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Harter Kampf um Sachsen Pellet

Im November 2008 führte der damalige Geschäftsführer Robert Knüttel unter anderem Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) durch die Anlage. Fotos: Uwe Menschner
Im November 2008 führte der damalige Geschäftsführer Robert Knüttel unter anderem Wirtschaftsminister Thomas Jurk (SPD) durch die Anlage. Fotos: Uwe Menschner
Rothenburg/Görlitz.. Voraussichtlich Anfang September wird das Insolvenzverfahren über die Sachsen Pellet GmbH eröffnet. „In den nächsten Tagen legt der Insolvenzverwalter seinen Bericht vor, auf dessen Grundlage das Gericht mit großer Wahrscheinlichkeit die Eröffnung des Verfahrens anordnen wird“, so Geschäftsführer Lutz Ackermann. Von Uwe Menschner

Dies sollte nach seinen Worten spätestens zum 10. September erfolgen, damit die Beschäftigten für den gesamten Zeitraum seit dem Insolvenzantrag, also seit dem 10. Juni, Insolvenzgeld erhalten können. „Dieses wird nach der Eröffnung für drei Monate rückwirkend ausgezahlt“, erläutert Lutz Ackermann.

Kurze Rückblende: Nachdem Ende 2008 mit viel Enthusiasmus der baldige Produktionsstart der Sachsen Pellet GmbH an ihrem Standort auf dem Flugplatz Rothenburg angekündigt worden war, schreckten im Frühjahr 2009 zunächst Gerüchte, später handfeste Berichte über eine wirtschaftliche Schieflage die Öffentlichkeit auf. „Ausschlaggebend dafür waren technische Probleme, die nicht behoben werden konnten“, erklärt Lutz Ackermann. Die Anlage sei zu keiner Zeit über das Stadium des Probebetriebs hinausgekommen, eine richtige Inbetriebnahme fand nicht statt. Insbesondere der Bandtrockner, ein wichtiges Glied in der technologischen Kette der Anlage, habe nicht wie erforderlich funktioniert. Hinzu kam der außergewöhnlich strenge Winter, der „für die Inbetriebnahme ebenfalls wenig förderlich war.“ Aufgrund der nicht in die Gänge kommenden Produktion konnten keine Einnahmen erwirtschaftet werden – die Zahlungsunfähigkeit war vorprogrammiert. „Die Sachsen Pellet GmbH hätte große Mengen von Holzpellets für die Energieerzeugung produzieren und absetzen können, der Bedarf dafür war und ist vorhanden“, betont Lutz Ackermann. So jedoch musste der Probebetrieb gestoppt, die Mitarbeiter nach Hause geschickt werden. Eine Reparatur der Anlage war aufgrund der fehlenden Liquidität nicht möglich.

Am 18. Mai übernahm Lutz Ackermann, der als Unternehmensberater bereits die Ansiedlung der Sachsen Pellet GmbH begleitet hatte, die Geschäftsführung. „Hätte ich allerdings das volle Ausmaß der Schwierigkeiten gekannt, dann hätte ich sicher davon Abstand genommen“, erklärt er heute. Nun jedoch steckt Lutz Ackermann seine ganze Kraft in die Rettung des Betriebes, der immerhin einen Investitionswert von 8,5 Millionen Euro verkörpert. „Jede Woche führe ich zwei, drei Interessenten durch die Anlage“, berichtet er. Dabei wurde mehrfach ernsthaftes Interesse bekundet, so auch von Großunternehmen, die den Einstieg in den Markt für regenerative Energieträger suchen. Allerdings seien noch einmal Investitionen in erheblichen Größenordnungen erforderlich, um die Pelletproduktion aufzunehmen. „Zu klären, wo dieses Geld herkommt – darin besteht zurzeit hauptsächlich meine Aufgabe“, erklärt Lutz Ackermann, der dazu in engem Kontakt unter anderem mit der Sächsischen Aufbaubank (SAB) steht. Relativ kurzfristig könnte die Produktion von Strohpellets aufgenommen werden, die auf dem polnischen Markt sehr gefragt sind – „hierfür muss aber noch die Wirtschaftlichkeit geprüft werden“, so der Geschäftsführer. Das bevorstehende Insolvenzverfahren sieht er in erster Linie als Chance – „es verbessert die Chancen, einen Investor zu finden, und eröffnet die Möglichkeit, aus nachteiligen Verträgen auszusteigen.“

Neben der 8,5 Millionen Euro-Investition steht auch die Zukunft der derzeit noch 28 Beschäftigten auf dem Spiel. „Nach dem 10. September erhalten sie ihr Geld vom Insolvenzverwalter oder von einem möglichen Investor, oder sie müssen kündigen“, erläutert Lutz Ackermann die verzwickte Situation. Einige hätten dies zugunsten einer beruflichen Neuorientierung bereits getan. Derzeit wird das Werksgelände in Rothenburg rund um die Uhr bewacht, ansonsten gibt es dort keinerlei Aktivitäten. In den letzten Wochen erfolgten turnusmäßige Wartungs- und Reinigungsarbeiten. Lutz Ackermann will mit aller Kraft um die Zukunft der Sachsen Pellet GmbH kämpfen – „es wäre sehr traurig, wenn diese von vielen Hoffnungen begleitete und durchaus zukunftsfähige Investition den Bach hinuntergeht.“