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Freizeit
„Hier ist alles noch sehr ursprünglich“

Der neunjährige Samuel probiert sich bei Schuhmacher Jean Großmann aus, und der Handwerker hilft dem interessierten Jungen gern. Normalerweise ist der Sagarer in seiner Reparaturwerkstatt in Bad Muskau anzutreffen.
Der neunjährige Samuel probiert sich bei Schuhmacher Jean Großmann aus, und der Handwerker hilft dem interessierten Jungen gern. Normalerweise ist der Sagarer in seiner Reparaturwerkstatt in Bad Muskau anzutreffen. FOTO: Ingolf Tschätsch
Sagar. Das Handwerker- und Gewerbe-Museum Sagar hat seine Pforten für die neue Saison geöffnet. Sogar Besucher aus Baden-Württemberg schauten am Ostersonntag vorbei. Von Ingolf Tschätsch

Ostersonntag-Nachmittag, Handwerk & Gewerbe Museum Sagar. Draußen eisige Schneeluft und Wind. Eigentlich kein Wetter, um vor die Tür zu gehen. Oder doch?

Vielleicht gerade deshalb mal ins Museum zum Start in die neue Saison. „Um 10 Uhr haben wir eröffnet. Seitdem kamen weit über 100 Besucher. Wenn wir heute über die 200er-Marke kommen – es ist ja noch bis 18 Uhr Zeit – können wir sehr zufrieden sein“, erklärt Gottfried Kreisel, der Vorsitzende des die Einrichtung betreibenden Fördervereins.

Im Museumscafé ist es mollig warm. Genau richtig, um dort mit Heike Krahl Ostereier zu bemalen. Eine kleine Runde hat sich dazu mit ihr an einem der Tische eingefunden. „Wir probieren heute die Batiktechnik aus“, ruft die Krauschwitzerin der RUNDSCHAU als Antwort auf eine entsprechende Frage zu. Dann brauchen die Kinder ihre Aufmerksamkeit.

Wer ins Museum nach Sagar kommt, kommt natürlich zuallererst wegen der alten Maschinen und Geräte, die die Handwerker früher benutzt haben. Und möchte sie, wenn möglich, auch in Aktion erleben. So wie das Sägegatter, an dem sich gerade einige Schaulustige eingefunden haben. Helmut Fiebig und Lutz Kober geben der Säge einen Stamm zum Bearbeiten.

Die alte Dame – 1895 von den Gebrüdern Lein in Pirna gebaut – macht ihre Sache mit Hilfe des 14-kw-Elektromotors gut. Bis 1932 diente ihr noch eine 38-PS-Wasserturbine als Antrieb. „Es gibt immer wieder mal Besucher aus der Branche, die mit uns fachsimpeln wollen. Gerade hatte ich so einen hier“, erzählt Gatterführer Fiebig. Der als gelernter Schlosser, wie er bemerkt, mit Holzbearbeitung ursprünglich gar nichts am Hut hatte, und sich nach und nach alles angeeignet habe.

Ein kleines Tischgerät zieht die Aufmerksamkeit von Nancy Reichel, ihrem Sohn Moritz und dessen Opa Elmar auf sich. Just in diesem Moment ist Gottfried Kreisel zur Stelle. „Damit kann man Sägeblätter schärfen“, erklärt er die Funktionsweise. Die junge Frau und Moritz haben eine weite Reise hinter sich. „Wir kommen aus Freiburg im Breisgau. Ich stamme aber aus Weißwasser und bin bei den Eltern zu Besuch. Heute bin ich das zweite Mal im Museum. Moritz ist als Junge natürlich technisch interessiert, und ich möchte ihm das hier alles zeigen. Wir wollen aber auch noch Ostereier bemalen“, meint der Gast aus dem Schwarzwald. Wie findet sie die Einrichtung in Sagar? „Ähnliche Museen gibt es auch bei uns. Das hier ist aber noch sehr ursprünglich“, lobt Nancy Reichel.

Gäste ebenfalls aus Baden-Württemberg schauen gerade in der Schuhmacher- und Sattlerwerkstatt vorbei: Daniela Petzold und ihr Sohn Samuel, während sein Opa Paul, der Dritte im Bunde, in Sagar wohnt. Samuel darf unter Anleitung von Schuhmacher Jean Großmann eine Einlegesohle ausschneiden und mit dem Hammer des Handwerkers Nägel einschlagen. „Ich bin Zimmermann. 1999/2000 haben wir hier diese Werkstatt gebaut“,  erzählt Paul Petzold, während er seinen Blick durch den Raum schweifen lässt. Jean Großmann, der sein Gewerbe in Bad Muskau betreibt, freut sich, dass das Museum zwei weitere Maschinen präsentieren kann. „Eine Spalt- sowie eine Schärfmaschine vom Orthopädie-Schuhmachermeister Johannes Güttler aus Weißwasser.“ Auch das und noch anderes gehören am Ostersonntag zur Saisoneröffnung: Bücherflohmarkt, der „Walderlebnispfad“ des Sachsenforstes und nicht zuletzt Bratwurst und Steaks, gebrutzelt von Egbert Feuerriegel und seinen Helfern. Und natürlich Glühwein – passend gegen die Kälte.

Heike Krahl aus Krauschwitz bemalt mit Besuchern Ostereier in der Batiktechnik.
Heike Krahl aus Krauschwitz bemalt mit Besuchern Ostereier in der Batiktechnik. FOTO: Ingolf Tschätsch
Die Brutzler vom Dienst: Egbert Feuerriegel und seine Helfer. Beim Museumsverein weiß man, Liebe geht auch durch den Magen.
Die Brutzler vom Dienst: Egbert Feuerriegel und seine Helfer. Beim Museumsverein weiß man, Liebe geht auch durch den Magen. FOTO: Ingolf Tschätsch