dort wird ebenfalls nach Wolfsspuren an zwei Kälbern gesucht. FOTO: Heike Lehmann (LR-FIN-RED-602)
Klitten. Als Maik Apelt, Chef der Klittener Agrargenossenschaft, am Montagmorgen die Weide für die 120 Rinder des Zuchtbetriebes betrat, hat er seinen Augen kaum getraut. "Zwei unserer Kälber waren völlig ausgeweidet, die Becken durchgebissen", sagt er der RUNDSCHAU am Dienstag. ckx

Maik Apelt vermutet, dass sich ein Wolf an den Kälbern zu schaffen gemacht hat. "Dabei waren die erst in der Nacht zum Montag auf die Welt gekommen", erzählt er.

Nach dem Kalben entfernte sich, so erklärt Apelt weiter, die Mutterkuh mit den Kälbern von der Herde. "Das ist ein völlig natürlicher Vorgang", berichtet der Rinderzüchter und mutmaßt, dass dabei ein Wolf offenbar leichtes Spiel gehabt habe. Zumal die Agrargenossenschaft die Zucht der Hereford-Rinder als Gemeinschaftsprojekt mit dem Biosphärenreservat Oberlausitzer Heide- und Teichlandschaft betreibt und deshalb die Weiden auch nicht umzäunt sind.

Unterdessen bestätigen der Landkreis Görlitz sowie das Kontaktbüro "Wölfe in Sachsen" auf Nachfrage, dass zwei Rissbegutachter des Kreisforstamtes am Montagabend in Klitten waren. Anschließend hatte die Agrargenossenschaft die getöteten Tiere in die Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und Veterinärwesen des Freistaates nach Dresden gebracht. Dort prüfen nun Veterinäre, ob tatsächlich ein Wolf für den Tod der Tiere verantwortlich ist. "Wir können das bislang nicht ausschließen", konstatiert Jana Endel. Mit einem Ergebnis sei spätestens Anfang der kommenden Woche zu rechnen, hieß es.

Die Mitarbeiterin des Kontaktbüros weist zudem darauf hin, dass in Sachsen bislang Übergriffe auf Rinderherden kaum auftraten. "Rinder sind wehrhafter als Ziegen oder Schafe", so Jana Endel. Allerdings räumte sie ein, dass es in Brandenburg - erst Anfang des Jahres im Landkreis Elbe Elster - einen Übergriff eines Wolfes auf Kälber gegeben hatte.

Im Jahr 2017 wurden bislang insgesamt 30 Übergriffe auf Nutztiere gemeldet (Stand 31. Mai). Davon konnte in 14 Fällen der Wolf als Verursacher festgestellt oder nicht ausgeschlossen werden. Bei diesen Übergriffen wurden 32 Nutztiere getötet, ein Tier verletzt und sieben sind vermisst.